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29.06.1998
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PZ +++ Nachrichten +++  30.06. Hohe Cholesterinwerte begünstigen Alzheimer
dpa. Ein hoher Cholesteringehalt im Blut kann Forschern zufolge die Entstehung der Alzheimer-Krankheit begünstigen. Im Reagenzglasversuch produzierten Nervenzellen geringere Mengen des gehirnschädigenden Beta-Amyloids, wenn ihnen Cholesterin entzogen wurde, berichtete Professor Dr. Konrad Beyreuther, Heidelberg, auf dem Europäischen Forum für Neurowissenschaften in Berlin. "Wenn der Zusammenhang stimmt, sollten Cholesterinsenker auch bei der Alzheimer-Krankheit eingesetzt werden", schaute Beyreuther in die Zukunft.

30.06. ABDA stellt Internetangebot vor
ABDA. Um dem Internetzeitalter nicht länger hinterherzuhinken, hat jetzt die ABDA - Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände eine eigene Web-Seite konzipiert. In Apothekenrot und mit Foto des Eschborner Hauses begrüßt den Internet-Surfer die deutsche Apothekerschaft unter der Adresse http://www.abda.de. Gegliedert in acht Themen präsentiert die Dachorganisation Wissenswertes rund um die Apotheke. So finden sich beispielsweise unter dem Stichwort "Wirtschaft" Daten, Zahlen und Fakten größtenteils in Form von Grafiken über die Lage der deutschen Apotheken. Von Umsatzgrößen über Mitarbeiterzahl bis hin zum Marktsegment der Selbstmedikation wird hier Aufschluß gegeben. Für die tägliche Apothekenpraxis dürften die zwei Stichworte "Gesundheit" und "Presse" interessant sein. Unter dem Button "Gesundheit" sind alle Patienteninformationen und Fachinformationen - zum Beispiel Broschüren oder Referate - abrufbar. Gegliedert nach Themengebieten kann hier bestellt werden, was gerade benötigt wird. Ein Extra-Button ist der "Presse" zugeteilt worden: Er ist interessant für diejenigen Apotheker, die eigene Pressearbeit machen oder eine eigene Apothekenzeitung haben, weil hier alle ABDATE-Gesundheitstexte im Volltext abrufbar sind. Da ist ein Artikel wie "Reisen ohne Reue" in Minuten fertig.

29.06. RKI erhält in Sachen Gentechnik Kompetenz
PZ. Das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) erhält als nachgeordnete Behörde des Bundesgesundheitsministeriums ab Mittwoch dieser Woche eine neue Arbeits- und Aufgabenstruktur. Damit soll das Haus, so die Parlamentarische Staatssekretärin Sabine Bergmann-Pohl heute vor Institutsmitarbeitern, zu einer Spitzeneinrichtung in den Bereichen Infektionsbekämpfung, Epidemiologie und Gentechnik werden. Das RKI sei innerhalb seines Aufgabenbereiches künftig in der Lage, sowohl wirkungsvolle Forschungsbeiträge zu leisten als auch geltendes Recht des Bundes zu vollziehen. Neue Zuständigkeiten ergeben sich unter anderem aus dem Transfusionsgesetz und dem geplanten Infektionsschutzgesetz. Darüber hinaus erhält das Institut ein Zentrum für Gentechnik.

29.06. Thymus-Peptide hemmen HI-Virus
PZ. Aktuelle Untersuchungen einer Arbeitsgruppe am Hamburger Tropen-Institut haben ergeben, daß Thymus-Peptide das HI-Virus hemmen können. Die Hamburger Forscher stimulierten T8-Helferzellen mit den Peptiden. Diese setzen bestimmte Chemokine frei, die bis zu 60 Prozent der T4-Zellen vor einer HIV-Infektion schützen, heißt es in einer Pressemeldung. Nachdem HI-Viren in den Körper eingedrungen sind, infizieren sie vor allem Makrophagen und CD4-T-Zellen. Sogenannte CD8-T-Zellen werden vom Virus nicht befallen. In aktivierten Zustand produzieren diese Chemokine, die eine weitere Infektion der CD4-Zellen hemmen. Die Hamburger Arbeitsgruppe isolierte zunächst T8-Zellen aus dem Blut gesunder Spender. Einem Teil der Zellkultur setzten sie das Pflanzenlektin Phytohämagglutinin bei, das Zellen in vitro zur Teilung, Differenzierung und Produktion von Chemokinen anregt. Den anderen Teil der Zellkultur stimulierten die Wissenschaftler mit dem Lektin und einem Thymus-Peptid. Beiden stimulierten CD8-Zell-Kulturen mengten die Forscher jeweils nach 1, 2, 3, 4 und 5 Tagen HIV-infizierte Leukozyten und Lymphozyten bei. In der nur mit dem Lektin stimulierten Zellkultur vermehrte sich das Virus 100mal; im Ansatz mit dem Thymus-Peptid jedoch nur 34mal, heißt es in der Meldung. Daraus könne geschlossen werden, daß Thymus-Peptide in vitro CD8-Zellen stimulieren, vermehrt antivirale Faktoren gegen HIV zu bilden.

29.06. SPD: Nach wie vor für Arzneimittelinstitut
PZ. Auf der Bundeskonferenz der Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokraten (ASG) im Gesundheitswesen plädierten die Delegierten mit überwältigender Mehrheit weiterhin dafür, ein unabhängiges Arzneimittelinstitut einzurichten. Auf der Tagung der Organisation wurde zudem gefordert, eine Stiftung "Gesundheit und Verbraucherschutz" ins Leben zu rufen. Ferner sollten Patientenvertretungen entwickelt und eine "Charta der Menschenrechte im Gesundheitswesen" formuliert werden. Beobachter werten die Beschlüsse als Teil einer innerparteilichen Standortbestimmung. Ihr Einfluß auf den gesundheitspolitischen Kurs einer sozialdemokratisch geführten Bundesregierung wird nur als gering eingestuft. Als ASG-Vorsitzender wurde der Augsburger Bundestagsabgeordnete Professor Dr. Martin Pfaff bestätigt.

26.06.Bundesausschuß: Kassen zahlen Viagra nicht
dpa. Das neue Potenzmittel Viagra soll es nach einer Entscheidung des Bundesausschuß Ärzte/Krankenkassen nicht auf Kassenkosten geben. Der Beschluß, den das Gremium am Freitag in Bonn traf, ist allerdings noch nicht abschließend, weil noch Anhörungsfristen für Arzneimittelhersteller und Gesundheitsministerium eingehalten werden. Bis zur förmlichen Zulassung von Viagra für Europa durch die EU-Arzneimittelagentur, die für September erwartet wird, soll aber endgültig entschieden sein. Der Bundesausschuß begründete seine Entscheidung vor allem mit finanziellen Argumenten, Er will auch keine Ausnahmen zulassen. Viagra soll komplett von der Erstattungsfähigkeit ausgeschlossen werden.

26.06. Wechsel bei der Apothekerkammer Bayern
PZ. Neuer Präsident der Bayerischen Landesapothekerkammer ist der Scheinfelder Apotheker und bisherige Vizepräsident Johannes M. Metzger. Auf der Delegiertenversammlung wurden am Mittwoch, dem 24. Juni, Präsidium und Vorstand der Kammer des öffentlichen Rechts, der rund 3600 Apothekerinnen und Apotheker in Bayern angehören, neu gewählt. In einem ersten Statement betonte der neue Präsident, daß der Apotheker nur als freier Heilberufler der steigenden sozialen Verantwortung gegenüber der Gesellschaft gerecht werden könne. Nach 24 Jahren Präsidentschaft wurde der Münchener Apotheker Dr. Hermann Vogel (64), Vizepräsident der Bundesapothekerkammer, zum Ehrenpräsidenten der Bayerischen Landesapothekerkammer gewählt.

26.06. Bundesrat will AMG-Novelle zustimmen
PZ. Die achte Novelle zum Arzneimittelgesetz wird voraussichtlich am 10. Juli vom Bundesrat gebilligt. Eine entsprechende Empfehlung an das Plenum gab der Gesundheitsausschuß der Länderkammer ab. Änderungen an dem vom Parlament bereits gebilligten Gesetzentwurf wird es also nicht geben. Mit der neuen Vorschrift wird unter anderem der Versandhandel mit Medikamenten untersagt. Außerdem dürfen Arzneimittel nicht für Dopingzwecke eingesetzt werden. Bei der Publikumswerbung in Printmedien wird anstelle umfangreicher Angaben zu Nebenwirkungen und Risiken der Rat, vor Einnahme des Medikaments den Arzt oder Apotheker zu befragen, zur Pflicht gemacht.

26.06. DAK übernimmt Impfkosten für Jugendliche
PZ. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre übernimmt die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) jetzt die Kosten einer vorsorglichen Impfung gegen Hepatitis B (Gelbsucht). Bei Erwachsenen zahlt die Kasse nur, wenn der Arzt eine Notwendigkeit bescheinigt, teilte die Kasse am Freitag in München mit. Risikopersonen wie Sanitäter oder Krankenschwestern können die Impfung über die Arbeitgeber abrechnen. Hepatitis B kann zu einer lebensgefährlichen Leberzirrhose oder Leberkrebs führen. Erste Symptome im Krankheitsfall sind Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit und Fieber. Später färbt sich die Haut gelb. Die Erkrankung ist ansteckend.

25.06. Regierung lobt Ost-Apotheken
PZ. Knapp acht Jahre nach der Wiedervereinigung gibt es zwischen Ost und West keine Unterschiede in der Versorgung mit Arzneimitteln. Die mehr als 3000 öffentlichen Apotheken zwischen Elbe und oder garantieren nach Ansicht der Bundesregierung eine Arzneimittelversorgung in den neuen Ländern auf westdeutschem Niveau. Im heute vom Parlament debattierten Kabinettsbericht zur Lage der Nation heißt es dazu, Lieferprobleme wie zu Zeiten der ehemaligen DDR existierten nicht mehr. Den ostdeutschen Bürgern stehe das gesamte Spektrum verordnungsfähiger Medikamente mit mehr als 50.000 Präparaten zur Verfügung. Auch die Situation der ostdeutschen pharmazeutischen Industrie habe sich im Gegensatz zu anderen Branchen stabilisiert. In ihren vollständig privatisierten, fast ausschließlich klein- und mittelständisch strukturierten Betrieben seien rund 6.400 Mitarbeiter beschäftigt. Ihr Marktanteil habe sich allerdings zwischen 1993 und 1997 von 25 auf 16,7 Prozent reduziert.

24.06. Fast 20 Milliarden DM Zuzahlung
dpa. Durch die Gesundheitsreformen und Spargesetze werden die Zuzahlungen der Patienten 1998 auf rund 19,5 Milliarden Mark steigen und damit um ein Drittel höher liegen als 1995. Das ergab eine Umfrage der Tageszeitung "Die Welt" (Mittwochausgabe). Die größten Zuzahlungsposten werden nach Angaben der Zeitung Zahnersatz mit etwa acht Milliarden DM und Arzneimittel mit etwa sechs Milliarden DM sein. Für Krankenhausbehandlung werden 1,6 Milliarden Mark Zuzahlung erwartet. Für das "Notopfer" zur Instandhaltung der Krankenhäuser kommen 800 Millionen Mark hinzu. Für Fahrtkosten werden 1,2 Milliarden Mark einkalkuliert, für Heilmittel und Kuren jeweils über 500 Millionen Mark. Mehrbelastungen bringen auch die vollständig selbst zu bezahlenden Brillengestelle und Zahnersatz Jugendlicher, die nach 1979 geboren sind. Weitere Zuzahlungen werden für Verbandmittel, Massagen sowie stationäre Vorsorge- und Rehabilitationsleistungen fällig.

24.06. Pharmafirmen starten Onlineangebot
PZ. Mit einer gemeinsamen Homepage im Internet wollen acht forschende Pharmaunternehmen den Dialog mit Ärzten und Apothekern verbessern. Unter dem Namen Medizin-aktuell betreiben die Firmen Asta Medica, Bayer, Boehringer Ingelheim, Janssen-Cilag, Merck, Novartis, Smithkline Beecham und Schering seit dem 23. Juni ein Online-Angebot. "Unser Ziel ist es, eine gemeinsame Plattform im Internet zu schaffen und so die kritische Masse an Information zu erreichen," beschrieb Dr. Harald Spangenberg, Geschäftsführer von Medizin-aktuell, auf einer Pressekonferenz in Frankfurt die Motivation der Unternehmen. Der gemeinsame Auftritt habe den Vorteil, daß Ärzte und Apotheker künftig über eine Adresse (http://www.medizin-aktuell.de) und mit einem Paßwort (medizin) auf das Informationsangebot dieser Pharmaunternehmen zugreifen können. "Es ergibt keinen Sinn, wenn sich jeder Arzt oder Apotheker 200 Internetadressen und 200 Paßwörter merken muß, um mit den Firmen der Pharmazeutischen Industrie über das Internet in Kontakt zu treten."

24.06. Hypericum drosselt Verlangen nach Alkohol
dpa. Statt mit Entziehungskuren und seelischen Zuspruch könnten Alkoholiker ihre Sucht möglicherweise auch mit einem Extrakt aus Blüten in den Griff bekommen. Johanniskraut(Hypericum perforatrum) drosselt zumindest im Tierversuch das Verlangen nach einem Rausch, fand ein Team um Amir Rezvani von der US-Universität von North Carolina in Chapel Hill heraus. Er stellte seine Erkenntnisse am Dienstag abend bei einem Jahrestreffen der Forschungsgesellschaft für Alkohol in Hilton Head (US-Staat South Carolina) vor. Er räumt ein, daß Alkoholismus meistens mehrere Faktoren zur Ursache hat. Aber selbst eine Reduktion durch das Kraut wäre hilfreich, äußert er. Ob mit Johanniskraut auch beim Menschen das Verlangen nach Alkohol gestillt werden kann, sei noch offen.

24.06. Ärzte begrüßen gemeinsamen Gesundheitsmarkt
PZ. Ausdrücklich begrüßt hat der Bundesvorsitzende des NAV-Virchowbundes, Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, Dr. Maximilian Zollner, den im Zusammenhang mit den Urteilen des Europäischen Gerichtshofes gefaßten Beschluß der Gesundheitsminister der Länder, nicht gegen Krankenkassen vorzugehen, die dem Patienten in anderen EU-Staaten erbrachte Leistungen bezahlen. Wer ein gemeinsames Europa wolle, so Dr. Zollner, müsse das Urteil des Europäischen Gerichtshofes als eine erste Auswirkung des Zusammenwachsens der Gesundheitssysteme der europäischen Länder sehen. Es sei deshalb nicht im Sinne von Europa, wenn dieser Ansatz durch nationale Restriktionen wieder erstickt würde, anstatt ihn politisch aufzufangen und zugunsten der niedergelassenen Ärzte zu gestalten. Allerdings müsse dabei unbedingt darauf geachtet werden, daß keine Nivellierung des deutschen Gesundheitswesens durch eine Absenkung des Leistungs- und Qualitätsniveaus erfolge, sondern der anerkannt hohe Standard des deutschen Gesundheitswesens erhalten bleibe.Top

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