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Wer öfter trinkt, kann besser denken

25.06.2001
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Wer öfter trinkt, kann besser denken

von Elke Wolf, Rödermark

Flüssigkeitsdefizite setzen die geistige Leistungsfähigkeit herab, und auch das körperliche Wohlbefinden wird in Mitleidenschaft gezogen. Die geistigen Fähigkeiten erleiden jedoch nicht etwa direkt nach Auftreten des Flüssigkeitsverlustes, sondern erst am Folgetag Einbußen. Das brachte zumindest die Rosbacher Trinkstudie zu Tage, die unter der Leitung von Dr. Siegfried Lehrl, Universität Erlangen-Nürnberg, in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sporternährung, Bad Nauheim, und der Fachhochschule Fulda durchgeführt wurde.

In ein Flüssigkeitsdefizit gerät man schneller, als man denkt. Es kann sich zum Beispiel aufbauen, wenn das Frühstück ausfällt, und verstärkt sich, wenn im Laufe des Tages Gelegenheiten fehlen oder nicht genutzt werden, zur Wasserflasche zu greifen. Sportliche Aktivitäten, Arbeiten unter Stress, in der Hitze oder in zu warmen Büroräumen sowie nachlassendes Durstgefühl im Alter sind weitere potenzielle Ursachen eines Flüssigkeitsverlustes.

Die Rosbacher Trinkstudie überprüfte, ob ein Flüssigkeitsmangel die Aufmerksamkeit von Studenten herabsetzt sowie deren Denkvermögen und Gedächtnisleistung verschlechtert. Zudem wurde getestet, ob sich der Mangel an Flüssigkeit auch auf die Durchhalteleistung bei einfachen mentalen Aufgaben auswirkt. Zurückliegende retrospektive Studien an der Universität Erlangen mit mehreren hundert Teilnehmern hatten auf diese Zusammenhänge hingedeutet. Die Hypothese sollte mit zwölf männlichen Probanden überprüft werden. Dazu musste jeder Teilnehmer in drei Versuchen über je zwei Tage nach je einer der folgenden Bedingungen trinken:

  • bei Normaltemperatur von 22 °C und bei Bedarf trinken
  • standardisierter Flüssigkeitsverlust und Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes, mindestens in Höhe des Schweißverlustes, plus 0,5 Liter Wasser
  • standardisierter Flüssigkeitsverlust ohne Ausgleich, das heißt, es durften nur 0,5 Liter Flüssigkeit bis zum Versuchsende am zweiten Versuchstag aufgenommen werden.

Flüssigkeitsmangel macht geistig unbeweglich

Die Teilnehmer in dehydriertem Zustand konnten sich Informationen schlechter merken. Denn ein Flüssigkeitsmangel denn ein Flüssigkeitsmangel beeinflusst besonders die Kapazität des Kurzzeitspeichers. Da er nötig ist, um einen Überblick über die Gesamtsituation zu bekommen, um komplexere Aufgaben lösen zu können oder um ausgewogen urteilen zu können, hat dieses Ergebnis besonders für Kopfarbeiter große Tragweite, heißt es in der Studie. "Der Betroffene kann durch seinen Flüssigkeitsverlust pro Zeiteinheit weniger Informationen als sonst verarbeiten. Alles geht relativ zu schnell. Sie können nicht mehr so viel an Informationen im Kurzspeicher festhalten und managen, verlieren an Übersicht und Flexibilität", stellt Lehrl in seinem Abschlussbericht fest. Das überraschendste Ergebnis der Studie ist, dass die geistige Leistungsfähigkeit nicht etwa direkt nach Flüssigkeitsverlusten wie Sauna oder sportlicher Aktivität, sondern am Folgetag am stärksten zu wünschen übrig ließ.

Praktisches Beispiel: Beim Lesen kann man nicht mehr so viele Sätze, Aussagen und Fakten wie gewohnt verstehen und sich merken. Beim Schreiben oder Sprechen kommt dies dadurch zum Ausdruck, dass man sich nicht mehr von einem Thema lösen und nicht so viele Umstände wie sonst üblich berücksichtigen kann. Insgesamt geht durch den Mangel an Flüssigkeit die Komplexität des Denkens und Planens verloren. Allerdings: Diese mentalen Leistungseinbußen treten auf, ohne dass der Betroffene selbst etwas davon bemerkt.

Der in der vorliegenden Studie bewirkte moderate Dehydrierungszustand hatte nicht für alle Bereiche der geistigen Leistungsfähigkeit negative Auswirkungen. Der Mangel an Flüssigkeit konnte zum Beispiel der Fähigkeit nichts anhaben, bei einfachen Aufgaben für die Zeit von wenigen Minuten eine hohe Konzentration aufrecht zu erhalten.

Der Flüssigkeitsverlust wirkte sich bei den Probanden, die das Defizit nicht ausgleichen durften, auch körperlich und merklich auf den Alltag aus. Sie litten unter Schlafstörungen, fühlten sich schlapp und zeigten weniger Interesse am aktuellen Tagesgeschehen.

Ein Ausgleich des Wasserhaushaltes durch reichliches Trinken am Abend reicht nicht aus, um die mentale Leistungsfähigkeit im Optimum zu halten, teilt das Institut für Sporternährung mit. Wer seine geistige Leistungsfähigkeit ständig optimal nutzen will und muss, der sollte während des ganzen Tages kontinuierlich mineralstoffreiches Mineralwasser oder Frucht- und Kräutertees trinken. Durst zeigt bereits eine verminderte psychische Leistungsfähigkeit an. Dann muss bereits mehr Energie aufgewendet werden, um die gleiche Leistung zu erbringen. Dadurch steigt der Stress. Die Erschöpfung tritt schneller ein. Durstfrei leben ist deshalb die Mindestbedingung, um maximal geistig leistungsfähig zu sein.

 

Trinken, bevor der Durst kommt

Innerhalb von 15 bis 16 Tagen wird das gesamte Körperwasser erneuert. Deshalb muss in dieser Zeitspanne auch eine ausreichende Menge Flüssigkeit aufgenommen werden, heißt es in der Broschüre "Mineralwasser - die natürlichste Sache der Welt" von der Vereinten Mineral- und Heilquellen GmbH. Der tägliche Wasserbedarf ohne Schwitzen liegt bei 2,4 Litern, wovon 1,5 Liter über Getränke aufgenommen werden müssen. Schweißverluste müssen dabei zusätzlich ausgeglichen werden. 1,5 bis 2 Liter stellen somit einen Minimumwert dar.

Im Gegensatz zu den meisten Säugetieren gleicht der Mensch sein Wasserdefizit nicht vollständig aus. Er hört auf zu trinken, bevor er die gesamte ausgeschiedene Flüssigkeitsmenge wieder aufgenommen hat. Um einem Flüssigkeitsdefizit vorzubeugen, ist es wichtig, wieder richtig trinken zu lernen. Das beste Beispiel dafür liefern Neugeborene. Ihre Flüssigkeitsaufnahme erfolgt im Zwei- bis Drei-Stunden-Takt. Und dieser von der Natur vorgegebene Rhythmus sollte auch in späteren Jahren beibehalten werden.

 

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