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Der Patient steht im Mittelpunkt

21.07.1997
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-Editorial

  Govi-Verlag

Der Patient steht im Mittelpunkt

    von Hans-Günter Friese
Präsident der ABDA - Bundesvereinigung
Deutscher Apothekerverbände

Die Forderung der Spitzenverbände der Krankenkassen nach alternativen, ihrer Meinung nach kostensparenden Vertriebswegen, wie beispielsweise dem anonymen Versandhandel, wird auch in Zukunft Anlaß für viele hitzige Diskussionen sein.

Sie selbst wissen als Apotheker, daß in unserem Gesundheitswesen die Apotheke unverzichtbar ist, weil es für eine qualitativ hochstehende Arzneimittelversorgung der Bevölkerung keine Alternative zur Apotheke gibt. In der Apotheke steht der Patient im Mittelpunkt.

Es ist aus Erhebungen bekannt, daß nicht wenige Arzneimittel falsch angewendet werden. Die fehlerhafte Einnahme von Arzneimitteln ist für im Mittel fünf Prozent der Krankenhauseinweisungen verantwortlich. So stellt sich als nächstes die Frage, ob sich durch den Versandhandel diese Problematik noch weiter verschlimmert und anstatt Kosten zu sparen noch mehr Kosten verursacht werden. Ist dies zum Wohle des Patienten? Ich denke: nein!

Nur die Apotheker sind in der Lage, vor Ort durch direkten und persönlichen Kontakt auf die individuellen Probleme des einzelnen Patienten einzugehen. Dies ist unser Vorteil gegenüber dem Versandhandel, also sollten wir ihn auch nutzen.

Wenn wir uns als Apotheker zum "Anwalt des Patienten" machen und bereit sind, mehr Verantwortung zu übernehmen, um arzneimittelbezogene Probleme zum Wohle des Patienten zu lösen, können wir den Krankenkassen belegen, daß die Apotheker die Kompetenz haben, durch Optimierung von Arzneimitteltherapien in Zusammenarbeit mit den Ärzten Kosten zu sparen. Dies ist jedoch nur möglich, wenn das Konzept der Pharmazeutischen Betreuung von allen Apothekern in den Alltag integriert wird.

Mit der vor kurzem erfolgten Gründung der „Förderinitiative Pharmazeutische Betreuung" (FI) (siehe PZ 29, Seite 28) ist eine weitere Grundlage zur konkreten Umsetzung dieser Philosophie in die Apothekenpraxis geschaffen worden. Erste Pionierarbeiten, die Pharmazeutische Betreuung in Deutschland gezielt zu etablieren, werden gegenwärtig in der sehr motivierten Kollegenschaft mit der "Asthma-Studie" in Hamburg geleistet sowie mit weiteren Projekten, zum Beispiel in Berlin, Westfalen-Lippe, Baden-Württemberg und Brandenburg.

Um das Konzept der Pharmazeutischen Betreuung aber noch stärker in unserer Kollegenschaft zu verbreiten, wird vom 22. bis 23. November 1997 in Frankfurt am Main das 2. ABDA-Symposium "Pharmaceutical Care" stattfinden. Ziel des Symposiums ist es zu zeigen, daß die Pharmazeutische Betreuung in der Apotheke machbar ist, und wir wollen anhand von Seminaren konkret vermitteln, wie die praktische Umsetzung aussieht. Der rein wissenschaftliche Aspekt soll auf dieser Veranstaltung nicht im Vordergrund stehen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich hoffe, daß Sie sich jetzt schon den Termin vormerken, und lade Sie herzlich zur aktiven Teilnahme an diesen beiden Tagen ein!

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