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Gehe-Wachstum im Ausland

22.06.1998
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-Wirtschaft & Handel

Govi-Verlag

Gehe-Wachstum im Ausland

Um 17 Prozent auf über 25 Milliarden DM ist der Umsatz des Gehe-Konzerns im Geschäftsjahr 1997 angestiegen. Ausführlich erstattete der Vorstandsvorsitzende Dieter Kämmerer der Aktionärsversammlung am 9. Juni 1998 in Stuttgart Bericht. Die PZ informiert nachfolgend besonders über die Entwickung im Ausland, in dem der Konzern rund 78 Prozent des Umsatzes erwirtschaftete. 1992 waren es gerade mal 6 Prozent. Beim Ergebnis vor Steuern beträgt der Auslandsanteil 71 Prozent.

Bereinigt um die Veränderungen des Konsolidierungskreises hat Gehe ein Umsatzplus von 5 Prozent erzielt. Aufgrund des regulativen Drucks der Krankenkassen und Regierungen ergab sich im Pharmagroßhandelsbereich in Deutschland nur ein bescheidenes Wachstum von 1,7 Prozent beziehungsweise eine Umsatzrendite von 1,9 Prozent und in Frankreich ein Umsatzanstieg von unter 2 Prozent und eine Umsatzrendite von 1,6 (Vorjahr: 0,8) Prozent.

Verbesserte Niederlassungsstruktur in Frankreich

Alljährlich, so Kämmerer, weist die französische Krankenversicherung Assurance Maladie hohe Defizite in der Größenordnung von 10 bis 15 Milliarden DM aus. Dies führte zu restriktiven Maßnahmen seitens der Regierung. So unterliegt der französische Pharmagroßhandel seit mehreren Jahren der Contribution Exceptionelle, einer Abgabe an den Staat, die in Abhängigkeit vom Marktwachstum der Verschreibungsarzneimittel (etwa 80 Prozent des OCP-Sortiments), mindestens 0,5 Prozent bis 1,5 Prozent vom Umsatz betragen kann. 1996 habe die Abgabe aufgrund des niedrigen Marktwachstums 0,94 Prozent betragen, das Wachstum 1997 löste eine Erhöhung auf 1,22 Prozent aus.

Die Ergebnissteigerung bei OPC ist allein auf die verbesserte Niederlassungsstruktur zurückzuführen. Nach Übernahme der Gruppe durch Gehe 1993 sind die Niederlassungen von 78 auf jetzt 57 zurückgeführt worden, ohne Einbußen beim Marktanteil von rund 41 Prozent hinzunehmen, wie Kämmerer betonte.

Lloyds Pharmacy: der gemeinsame Auftritt von AAH und Lloyds

Die weitaus höchsten Wachstumsraten in den drei größten europäischen Pharmamärkten (Deutschland, Frankreich, Großbritannien) verzeichnete in den letzten zehn Jahren Großbritannien in einer Bandbreite von etwa 8 bis 12 Prozent. 1997 hat das Wachstum - ausschließlich aufgrund der Volumen- und Strukturveränderungen - laut Kämmerer 8 Prozent betragen. Die Gehe-Tochtergesellschaften AAH und Lloyds haben in diesem Umfeld "sehr gute Ergebnisse erzielt" und erwirtschaften 32 Prozent des Konzernumsatzes und 29 Prozent des Ergebnisses vor Steuern. Obwohl Frankreich mit 10,6 Milliarden DM Umsatz vor England liegt (8 Milliarden DM), haben die Briten beim Ergebnis (138 Millionen DM versus 135 Millionen) die Nase um 3 Millionen DM vorn. Das operative Ergebnis in Großbritannien vor Akquisitionszinsen entspricht einer Umsatzrendite von 3,5 Prozent. Davon entfallen auf den Pharmagroßhandel 2,6 Prozent und auf die Apothekenkette 5,3 Prozent.

Neuer Firmensitz aller britischen Aktivitäten ist die mittelenglische Stadt Coventry nahe Birmingham. Hier erledigen rund 600 Mitarbeiter, die vorher auf neun Standorte in Mittelengland und London verteilt waren, alle Zentralfunktionen.

Für die 368 AAH/Hills-Apotheken und 906 Lloyds-Apotheken wurde ein einheitliches Firmenkonzept und Erscheinungsbild entwickelt, das im März 1998 eingeführt wurde. Alle Apotheken sollen in den nächsten drei Jahren unter dem Namen Lloyds Pharmacy neu ausgestattet werden, um einen gemeinsamen und modernen Marktauftritt als "Wellness Center Concept" zu erreichen. Ein gelb-grünes Logo stellt die apothekentypischen Arbeitsmittel Mörser und Pistill dar. Schwerpunkt des Sortiments ist laut Kämmerer - anders beziehungsweise vice versa als bei Boots - der Arzneimittelbereich im Verhältnis 80:20. Die einzelnen Apotheken befinden sich vorwiegend in Gesundheitszentren und in Ärztehäusern und in Wohngegenden.

Erfreuliche Entwicklung des Versandhandels

Während der Gehe-Vorstand mit der Entwicklung des Gesundheitsdienstes in Deutschland - anders als in Frankreich - nicht zufrieden ist, allerdings hier Wachstumschancen sieht, hat der Geschäftsbereich Versandhandel der Kaiser + Kraft-Gruppe "nur Freude...bereitet". Dieser hat aber, wie Kämmerer betonte, gar nichts mit Arzneimitteln und Gesundheit zu tun. Der Versandhandel für gewerbliche Abnehmer von Büro-, Lager- und Betriebseinrichtungen ist in zwölf Ländern Europas und in den USA sowie Kanada aktiv. Der Umsatz konnte um 19 Prozent auf 917 Millionen gesteigert und der Ergebnisbeitrag um 12 Millionen auf 88 Millionen gesteigert werden. Das entspricht einer Umsatzrendite von 9,6 Prozent. Der Auslandsanteil am Umsatz beträgt 63 (nach 60 Prozent). In Kamp-Lintfort bei Duisburg wurde ein neues europäisches Versandhandelszentrum errichtet, das im Mai 1997 in Betrieb genommen wurde und 50 neue Arbeitsplätze schaffte. Das 25 Meter hohe Hochregallager stellt laut Kämmerer 20.000 Artikel für Betrieb, Lager, Transport und Umweltschutz zur Auslieferung bereit.

Mit Wirkung vom 1. Mai 1998 hat die Gehe-Versandhandelsgruppe Kaiser + Kraft alle Geschäftsanteile an dem schwedischen Versandhandelsgeschäft für Büro-, Lager und Betriebseinrichtungen Gerdmans Inredningar in Markaryd erworben. Mit seinen Tochtergesellschaften in Norwegen, Dänemark und Finnland soll es einen Jahresumsatz von 50 Millionen DM tätigen. Damit verfügt der Gehe-Versandhandel über eine lückenlose Marktpräsenz in 16 europäischen Ländern. Für 1998 erwartet die Kaiser + Kraft-Gruppe einen konsolidierten Umsatz von über einer Milliarde DM.

PZ-Artikel von Erdmuthe Arnold, Eschborn
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