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Rituximab bremst Lymphdrüsenkrebs

06.07.1998  00:00 Uhr

-Pharmazie

Govi-Verlag

Rituximab bremst Lymphdrüsenkrebs

Mit Rituximab (MabThera) ist der erste monoklonale Antikörper in der Hämatoonkologie europaweit zugelassen worden, teilt das Herstellerunternehmen Hoffman-La Roche mit. Rituximab ist bei "Patienten mit follikulärem Lymphom im Stadium III-IV, die gegen eine Chemotherapie resistent sind oder nach einer solchen einen zweiten oder neuerlichen Rückfall haben" indiziert.

Follikuläre Lymphome sind niedrig maligne Non-Hodgkin-Lymphome, also eine spezielle Gruppe des Lymphdrüsenkrebses. Es handelt sich dabei um langsam wachsende, meist unheilbare Tumoren des immunologischen Systems. Die meisten Non-Hodgkin-Lymphome bestehen aus malignen entarteten B-Zellen. Als monoklonaler Antikörper zeichnet sich Rituximab durch einen gänzlich anderen Wirkungsmechanismus im Vergleich zu den bisher verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten bei dieser Erkrankung aus; es bekämpft das Lymphom auf immunologischem Wege.

Rituximab entfaltet seine Wirkung infolge seiner Bindung an ein spezifisches Protein, das CD20-Antigen, auf der Oberfläche von reifen B-Zellen und B-Zell-Tumoren. Es bindet dann menschliches Komplement, bewirkt dadurch die komplementvermittelte Zytolyse der B-Zellen und induziet in den B-Zellen den programmierten Zelltod, die Apoptose. Blutstammzellen und frühe Vorläuferzellen der B-Zellen exprimieren das CD20-Antigen nicht und werden deshalb von Rituximab auch nicht beeinflußt, heißt es in der Presseinformation. Klinische Studien wiesen eine Wiederherstellung der normalen B-Zellzahl sechs bis neun Monate nach Beendigung der Behandlung nach. Trotz der B-Zell-Depletion wurde in diesem Zeitraum keine erhöhte Infektanfällligkeit registriert.

In der Zulassungsstudie, an der 31 US-amerikanische Zentren beteiligt waren, wurden 166 Patienten mit Rituximab als Monotherapie behandelt. Bei 48 Prozent wurde eine Reduktion des Tumors von mehr als die Hälfte beobachtet, bei sechs Prozent der Patienten verschwanden die Tumorläsionen vollständig. Diese Remissionen hielten im Mittel länger als elf Monate an. Die positiven Ergebnisse ließen sich weiter verbessern, so die Pressemitteilung, wenn man den monoklonalen Antikörper mit der sonst üblichen Chemotherapie kombiniert. In einer ersten Phase-II-Studie hat sich bei 35 auswertbaren Patienten die Tumormasse um die Hälfte verkleinert. Bei 60 Prozent dieser Patienten verschwanden die Tumoren vollständig. Die Nachbeobachtungszeit dauert derzeit noch an.

Vorteil der Rituximab-Therapie, so das Herstellerunternehmen, sei die ambulant durchführbare Behandlung. Sie besteht aus vier i.v.-Infusionen und ist bereits nach 22 Tagen abgeschlossen. Tritt ein Rezidiv auf, wird erneut therapiert. Das ist der große Unterschied zur sonst üblichen Chemotherapie, die normalerweise vier bis sechs Monate dauert und mit den für Zytostatika typischen Nebenwirkungen verbunden ist. Nebenwirkungen wie grippeähnliche Symptome und Übelkeit werden bei der Rituximab-Therapie als mild und reversibel beschrieben.

Beitrag von der PZ-RedaktionTop

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