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Mibefradil: erst warten, dann umstellen

20.07.1998  00:00 Uhr

-Pharmazie

Govi-Verlag

Mibefradil: erst warten, dann umstellen

Die Umstellung von Mibefradil auf Calcium-Antagonisten vom Dihydropyridin-Typ kann gefährlich sein. Wie die amerikanische Fachzeitschrift JAMA berichtet, kam es bei vier Patienten, die zusätzlich Betablocker einnahmen, unmittelbar nach dem Wechsel des Präparates zum kardiogenen Schock. Ein Patient verstarb, die drei anderen konnten nur durch intensivmedizinische Betreuung gerettet werden.

Da Mibefradil eine lange Halbwertszeit (17 bis 25 Stunden) besitzt, sollten andere Calcium-Antagonisten nicht sofort nach Absetzen der Mibefradil-Therapie, sondern erst nach einer Auswaschphase gegeben werden. Bei Umstellung auf die meisten Calcium-Antagonisten und Betablocker beträgt sie sieben Tage, bei Umstellung auf Felodipin und Timolol vierzehn Tage. Bei ACE-Hemmern, Angiotensin-II-Antagonisten und Diuretika sind keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen zu beachten.

Ein halbes Jahr nach der Einführung nahm der Hersteller Hoffmann-La Roche das Mibefradil-haltige Arzneimittel Posicor® im Juni 1998 wegen schwerer Wechselwirkungen mit Betablockern, Digoxin, Verapamil und Diltiazem, besonders bei älteren Patienten, freiwillig vom Markt. Die Firma Asta Medica AWD, Zulassungsinhaber für das Mibefradil-haltige Präparat Cerate®, stellte den Vertrieb vorläufig ein, um zunächst in einem Stufenplanverfahren offene Fragen abschließend zu bewerten.

Die Wechselwirkungen kommen über Interaktionen mit Cytochrom P-450 (CYP 3A4) zustande. Mibefradil ist ein langwirksamer Calcium-Antagonist, der nicht zur Dihydropyridin-Klasse gehört und der sowohl T- als auch L-Kanäle blockiert.

Quelle: Mullins, M. E., et al. JAMA 280, 1998, 157-158.

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