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PZ Nachrichten

06.07.1998  00:00 Uhr
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PZ +++ Nachrichten +++  07.07. Gute Augen führen beim Tennis zum Erfolg
dpa. Wimbledon ist gerade vorbei, da kommt auch schon die Erklärung für den Erfolg von so manchem Spieler. Bei erfolgreichen Tennispielern müssen nicht nur Muskeln und Reaktionsvermögen in Topform sein, sondern auch die Augen. Vor allem das räumliche Sehvermögen sei von entscheidender Bedeutung für den Erfolg, stellte die Bochumer Ruhr-Universität in einer Untersuchung des Lehrstuhls für Sportmedizin fest. Während sich in anderen Sportarten auch in höheren Spielklassen Sportler mit eingeschränktem räumlichen Sehvermögen durchsetzen, sei der Aufstieg in die Tennis-Bundesliga in den vergangenen zehn Jahren keinem einzigen Spieler mit einer derartigen Sehbehinderung geglückt. Die Ortungsgeschwindigkeit des Auges bei der Verfolgung des Balls ist den Sportmedizinern zufolge beim männlichen und weiblichen Tennisnachwuchs noch ausgeglichen. Dagegen seien die Männer unter den Spitzensportlern eindeutig im Vorteil. Die Wissenschaftler führen dies auf das verstärkte Training mit extrem hohen Ballgeschwindigkeiten im Männertennis zurück.

06.07. Schering wegen Pillenplacebos unter Druck
PZ. Weil wirkungslose Microvlar-Placebos in Brasilien auf den Markt gekommen sind, muß das brasilianische Tochternunternehmen von Schering mit einer Geldstrafe von 4,55 Millionen DM rechnen. Das soll ein Sprecher des Sekretariats für Wirtschaftsrecht (SDE) am 1. Juli in der Hauptstadt Brasilia bestätigt haben. Verhängt werde eine Höchststrafe im Rahmen des brasilianischen Verbraucherschutzgesetzes. Schering selbst teilte mit, offiziell von dieser Entscheidung nicht unterrichtet worden zu sein. Die polizeilichen Ermittlungen seien noch gar nicht abgeschlossen. Zugleich wurden die erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Die Tochtergesellschaft Schering do Brasil habe definitiv keine Placebos in den Handel gebracht und sei selbst Opfer krimineller Handlungen geworden. Zum Probelauf einer neuen Verpackungsmaschine seien Packungen mit Placebo-Tabletten hergestellt worden, die Milchzucker mit einem Überzug aus Zuckerguß enthielten. Diese seien nach dem Probelauf zur Entsorgung an eine Drittfirma übergeben worden. Die von der Gesundheitsbehörde in Sao Paulo überprüfte Dokumentation belege eine ordnungsgemäße Abwicklung der Betriebsabläufe. Als absolut überhöht wies Schering Angaben aus Brasilien zurück, wonach 50.000 Packungen mit den Placebos im Umlauf seien. Bisher hätte die Tochtergesellschaft nur zwei solcher Packungen zurückerhalten, eine dritte sei im Fernsehen gezeigt worden. Insgesamt fünf Frauen hätten sich gemeldet, die angaben, aufgrund wirkungsloser Microvlar-Pillen schwanger geworden zu sein.

06.07. Arzneimittelrichtlinien verfassungswidrig?
PZ. Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen sind kein verfassungsrechtlich zulässiges Regelungsinstrument, um mit normativer Wirkung für alle Beteiligten den Umfang und Inhalt der Krankenbehandlung festzulegen. Zu diesem Ergebnis kommt der renommierte Staatsrechtler Professor Dr. Fritz Ossenbühl in einem Gutachten für den Bundesfachverband der Arzneimittel-Hersteller. Das untergesetzliche Regelungssystem des SGB V ist demnach mit dem Grundgesetz nicht vereinbar. Der Bundesausschuß sei nicht demokratisch legitimiert, per Richtlinien außenwirksame Rechtsnormen zu setzen, die auch Patienten und Leistungserbringer wie Apotheker binden. Der Gesetzgeber habe nicht die Freiheit, über die im Grundgesetz vorgesehenen Möglichkeiten (etwa: Rechtsverordnung oder Satzung) hinaus weitere Konkretisierungsmechanismen zu schaffen, stellt Ossenbühl fest.

06.07. Antikörper gegen Lymphrüsenkrebs
dpa. Patienten mit Lymphknoten-Krebs kann nach Angaben des Pharmaunternehmens Biotest künftig wirksamer geholfen werden. Zur Bekämpfung sogenannter Hodgkin-Tumore im Lymphknotengewebe, etwa unter den Achseln oder am Nacken, habe das Unternehmen zusammen mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes einen neuen Antikörper entwickelt, teilte Biotest mit. Erste klinische Erprobungen mit 30 Patienten seien erfolgversprechend, sagte ein Firmensprecher. Bisherige Strahlen- oder Chemotherapien böten nur kurzfristig oder vorübergehend Besserung. Der neue Antikörper zeichne sich dadurch aus, daß jeder seiner beiden "Arme" unterschiedliche Funktionen übernehme: Während einer der Arme die Tumorzellen erkenne, hänge sich der andere Arm an Killerzellen, aktiviere sie und sorge somit für eine Zerstörung des Turmors.

03.07. Neue Meningitiswelle im Anmarsch?
dpa. Ein schwerer Fall von Hirnhautentzündung hat das Nürnberger Gesundheitsamt alarmiert. Ein 16jähriger Schüler mußte auf der Intensivstation in einen künstlichen Heilschlaf versetzt werden, nachdem bei ihm eine seltene Form einer bakteriellen Meningitis festgestellt worden war. Welcher Erregertyp zu der Erkrankung des Buben geführt hatte, ist noch unklar. Wegen des hohen Ansteckungsrisikos seien alle nötigen Vorsichtsmaßnahmen eingeleitet worden, sagte der Leiter des Amtsärztlichen Dienstes, Karl Georg Friedrich. Der Jugendliche schwebe aber nicht in Lebensgefahr. Zwar seien bisher noch keine neuen Erkrankungen gemeldet worden. "Das kann sich aber jederzeit ändern", sagte Friedrich. Mitschüler, Freunde und Familienangehörige wurden aufgefordert, sich einer vorsorglichen Behandlung zu unterziehen.

03.07. Kritik an der Reform des Hochschulrechts
PZ. Die im letzten Jahr gegründete Dr. August und Dr. Anni Lesmüller-Stiftung lud am 1. Juli zur ersten Lesmüller-Vorlesung in das Institut für Pharmazie der Universität München ein. Der Rektor der Universität, Professor Dr. Andreas Heldrich, ließ in seinem Vortrag zur Finanzierung der deutschen Universitäten im 21. Jahrhundert kaum ein gutes Haar an der aktuellen Reform des Hochschulrechts. Sie bedeute eine Orientierung an wirtschaftlichen Maximen; Universitäten sollten sich zu Produktionsstätten entwickeln und ihre Güter auf imaginären Märkten anbieten. Dies könnte eine Vorstufe zur Privatisierung sein, doch "an der staatlichen Trägerschaft führt kein Weg vorbei". Trotz der Finanzierungslücken will die Münchner Uni ihr Fächerangebot ungeschmälert durch die "mageren Jahre" retten. Studiengebühren sieht Heldrich nicht als Ausweg, zumal sie die Akzeptanz der Hochschulen in der Bevölkerung belasten.

03.07. Jetzt substituieren auch Männer Hormone
PZ. Anfang Juli kommt das erste nicht-skrotale Hormonpflaster für den Mann in Deutschland auf den Markt. Das Testosterontransdermal-System Androderm® ist allerdings nicht wie die Hormonpflaster für die Frauen zur Prophylaxe von Osteoporose oder Wechseljahrsbeschwerden gedacht, sondern es sollte nur Einsatz bei hypogonadalen Patienten finden. Das TTS-System wurde mit dem Ziel entwickelt, physiologische Serumkonzentrationen an Testosteron (2,5 mg/System/24 Stunden) freizusetzten. Das Pflaster wird am Rücken, Bauch, Oberarm oder Oberschenkel aufgeklebt, wobei in Abhängigkeit vom morgendlichen Serum-Testosteronspiegel und des Körpergewichts eine einmal tägliche Applikation von ein bis drei Pflastern am Abend gegen 22 Uhr empfohlen wird. Durch den im Pflaster enthaltenen Penetrationsvermittler kann es zu Hautreizungen kommen. Symptome des Hypogonadismus wie Libidoabnahme, Verminderung der Muskelmasse, Zunahme des Körperfetts, Osteoporose, Schlaflosigkeit bis hin zu depressiven Verstimmungen werden positiv beeinflußt.

02.07. Mit Protonenstrahl gegen Augentumoren
dpa. Berliner Ärzte haben nach eigenen Angaben erstmalig in Deutschland einen Augentumor-Patienten mit einem Hochenergie-Protonenstrahl behandelt. Beschossen wurde ein 44jähriger Patient aus Brandenburg, teilte das Hahn-Meitner-Institut in Berlin am Donnerstag mit. Die Protonenbestrahlung habe Vorteile, wenn der Tumor in der Nähe von empfindlichem, gesundem Gewebe sitze. Mit der Protonentherapie werde der Tumor zerstört, Sehnerv und Linse blieben jedoch erhalten. In Deutschland erkranken jährlich 500 bis 600 Menschen an einem Tumor im Augeninnern. Protonen sind positiv geladene Kerne des Wasserstoffatoms, die mit großen Beschleunigern gebündelt werden und eine hohe Energiedichte haben. Das Berliner Institut verfügt über einen der wenigen leistungsfähigen Protonenbeschleuniger in Deutschland. Das Gerät solle jetzt routinemäßig vom Klinikum Benjamin Franklin der Freien Universität Berlin eingesetzt werden, sagte Institutssprecher Thomas.

01.07. Virus-Test soll Blutspenden sicher machen
dpa. Mit einem neuen Virus-Test soll das Infektionsrisiko mit Blutspenden verringert werden. Wie das Paul-Ehrlich-Institut in Langen am Mittwoch mitteilte, dürfen Blutplättchen künftig nur aus Blutspenden hergestellt werden, die nach diesem Verfahren frei von Hepatitis C-Viren sind. Mit der sogenannten Nukleinsäure-Amplifikationstechnik könnte eine Infektion weitaus früher erkannt werden als mit bisherigen Methoden, berichtete das Bundesamt für Sera und Impfstoffe. Denn der Test weise bereits das Erbmaterial des Virus nach. Bisher wurde die Krankheit erst mit der Bildung von Antikörpern im Immunsystem erkannt.

01.07. Seefisch gegen Krebs
PZ. Daß eine fettreiche Ernährung in Zusammenhang mit einem erhöhten Krebsrisiko steht, wird seit längerem diskutiert. Dabei scheint neben den gesättigten die Zusammensetzung der mehrfach ungesättigten Fettsäuren eine wesentliche Rolle zu spielen. In Tierversuchen korrelierte die Zufuhr mehrfach ungesättigter Fettsäuren mit der Häufigkeit von Brust- und Dickdamkrebs. Die Sterblichkeit an Dickdarmkarzinomen unter den Eskimos ist trotz eines hohen Fettkonsums auffallend niedrig, interpretierte Professor Dr. Günther Wolfram, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die Mortalitätsstatistik aus Alaska. Daraus entwickelte man die Hypothese, daß Omega-3-Fettsäuren aus Seefischen die Krebsentwicklung hemmen, Omega-6 Fettsäuren aus pflanzlichen Produkten aber die Krebsentstehung begünstigen. Vor allem das aus der Arachidonsäure entstehende Prostaglandin E2 wird mit einer erhöhten Tumorinduktion in Verbindung gebracht. In Versuchen an gesunden Versuchspersonen konnte die Epithelproliferation in der Rektumschleimhaut durch langkettige Omega-3-Fettsäuren im Vergleich zu Omega-6-Fettsäuren signifikant gesenkt werden. Der Wirkmechanismus des Fischöls scheint in einer Hemmung der Prostaglandinsynthese beziehungsweise in einer möglichen Beeinflussung des Immunsystems zu liegen.

01.07. Apotheker gegen Mißbrauch des Notdienstes
dpa. Kondome um drei Uhr nachts, ein Abführmittel um vier Uhr und ein Mundwasser um fünf Uhr - dies sind sicherlich keine Fälle für den Apotheken-Notdienst. Dennoch kommen sie nicht selten vor. Die Apotheker in Baden-Württemberg wehren sich jetzt dagegen, von Vergeßlichen als zusätzliche Einkaufsmöglichkeit angesehen zu werden. Durchschnittlich zehnmal wird ein diensthabender Apotheker in der Nacht von der Notdienstglocke geweckt. "Hinzu kommt noch der Dienst während der normalen Öffnungszeiten", erläutert Fritz Becker, Präsident des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg. "Das kann dazu führen, daß ein einzelner Apotheker bis zu 36 Stunden ununterbrochen im Dienst ist." Die Notdienstgebühr von drei Mark habe da doch eher symbolischen Charakter. Wirkliche Notfälle für die Apotheken sind ärztliche Verschreibungen bei akuten Erkrankungen. Häufig sind dies Rezepte von Kinderärzten. "Ein plötzlich erkranktes Kind, das Medikamente benötigt, ein fieberhafter Infekt oder eine Kolik, das sind sicherlich Notfälle", sagt Becker.

01.07. Kaufmann beim Handel mit Viagra gefaßt
dpa. Beim versuchten Verkauf von Viagra-Pillen zur Stärkung der Manneskraft im Handelswert von 990 Mark ist ein 60jähriger Kaufmann aus Bensheim (Kreis Bergstraße/Hessen) von der Heidelberger Polizei gefaßt worden. Nach Polizeiangaben vom Dienstag hatte der Mann in Zeitungen inseriert. Bei den Ermittlungen stießen Beamte auf ein Büro in Heidelberg, über das der Kaufmann Arzneimittel vertrieben haben soll. Bei der Durchsuchung wurden Disketten mit Kundenadressen und Informationsmaterial über Viagra gefunden. Gleichzeitig traf ein Fax mit einer neuen Bestellung von Viagra ein. Das potenzsteigernde Mittel ist bisher in der Bundesrepublik nicht zugelassen. Der Kaufmann müsse deshalb mit einer Anzeige wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz und das Heilmittelwerbegesetz rechnen, erklärte die Polizei.
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