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20.07.1998  00:00 Uhr
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PZ +++ Nachrichten +++  21.07. Regierung zieht positive Bilanz
PZ. Den gegenwärtigen Stabilitätskurs der gesetzlichen Krankenversicherung reklamiert die CDU/CSU-Bundestagsfraktion als Erfolg für sich. Bei seiner heute in Bonn präsentierten Arbeitsbilanz für die zu Ende gehende parlamentarische Legislaturperiode sprach Fraktionschef Wolfgang Schäuble von einer Erfolgsstory der dritten Stufe der Gesundheitsreform. Eines der weltbesten Gesundheitssysteme bleibe mit den getroffenen gesetzgeberischen Entscheidungen trotz steigender Qualität und Leistung bezahlbar. Ohne die jüngsten Reformaktivitäten läge der durchschnittliche Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung gegenwärtig schon bei 15 oder- 16 Prozent. Mit der dritten Reformstufe, so zeigte sich Wolfgang Schäuble überzeugt, habe die unionsgeführte Koalition die Eigenverantwortung aller Beteiligten gestärkt sowie Fehlsteuerungen abgebaut.

20.07. Thalidomid wieder zugelassen
dpa. Der Wirkstoff des früheren Schlafmittels Contergan kehrt nach 30 Jahren Verbot wieder in amerikanische Apotheken zurück. Die FDA gab dem Wirkstoff jetzt nach langen Beratungen grünes Licht als Mittel zur Behandlung von Lepra. Nach Medienberichten hatte die FDA in den vergangenden zehn Monaten zusammen mit dem Hersteller Celgene Corporation einen Plan ausgearbeitet, der dem erneuten Vorkommen von Geburtsschäden vorbeugen soll. Obwohl die Behörde Thalidomid lediglich für Lepra-Kranke genehmigt, ist zu erwarten, daß Ärzte den Wirkstoff auch zur Behandlung von Aids-Symptomen und Krebs verschreiben werden. Mehrere Studien haben gezeigt, daß der Wirkstoff Mundgerüche und eine Reihe anderer Probleme im Endstadium der Immunschwäche Aids besser bekämpft als alle anderen Mittel. Außerdem scheint Thalidomid Blinden und Patienten mit Hirn- und Brustkrebs helfen zu können.

20.07. Roche: Wie geht`s dem Personal in Mannheim?
dpa. Vierzehn Monate nach der Übernahme des Pharmaunternehmens Boehringer Mannheim durch Hoffmann-La Roche haben sich der Boehringer-Betriebsrat und die Unternehmensführung auf einen Interessenausgleich geeinigt. Danach sollen Personalveränderungen sozialverträglich abgewickelt und betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden, hieß es in einer von beiden Parteien unterzeichneten Mitteilung. Bis zum Ende der Umstrukturierungsphase in zwei bis drei Jahren können in Mannheim bis zu 800 Stellen wegfallen. Da zugleich an anderen Standorten neue Stellen entständen, sei von einem Personalverlust von 655 Stellen auszugehen. In Mannheim sind 6600 und in den ehemaligen Boehringer-Werken in Tutzing/Penzberg 2400 Menschen beschäftigt. Unter dem Dach der Roche Deutschland Holding GmbH arbeiten 11 500 Beschäftigte, die vergangenes Jahr 4,8 Milliarden DM Umsatz erzielten. Die Parteien einigten sich darauf, die natürliche Fluktuation auszunutzen und befristete Arbeitsverhältnisse nicht zu verlängern. Mitarbeiter von Bereichen, in denen abgebaut wird, haben bei einem freiwilligen Ausscheiden Anrecht auf Abfindung. Zudem soll das Instrument der Altersteilzeit genutzt werden. Bei Berücksichtigung der betrieblichen Notwendigkeiten sollen Vollzeit- in Halbtagsstellen umgewandelt werden.

20.07. Studie: Mit Ecstasy am Steuer
PZ.Ist Autofahren mit Cannabis oder mit Ecstasy genauso gefährlich wie mit Alkohol? Bisher gibt es nur sehr widersprüchliche Informationen zu diesem Thema. Um der Sache auf den Grund zu gehen, werden Interviewteams der Universitäten Würzburg und München in mehreren bayerischen Städten besonders in und um München, Nürnberg und Würzburg vor Diskotheken und Kneipen fahren, um dort junge Autofahrer zum Thema "Fahren unter Drogen" zu befragen. In München sind in der Zeit von Mitte Juli bis Mitte September jeweils Freitag und Samstagabend insgesamt 20 Untersuchungsabende geplant. Als fahrbares Labor dient ein Wohnmobil, in dem ein Fahrsimulator aufgebaut ist. Hier wird getestet, ob und inwieweit sich ein aktueller Rauschmittelkonsum, sei es Alkohol, Haschisch oder sonstiges, auf die Fahrsicherheit auswirkt. Jeder Teilnehmer erfährt hinterher, wie gut er dabei abgeschnitten hat und wie riskant für ihn das Fahren unter Drogen ist. Die Teilnehmer werden auch gebeten, eine Urin- , Speichel- oder Blutprobe abzugeben, um genau zu messen, wie hoch die Drogenkonzentration ist. Die Teilnahme ist freiwillig und gänzlich anonym. Ein vergleichbares Projekt hat es weltweit bislang nicht gegeben.

17.07. Stada im Kaufrausch
PZ. Innerhalb einer Woche hat die Stada Arzneimittel AG zwei Übernahmemeldungen bekanntgegeben. So gehen die apotheken- und verschreibungspflichtigen Arzneispezialitäten der Fresenius AG, Bad Homburg, in die Hände der Bad Vilbeler. Der Umsatz mit diesen Präparaten belief sich 1997 auf rund 30 Millionen DM, teilt das Unternehmen mit. Außerdem übernimmt das apothekereigene Pharmaunternehmen die Cell Pharm GmbH. Das Unternehmen aus Hannover produziert und vertreibt Onkologika. Der Gesamtumsatz belief sich 1997 auf rund 15 Millionen DM. Stada hofft nach eigenen Angaben, sich damit in ein zukunftsträchtiges Marktsegment im Klinik- und im niedergelassenen Bereich eingekauft zu haben. Der Gesamtmarkt der Zytostatika umfaßt ein Umsatzvolumen von rund 1,2 Milliarden DM mit einer Steigerungsrate von 1996 auf 1997 von 18 Prozent.

17.07. Urlaub kann krank machen
dpa. Jeder zweite Urlauber hat während oder nach seiner Reise gesundheitliche Probleme, jeder zwölfte muß deshalb einen Arzt aufsuchen, wie der hessische Landesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) in Wiesbaden berichtete. Jeder 50. Urlauber sei nach seiner Rückkehr sogar arbeitsunfähig. Viele Menschen überschätzten im Urlaub ihre Fähigkeiten und ihre Fitneß, andere legten sich nur auf die faule Haut und gefährdeten so ihre Gesundheit. Manche reisten auch in ferne Länder, ohne auf den Impfschutz zu achten.Unfälle beispielsweise beim Schwimmen oder bei Mammut-Wandertouren seien häufig die Folge von Selbstüberschätzung, Herz und Kreislauf seien den plötzlichen Überanstrengungen nicht gewachsen und verursachten Probleme. Faulenzen und übermäßiges Essen könnten der Gesundheit ebenfalls schaden.

17.07. Syphilis: Erreger komplett entschlüsselt
dpa. Wissenschaftler ist es gelungen, das Erbgut des Syphilis-Erregers komplett zu entschlüsseln. Aus 1,14 Millionen Basenpaaren setzt sich das Genom des Bakteriums Treponema pallidum zusammen. Sie formen die rund 1000 genetischen Folgen des spiralenförmigen Erregers. Wissenschaftler hoffen nun, einen Impfstoff gegen die Geschlechtskrankheit entwickeln zu können, berichtet die aktuelle Ausgabe des US-Fachmagazins Science. Der Durchbruch gelang einem Team um Claire Fraser vom Institut für Genomforschung in Rockville (US-Staat Maryland). Die genetischen Informationen verraten, wie das Bakterium in Haut, Knochen, Herz und Hirn seines Opfers eindringt und diese - vor der Entwicklung von Penicillin - ihres Verstands und schließlich ihres Lebens beraubte. Der Schlüssel für die Schlagkraft des Erregers liege in zwölf Eiweißstoffen auf seiner Hülle, berichten die Wissenschaftler. Mit diesem Wissen glauben die Forscher, auch die Herkunft des T. pallidum klären zu können. Derzeit wird die Syphilis vor allem im Zusammenhang mit der Immunschwächekrankheit Aids gefürchtet. Alte Syphilis-Wunden erleichtern den HI-Viren den Zugang, das heißt, mit ihnen steigt das Risiko einer HIV-Infektion um ein Vielfaches.

16.07.Vor Viagra-Einnahme Versicherung abschließen
dpa. Vor der Zulassung des Potenzmittels Viagra für den britischen Markt boomt bei einer Londoner Versicherungsgesellschaft das Geschäft mit Impotenz-Policen. Die Nachfrage sei seit dem Bekanntwerden von Viagra in "den Himmel geschossen", teilte Simon Burgess, ein geschäftsführender Gesellschafter von Goodfellow Rebecca Ingrams Parson (GRIP), mit. 3 000 Policen seien seither abgeschlossen worden. Das bedeute eine Steigerung um 200 Prozent. Die Police deckt für ansonsten gesunde Männer die medizinische Behandlung von Impotenz. Sollte sich dabei kein Erfolg einstellen, zahlt GRIP pauschal 100 000 Pfund (300 000 Mark) aus. Dies sei bisher in sechs Fällen geschehen. Da Tests die Wirksamkeit von Viagra bestätigt hätten, hat GRIP laut Burgess in dieser Woche die jährliche Beitragssumme um 50 Prozent auf 50 Pfund (150 Mark) gesenkt. Etwa fünf bis zehn Prozent der Klientel sind ihm zufolge Frauen, die eine Police für ihre Ehemänner abschließen.

15.07. Bei der Geburt gleich Blut spenden
dpa. Die Gesellschaft für Zelltransplantate mbH Vita 34, Leipzig, bietet Eltern von Neugeborenen an, das Blut aus der Nabelschnur des Kindes gegen Gebühr jahrelang einzulagern. Bei einer Krebserkrankung könnten das eigene Blut mit den Stammzellen für eine Therapie genutzt und damit die Heilungschancen vergrößert werden. Die Suche nach einem Knochenmarkspender und eine Knochenmarkstransplantation seien damit überflüssig. Auch die Gefahr der Unverträglichkeit des fremden Marks und die befürchteten Abstoßungsreaktionen entfallen. Die Einlagerung kostet pro Monat 30 Mark. Für den Transport von der Klinik zur Bank werden einmalig 220 Mark erhoben. Das Vita-Konzept basiere auf der Erkenntnis, daß die Stammzellen für die Bildung des Zell- und Immunsystems des Menschen verantwortlich sind. Chemotherapeutika zerstören nicht nur die Krebszellen, sondern auch die Stammzellen. Vita 34 ist die erste Zellenbank für Krebstherapien in Euroapa.

15.07. Demographie vor Wahlen kein Thema
PZ. Das Votum der Enquête-Kommission Demographischer Wandel zur Zukunft der Gesundheits- und Rentenpolitik wird vor der Wahl nicht mehr gehört. Nach einem internen Streit haben sich Regierungskoalition und SPD darauf geeinigt, die Arbeit des Expertengremiums lediglich mit einem Zwischenbericht abzuschließen. Zur Diskussion im Parlament kommen die Probleme, die sich aus dem demographischen Wandel ergeben, wenn der neu gewählte Bundestag die Enquête-Kommission erneut einsetzt. Der Zwischenbericht, der unmittelbar nach der Bundestagswahl vorgelegt wird, beschränkt sich auf die Bereiche, in denen sich Union und SPD einig sind.

15.07. Creutzfeldt-Jacob auch in Luxemburg
dpa. Erstmals ist ein Luxemburger an den Folgen der tödlichen Creutzfeldt-Jacob-Krankheit gestorben. Das hat der luxemburgische Gesundheitsminister Georges Wohlfart heute in einer parlamentarischen Anfrage bestätigt. Der Mann sei bereits im Mai in einem Krankenhaus in Brüssel gestorben, sagte der Minister. Allerdings hätten Untersuchungen an mehreren Universitäten ergeben, daß es sich nicht um die neue Form von Creutzfeldt-Jacob handele, die möglicherweise durch die Rinderseuche BSE hervorgerufen werde. Wie Wohlfart mitteilte, seien in Luxemburg zwischen 1994 und 1997 drei weitere Fälle von Creutzfeldt-Jacob festgestellt worden.Top

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