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Stagnierende Marktentwicklung beim BAH

06.07.1998  00:00 Uhr

-Politik

Govi-Verlag

Stagnierende Marktentwicklung beim BAH

Die Tatsache, daß die Selbstmedikation als Teil eines insgesamt stagnierenden rezeptfreien Marktes deutlich gewachsen ist, zeigt, daß die nach wie vor rückläufigen Verordnungszahlen rezeptfreier Arzneimittel durch Selbstkäufe der Patienten kompensiert werden. Bei einem Pressegespräch in Schloß Gymnich hob der Hauptgeschäftsführer des Bundesfachverbandes der Arzneimittel-Hersteller (BAH), Dr. Mark Seidscheck, die Rolle der Apotheker lobend hervor. Daß bisher keine Switches zurückgenommen werden mußten, sei ein Beweis dafür, daß die Verbraucher vernünftig mit der Selbstmedikation umgehen und daß Apotheker gut beraten.

Die Unterscheidung des Marktes in Selbstmedikation und verordnete rezeptfreie Arzneimittel bestätigt nach Seidschecks Erläuterungen den bereits in der zweiten Jahreshälfte 1997 eingeleiteten Trend einer entgegengesetzten Marktentwicklung in den beiden Segmenten. Die Verordnungen rezeptfreier Arzneimittel wiesen einen Umsatzrückgang um vier Prozent auf und lagen gemessen nach der Packungszahl um sieben Prozent unter dem Niveau des ersten Quartals 1997. Die Selbstmedikation verzeichnete dagegen ein deutliches Umsatzwachstum von fünf Prozent, welches von einer Zunahme der verkauften Packungseinheiten um drei Prozent getragen wurde. In den neuen Bundesländern lag das Wachstum der Selbstmedikation mit sechs Prozent nach Umsatz und fünf Prozent nach Packungseinheiten noch um jeweils zwei Prozentpunkte über dem Wachstum in den alten Bundesländern.

Beim Blick in die Zukunft läßt sich der BAH auf keine Spekulationen über die Bundestagswahl ein. Der Verband setzt vielmehr auf die Stärkung der Eigenverantwortung, "aber nicht eine Eigenverantwortung, die darauf abzielt, den Versicherten bei den Arzneimitteln mit immer höheren Zuzahlungen zu belasten". Nach Seidschecks Worten sollte der Versicherte vielmehr das Wahlrecht haben, ob er eine Vollkrankenversicherung in Anspruch nehmen will oder ob er über Selbstbehalte eine Beitragsminderung oder -rückgewährung erzielen will. Eine solche Regelung stelle grundsätzlich sicher, daß der Versicherungsschutz bei schwerwiegenden Fällen in jedem Falle erhalten bleibt.

BAH stiftet Lehrstuhl für Präventivmedizin

Der Vorstand des BAH hat beschlossen, an der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden einen Lehrstuhl für Präventivmedizin zu stiften. Zu den Arbeitsgebieten des Lehrstuhles sollen allgemeine präventive Maßnahmen, Ernährung und Diätetik, Phytotherapie sowie die traditionelle Anwendung von Arzneipflanzen gehören. Der BAH geht davon aus, daß die Forschungsergebnisse dem Verband Argumentationshilfen für politische Entscheidungen bei Zulassung, Nachzulassung auch von vorbeugenden Arzneimitteln oder der Abgrenzung von Arzneimitteln zu Lebensmitteln liefern können. Die Finanzierung des Lehrstuhl soll über fünf Jahre mit einem jährlichen Betrag von 300.000 DM laufen.

PZ-Artikel von Gisela Stieve, Erfstadt/GymnichTop

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