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Nur der richtige Sonnenschutz macht fit for sun

07.07.1997
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-Pharmazie

  Govi-Verlag

Nur der richtige Sonnenschutz macht fit for sun

    Die Sonne wirkt wie eine Infusion auf unser Wohlbefinden. Damit aber unsere Haut nicht irgendwann mit "Alarmstufe rot" reagiert, muß sie mit dem richtigen Sonnenschutzmittel auf die Sonnenexposition vorbereitet werden. Die Hersteller loben ihre Produkte mit einer Fülle von Eigenschaften und Faktoren aus.

Ob diese alle für den Verbraucher von Vorteil sind, war Thema des Vortrags von Dr. Gerd Kindl, Apotheker aus Baldham, auf einer Fortbildungsveranstaltung der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft, Landesgruppe Hessen. "Die vielen Angaben auf den Verpackungen von Sonnenschutzmitteln sind nicht besonders verbraucherfreundlich, sie wirken verwirrend", wertete Kindl. Eine Kostprobe: Lichtschutzfaktor, UVA-Schutz, UVA-Ratio, UVC-Schutz, ER-Schutz, wasserfest, Bräunungsfaktor, Belastungsquotient, Alterungsfaktor, photostabil, ohne Konservierungsstoffe. "Dabei handelt es sich manchmal eher um Marketinggags als um sinnvolle Deklarationen", kritisierte Kindl.

Lichtschutzfaktor ist gleich UVB-Faktor

Das entscheidende Kriterium bei der Auswahl des Sonnenschutzes sei nach wie vor der Lichtschutzfaktor (LSF), sagte Kindl. Der LSF ist definiert als Quotient aus der Erythemschwellzeit der geschützten und der ungeschützten Haut. Der Quotient gibt also die mögliche Bestrahlungsdauer an, bevor die UVB-Strahlen ein Erythmen auslösen. Der LSF ist demnach eigentlich ein UVB-Faktor.

Seit 1994 gibt es ein standardisiertes Prüfverfahren zur Bestimmung des LSF, das der Dachverband der Europäischen Kosmetikindustrie COLIPA ausgearbeitet hat. Seitdem sind die LSF-Angaben international genormt, die Werte können nun miteinander verglichen werden. Die Zeiten der deutschen DIN, der amerikanischen FDA-Methode und des australischen Standards bezüglich UVB sind also vorbei.

"Ohne chemische UV-Filter"

UV-Schutz kann auf physikalischem und chemischem Weg erreicht werden. Während chemische Filter teilweise das Sonnenlicht absorbieren, streuen und reflektieren Pulverpartikel die einfallenden Strahlen. Hersteller werben mit der Bezeichnung Reflektorsystem oder "ohne chemische UV-Filter" für Mikropigment-Präparate. Sie enthalten ultrafeines Titandioxid und Zinkoxid (Teilchengröße zwischen 20 und 100 nm). Durch die Mikronisierung wurde auch der kosmetisch unerwünschte Weißeleffekt weitestgehend ausgeschaltet. Als Vorteil der Mikropigmente gegenüber den UV-Filtern nannte Kindl vor allem ihren Schutzeffekt vor UVA- und UVC-Wellenlängen. Mikropigmente seien ideale Breitbandfilter.

Das Problem bei Titandioxid: Es wirkt als Photohalbleiter und provoziert an seiner Oberfläche die Bildung freier Radikale. Um dies zu unterbinden, werde Titandioxid mit Aluminiumoxid oder Siliciumdioxid gecoatet, so Kindl. Angenehmer Nebeneffekt: Das Pulver wird dadurch photostabil und leichter dispergierbar. Auf der Packung ist diese galenische Notwendigkeit mit "beschichtetes mikrofeines Titandioxid" umschrieben.

Zum Stichwort UVA-Schutz führte Kindl aus: Neben den Mikropigmenten gibt es nur zwei Filtersubstanzen, die vor UVA-Strahlen schützen. Der am häufigsten eingesetzte Absorber ist Butylmethoxydibenzoylmethan. Der zweite, Mexoryl SX, stehe noch unter Patent und sei den L'Oreal-Laboratorien vorbehalten. Großes Plus von Mexoryl SX: Es ist weitgehend photostabil. Nach einer Stunde Sonnenbestrahlung weise es noch fast 100 Prozent Wirksamkeit auf, so Kindl, dagegen kämen andere UVA-Filter gerade mal auf rund 60 Prozent. Absolut stabile UVA-Filter gebe es jedoch nicht.

Kindl monierte den Mangel an gesetzlichen Regelungen, wann ein Produkt einen UVA-Schutz angeben darf: "Müssen 90 Prozent abgefiltert sein oder reichen 10 Prozent?" Außerdem gebe es keine standardisierte Methode zur Ermittlung des UVA-Faktors. Deshalb könnten die UVA-Faktoren nicht miteinander verglichen werden. Die COLIPA strebt aber eine Vereinheitlichung an.

Die UVA-Ratio ist ein besonderes Deklarationsmerkmal der Präparate, die von der britischen Apothekenkette Boots vertrieben werden. Die UVA-Ratio gibt das Verhältnis von UVB- zu UVA-Schutz an. Neben einem bestimmten Wert wird die UVA-Ratio durch Symbole dargestellt, die an Gourmetsterne erinnern. Fünf Sterne stehen für die beste UVA-Ratio. UVC-Schutz sei fürs Sonnenbaden unsinnig. Die Ozonschicht fängt die UVC-Strahlen ab. Ist jedoch auf der Packung UVC-Schutz angegeben, handelt es sich um Mikropigmente. UV-Filter schützen nämlich nicht vor UVC-Strahlen.

Ein Präparat mit IR-Schutz anzupreisen, hält Kindl für unnötig. Infrarotstrahlung bewirke eine gute Durchblutung und verschärfe ein Erythem. Aber sie verursache keine biochemischen Veränderungen in den Hautzellen. Ein Produkt schütze vor allem durch seinen Wasseranteil vor IR-Strahlen, so daß Hersteller von Hydrogelen und Lotionen automatisch mit IR-Schutz werben. Mikropigmente bieten keinen IR-Schutz, dazu müßten die Pulverpartikel etwa 500 nm groß sein (Weißeleffekt).

Vitamin E habe als Antioxidans seine Berechtigung in Sonnenschutzmitteln, so Kindl. Es sei in der Lage, die Lipidperoxidbildung in der Haut zu verringern. Bei längerer Sonnenexposition entstehen daraus Radikale. Außerdem haben Studien eine verminderte Erythementstehung durch Vitamm E bewiesen.

Sinnvoll seien in jedem Fan auch Betacarotin-Tabletten. 50 bis 75 mg täglich, drei Wochen vor der Reise begonnen und während des Urlaubs eingenommen, böten einen zusätzlichen Schutz.

PZ-Artikel von Elke Wolf, Frankfurt

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