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13.07.1998
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PZ +++ Nachrichten +++  14.07. BSE-Forscher klagt: Arbeit behindert
dpa. Der umstrittene britische Mikrobiologe Harash Narang hat britischen Beamten vorgeworfen, seine Forschung über Verbindungen zwischen Rinderwahnsinn (BSE) und der bei Menschen tödlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung (CJD) blockiert zu haben. Die Verbindung zwischen der Tierseuche und der neuen CJD-Variante hätte nach seiner Ansicht Jahre früher festgestellt werden können, wenn man nicht seine Arbeit zerstört hätte. Dies behauptete der frühere Mitarbeiter des staatlichen Forschungsdienstes in einer gestern veröffentlichten Unterlage für eine öffentliche Anhörung über die BSE-Entwicklung. Angriffe Narangs auf die staatlichen Aktivitäten nach Ausbruch der BSE-Krise sind in der Vergangenheit immer wieder zurückgewiesen worden. Der Biologe verlor auch seine Anstellung im Staatsdienst. Nach Angaben Narangs ist er bereits 1990 bei Forschungsarbeiten in den Labors des staatlichen Gesundheitswesens (PHLS) auf erste Hinweise für CJD-Fälle gestoßen, die durch BSE beeinflußt worden waren. Trotz seiner Weigerung seien aber die Labortiere auf Anweisung von Vorgesetzten vernichtet worden. PHLS-Sprecher haben dies bestritten.

13.07. Mibefradil erst auswaschen
PZ. Der Wechsel von Mibefradil auf Calcium-Antagonisten vom Dihydropyridin-Typ kann gefährlich sein. Wie die amerikanische Fachzeitschrift JAMA berichtet, kam es bei vier Patienten, die gleichzeitig Betablocker genommen hatten, unmittelbar nach dem Wechsel des Präparates zum kardiogenen Schock. Ein Patient verstarb, die drei anderen konnten nur durch intensivmedizinische Betreuung gerettet werden. Wegen der langen Halbwertszeit (17 bis 25 Stunden) von Mibefradil sind bei der Umstellung auf andere Medikamente Wartezeiten zu beachten. Wird auf Felodipin und Timolol umgestellt, ist eine Auswaschphase von vierzehn Tagen zu beachten, bei Umstellung auf die meisten Calcium-Antagonisten oder Betablocker beträgt sie sieben Tage. Bei ACE-Hemmern, Angiotensin-II-Antagonisten und Diuretika sind keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Die Wechselwirkungen kommen über Interaktionen mit Cytochrom P-450 (CYP 3A4) zustande.

13.07. Borreliose: Den Zecken den Garaus machen
dpa. Zur Behandlung der durch Zeckenbisse übertragenen Lyme-Borreliose haben Wissenschaftler aus Heidelberg und Freiburg eine neue Strategie entwickelt. Mit Hilfe gentechnisch hergestellter Antikörper wollen sie dem bakteriellen Erreger den Garaus machen, berichteten die Immunologen Michael Kramer und Reinhard Wallich von der Universität Heidelberg sowie Markus Simon vom Max-Planck-Institut für Immunbiologie in Freiburg. Die trickreichen Krankheitsauslöser nisten sich in Geweben ein, in denen sie nicht nur vor den Angriffen des Immunsystems, sondern auch vor Antibiotika weitgehend geschützt sind. Mit den Antikörpern könnten die Bakterien aber überlistet werden. Simon wies auf erfolgreiche Tierversuche hin.

13.07.Testkauf: Apotheker beraten schlecht
dpa. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ) hat den Apotheken in Sachen Kundenberatung ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Statt fachgerecht zu beraten, gehe es vielen Apothekern um den bloßen Verkauf von teilweise fragwürdigen Präparaten, sagte die VZ-Sprecherin Angela Clausen. Drei Monate lang hatten die Verbraucherschützer 225 Apotheken in 14 Städten überprüft. Die Prüfer gaben sich als übergewichtig aus und fragten nach einer Möglichkeit, wieder schlank zu werden. "Das Ergebnis war nicht befriedigend", sagte Clausen. Nur rund jeder sechste Apotheker habe den Testkunden nach möglichen falschen Eßgewohnheiten gefragt; nur jeder zehnte nach der Häufigkeit von Mahlzeiten, jeder zwanzigste nach möglichen Krankheiten. Fast 90 Prozent aller Pharmazeuten hätten sich nicht danach erkundigt, ob der Kunde regelmäßig Sport treibe. Nur vier Apotheker stellten den Diätwunsch der tatsächlich normalgewichtigen Testpersonen in Frage.

10.07. Nur mit Ohrstöpsel auf die Love Parade
PZ. Damit der spaßige Techno-Taumel nicht als nerviger Tinnitus-Tumult endet, sollten Raver Gehörschutz benutzenund den Ohren ab und zu Pausen gönnen. Bei extrem lauten Veranstaltungen wie der Love Parade in Berlin kann man sich an einem Tag soviel Lärm aussetzen, wie ein Arbeiter in der Schwerindustrie in drei Monaten aufnimmt. Etliche Teilnehmer tragen von solchen Veranstaltungen ein lästiges Fiepen im Ohr davon, das nicht selten gar nicht mehr verschwindet. Sind Tinnitus-Beschwerden nach 24 Stunden nicht verschwunden, ist der Besuch beim HNO-Arzt angezeigt.

10.07. BKK Heilberufe gut gestartet
PZ. Die Betriebskrankenkasse (BKK) für Heilberufe existiert seit dem 1. Juli 1996. Jetzt liegt der Bericht für 1997, dem ersten vollständigen Geschäftsjahr, vor. Die Mitgliederzahlen stiegen von anfänglich 10.000 auf knapp 30.000 an. Zum Ende des ersten Quartals 1998 hat die Kasse weitere 30.000 Mitglieder hinzugewonnen. Der weitaus größte Teil ist jünger als 45 Jahre. Anfang des Jahres 1997 betreuten 20 Mitarbeiter die Kunden, zum Ende des Jahres hatte die Kasse bereits 95 Angestellte. Die Verwaltungskosten seien vergleichsweise gering, heißt es im Geschäftsbericht. Während der Kassendurchschnitt bei fünf bis sechs Prozent liege, habe die BKK für Heilberufe weniger als drei Prozent für ihre Verwaltung ausgegeben. Die Einnahmenüberschüsse betrugen 1997 rund 4,8 Millionen Mark. Der Trend habe sich zu Beginn des Jahres 1998 verstärkt, so daß der Beitrag von 11,9 Prozent unverändert beibehalten werden könne. "Die Rechnung ist voll aufgegangen", heißt es in einer Presseerklärung der BKK. Für das Jahr 1999 rechnet die Kasse mit mehr als 100.000 Mitgliedern.

10.07. Viagra macht umsatzpotent
dpa. Das Potenzmittel Sildenafil (Viagra) trägt erste Früchte, zumindest was den Konzernumsatz von Pfizer betrifft. Der Gewinn für das zweite Quartal 1998 stieg um 38 Prozent auf 628 Millionen Dollar (1,1 Milliarden DM), verglichen mit dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres, meldet die Presseagentur dpa. Der Quartalsumsatz legte um 25 Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar zu. Im ersten Halbjahr 1998 steigerte das Unternehmen seinen Konzernumsatz um 18 Prozent auf 7 Milliarden Dollar. Der Gewinn stieg um 25 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar. Mehr als 160 000 amerikanische Ärzte haben seit der Einführung von Sildenafil im April 1998 insgesamt 2,7 Millionen Packungen verschrieben. Pfizer erzielte mit dem Potenzmittel bis Ende Juni bereits einen Umsatz von 411 Millionen Dollar. Nach der Darstellung von US-Pharmafachleuten ist die Einführung die mit Abstand erfolgreichste eines rezeptpflichtigen Medikaments auf dem amerikanischen Markt, die es bisher je gegeben hat. Im Ausland hat Pfizer bisher lediglich Sildenfil-Umsätze von zwei Millionen Dollar verbucht.

09.07. Multimedica goes america
PZ. HOS multimedica, der Online-Dienst für Ärzte und Apotheker, erweitert sein Angebot. Durch eine gestern gleichzeitig in Berlin und New York bekanntgegebene Kooperation zwischen dem deutschen Marktführer und dem größten amerikanischen Ärzte-Dienst Physicians online (POL) können registrierte multimiedica-Nutzer uneingeschränkt auf die Inhalte des amerikanischen Internet-Angebots zugreifen. Auf der Startseite von multimedica findet der Internet-Nutzer jetzt einen entsprechenden Link, eine zweite Anmeldung ist nicht nötig. Etwa ein Viertel der in den USA praktizierenden Ärzte sind bereits Mitglied bei Physicians online. Die damit etwa 150 000 registrierten Nutzer des kostenfreien, werbefinanzierten Dienstes erhalten umgekehrt die Möglichkeit, multimedica-Inhalte abzurufen. POL-Kunden nutzen vor allem die E-Mail-Funktion, die zahlreichen Diskussionsforen und die Möglichkeit, in Datenbanken zu recherchieren. Viel beachtet werden auch die zahlreichen interaktiven Fortbildungsmöglichkeiten in Physicians online.

09.07. Hermann-Vogel-Medaille erstmals verliehen
PZ. 24 Jahre stand Dr. Hermann Vogel als Präsident der Bayerischen Landesapothekerkammer der Berufsvertretung der Apotheker im Freistaat vor; in zahlreiche weitere hohe Ehrenämter wurde er berufen und wiederholt darin bestätigt. Diese herausragende Lebensleistungen würdigten die bayerischen Berufsorganisationen am 8. Juli in München mit der Verleihung der neu geschaffenen Hermann-Vogel-Medaille. Sein Nachfolger im Amt des Kammerpräsidenten, Johannes Metzger, ehrte Vogel als "Generalisten, der im Ganzen dem Ganzen dienste". Die Ehrung fand im Rahmen der Feier zum 50. Jahrestag der Wiederbegründung des BAV nach dem Krieg statt.

08.07. Sensor überwacht Schlaganfallpatienten
dpa. Der Kranke der Zukunft braucht nicht mehr ständig in eine Arztpraxis oder teure Klinik zu gehen, stattdessen wird er zu Hause mit Hilfe von winzigen Sensoren, Computer- und Videoanlagen medizinisch überwacht. Was für manche noch wie eine Vision im dritten Jahrtausend klingt, nimmt am Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik in St. Ingbert/Saar bereits konkrete Formen an. In etwa einem halben Jahr will das Forschungsinstitut in Zusammenarbeit mit Ärzten und Pflegern ein erstes Telematik-Modellprojekt zur besseren Versorgung von Schlaganfall-Patienten starten. Das Projekt sieht vor, daß 20 gerade erst aus dem Krankenhaus entlassene Schlaganfall-Patienten einen Ultraschall-Blutdrucksensor am Arm erhalten sowie einen sogenannten Sturzsensor unter die Haut implantiert bekommen. Per Funk werden die medizinischen Sensor-Daten samt Gewicht und Herzfrequenz dem Arzt und der Klinik übermittelt. Würde ein Patient zu Hause plötzlich umkippen, könnte der Sensor Alarm schlagen. Video- und Bildtelefonanlagen ergänzen das System. Fünf Ärzte und eine Klinik in Saarbrücken sollen an das Projekt angeschlossen werden.

08.07. Ohne Hg-Verbot kein Batterie-Recycling
vwd. Ohne ein EU-weites Verbot von Quecksilber in Gerätebatterien kann es kein umfassendes Recycling gebrauchter Batterien geben. Darauf wiesen Experten beim 4. Internationalen Batterie-Recycling-Kongreß in Hamburg hin. Jürgen Fricke, Vorsitzender der Stiftung Gemeinsames Rücknahmesystem (GRS) Batterien, Hamburg, hofft, daß die EU-Kommission ein Verbot ab 1. Januar 1999 erlassen werde. Es sei entscheidend, daß der Anteil des Quecksilbers in der Gesamtmenge der gesammelten Altbatterien auf 5 parts per million zurückgehe. Erst dann könne auf ökonomisch vernünftige Weise recycelt werden. Trete das Verbot ab 1999 in Kraft, könne in Deutschland ab 2003 die gesamte gesammelte Menge an Batterien wiederverwertet werden. Altbatterien könnten dann zum Beispiel im Bereich der Stahlerzeugung Einsatz finden.

08.07. ABC-Schützen haben Impflücken
dpa. Der Kreis Fulda hat im Anschluß an die Untersuchungen von 2650 Schulanfängern eine mangelnde Gesundheitsvorsorge der Eltern beklagt. Nur rund die Hälfte der Kinder hatte an allen empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen teilgenommen, berichtete Gesundheitsdezernent Gerhard Möller. Bei rund einem Drittel waren die Vorsorgehefte unvollständig, rund 15 Prozent konnten gar kein Heft vorlegen. Fast alle Kinder (96 Prozent) waren zwar als Kleinkinder gegen Kinderlähmung, Diphtherie und Tetanus geimpft worden. Gegen Röteln, Mumps und Masern waren aber nur drei Viertel der Kinder immunisiert. Top

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