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Scherings Placebopillen sind erst der Anfang

13.07.1998
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-Wirtschaft & Handel

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Scherings Placebopillen sind erst der Anfang

Der Handel mit gefälschten Medikamenten hat in Brasilien größere Ausmaße als bisher angenommen. Nach der Panne um falsche und wirkungslose Antibabypillen des deutschen Pharmakonzerns Schering veröffentlichte das Gesundheitsministerium in Brasilia jetzt eine Liste mit insgesamt 61 gefälschten Arzneimitteln, die in den rund 50.000 Apotheken des Landes verkauft werden. Darunter sind Antibiotika, Verhütungsmittel und Zytostatika.

Der Austausch der Medikamente gegen gefälschte Präparate erfolge höchstwahrscheinlich durch Zwischenhändler, die das Bindeglied zwischen Pharmalabors und Apotheken sind. Mehrere tausend Beamte der neu gegründeten Polizei-Sondereinheit sollen in den kommenden Wochen die Apotheken kontrollieren und gefälschte Medikamente beschlagnahmen.

Aufmerksam wurden die Behörden des Landes durch den Skandal um die gefälschten Antibabypillen Microvlar von Schering. In den vergangenen Monaten waren in Brasilien schätzungsweise 50.000 Packungen Microvlar in den Handel gelangt, die nur Pillen aus Weizenmehl enthielten. Mindestens vier Frauen gaben an, nach Einnahme der Mehlpillen ungewollt schwanger geworden zu sein. Laut Schering wurden inzwischen landesweit 900.000 Packungen eingesammelt, ohne daß darunter noch eine gefälschte Pillenschachtel entdeckt worden wäre.

Mittlerweile hat sich Schering für die Vorwürfe gegen den brasilianischen Gesundheitsminister Jose Serra entschuldigt, die der Konzern nach einem Verkaufsverbot für sämtliche Produkte erhoben hatte. Zuvor hatte die brasilianische Regierung die Behauptung zurückgewiesen, Serra benutze den Skandal um unwirksame Antibabypillen aus politischen Motiven, weil im Oktober Wahlen seien.

Beitrag von der PZ-Redaktion
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