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ABDA-Vorstand bei Bundeskanzler Helmut Kohl

06.07.1998  00:00 Uhr

-Politik

Govi-Verlag

ABDA-Vorstand bei Bundeskanzler Helmut Kohl

Zu einem etwa einstündigen Meinungsaustausch empfing Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl den Geschäftsführenden Vorstand der ABDA am 1. Juli im Bundeskanzleramt. In dem Gespräch, an dem auch Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer teilnahm, betonte Kohl, daß die Arzneimittelversorgung in der Eigenverantwortung der freiberuflichen Apotheker zu den besten der Welt gehöre. Apothekenketten und dem Herausbrechen einzelner Teile aus dem Versorgungsauftrag der Apotheker erteilte der Bundeskanzler eine Absage. Die Bundesregierung sehe im Apotheker den Arzneimittelfachmann schlechthin. Seine Fachkompetenz dürfe nicht durch den Versandhandel unterlaufen werden.

Immerhin eine Stunde Zeit hat sich der deutsche Regierungschef genommen, um mit den Apothekern über deren Probleme und deren Zukunftsvisionen zu reden. Daß der Kanzler zu Europa steht, ist bekannt. Er sieht aber auch Gefahren, nicht zuletzt durch die beiden EuGH-Urteile zu Brillen und Zahnersatz. Manchmal wünscht er sich die EU in der Bürokratie etwas bodenständiger. Denn Europa sei für die Menschen da, die auch in einer EU mit dem EURO ihre Eigenständigkeit bewahren müßten. Zur Realität von Europa gehöre es auch, daß Unterschiede bestünden und auch bestehen bleiben sollten. Harmonisierung dürfe deshalb nicht als Nivellierung auf niedrigem Niveau verstanden werden. Und deshalb werde er sich auch vehement dafür einsetzen, daß die Subsidiarität in Europa erhalten bleibe.

In diesem Sinne gibt der Kanzler auch ein klares Bekenntnis zum jetzigen System der Arzneimittelversorgung in Deutschland. Kohl erkennt dabei vor allem die Rolle der Apotheken bei der Bereitstellung von Arbeitsplätzen an. Mehr als 130.000 wohnortnahe Arbeitsplätze, viele in Teilzeit und in den allermeisten Fällen von Frauen besetzt. Alles mittelständische Betriebe, betont Friese, die zudem die flächendeckende Arzneimittelversorgung sicherstellen. Für Kohl ist die Schaffung neuer Arbeitsplätze eine herausragende Leistung, zumal - wie bei den Apotheken - vor dem Hintergrund stagnierender Umsätze. Und vor allem: Arbeitsplätze in den Regionen, deren Infrastruktur sich immer mehr zu Lasten der Bevölkerung verändern würde. Es sei für ihn völlig unvorstellbar, daß sich der seit Jahren stattfindende Ausdünnungsprozeß auf dem Land auch auf die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung durchschlagen solle. Zumal davon in erster Linie die älteren Menschen betroffen seien.

Kohl zeigt sich beeindruckt, daß die deutschen Apotheken täglich dreieinhalb Millionen Kundenkontakte haben. Er erkennt die Funktion an, die die Apotheken auch als soziale kommunikative Drehscheiben nicht zuletzt für ältere Mitbürger haben. Dies habe sich auch bei der letzten Erhöhung der gesetzlichen Zuzahlung gezeigt. Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer lobt in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Aufklärungsarbeit der Apotheken zur Härtefall- und Überforderungsklausel: Die Apotheken hätten Vorbildliches geleistet. Der Kanzler nimmt es zustimmend zur Kenntnis. Für ihn, so macht er klar, gibt es ohnehin keine Alternative zur deutschen Apotheke.

Insoweit anerkennt der Kanzler besonders die Leistung der ostdeutschen Apothekerinnen und Apotheker, die flächendeckende Arzneimittelversorgung auf freiberuflicher Grundlage auch in den neuen Bundesländern etabliert zu haben.

Deutsche Arzneimittelversorgung gehört zu den besten der Welt

Die Arzneimittelversorgung in der Eigenverantwortung freiberuflicher Apotheker gehöre zu den besten der Welt. Apothekenketten und dem Herausbrechen einzelner Teile aus dem Versorgungsauftrag der Apotheker erteilt er eine Absage. Die Bundesregierung sehe in dem Apotheker den Arzneimittelfachmann schlechthin. Seine Fachkompetenz dürfe nicht durch den Versandhandel unterlaufen werden. Der Kanzler begrüßt auch das ABDA-Konzept, die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern, die pharmazeutische Betreuung und insgesamt die intensivere Hinwendung zur Beratung. Die Anforderung, den Anwender bei der Abgabe von Arzneimitteln zu beraten, stärke die Stellung des Apothekers.

PZ-Artikel von Elmar Esser, BonnTop

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