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22.06.1998
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PZ +++ Nachrichten +++  23.06. Aids-Patienten: Soziale Lage verschlechtert
PZ. Die soziale Lage der HIV- und AIDS-Infizierten hat sich nach Angaben der Deutschen AIDS-Stiftung (DAS) nochmals verschlechtert. Allein im ersten Quartal 1998 seien die Hilfsanträge von Betroffenen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um mehr als ein Drittel gestiegen. Damit setze sich der Trend zu vermehrten Hilfsanfragen fort. Bereits 1997 habe die DAS eine Antragszunahme um rund 22 Prozent verzeichnet. Die Stiftungsarbeit werde jedoch aufgrund des nachlassenden Interesses der Öffentlichkeit am Thema AIDS immer schwieriger, beklagte Dr. Ulrich Heide vom Vorstand. Für Hilfen seien im Jahr 1997 rund 3,6 Millionen DM bereitgestellt worden. Doch nur 2,9 Millionen DM konnten aus Spenden gedeckt werden. Der anhaltende Anstieg bei den Hilfsanfragen erkläre sich auch durch die verbesserte medizinische Behandelbarkeit der Immunschwächekrankheit, beispielsweise durch die unterschiedlichen Kombinationstherapien. Diese medizinischen Erfolge verbesserten die soziale Situation der Betroffenen jedoch nur bedingt, so die Stiftung. Mit der steigenden Lebenserwartung der Betroffenen wachse auch ihre finanzielle Bedürftigkeit. Im Vergleich zu anderen chronisch kranken Menschen seien HIV- und AIDS-Infizierte in der Regel jung und hätten deshalb nur eine mangelnde oder gar keine soziale Absicherung. Fast die Hälfte der Antragsteller lebe von der Sozialhilfe.

23.06. Richtiger Hautschutz spart Kosten
PZ. Nach Schätzungen von Gewerbedermatologen summieren sich die Fehltage aufgrund beruflich bedingter Hauterkrankungen auf mindestens eine Millionen Arbeitstage im Jahr. Die Kosten für die Unternehmen und das Gesundheitswesen werden auf über eine Milliarde DM jährlich geschätzt. Mehr als die Hälfte der Erkrankungen entfallen auf zehn Berufe, darunter Friseur, Maurer und Betonbauer, Krankenpfleger, Masseur, Chemiker, Dreher und Fräser, berichtete Professor Dr. Uschi Backes-Gellner bei den 4. Krefelder Hautschutztagen. Die Hautschäden entstehen durch ungeschützten Umgang mit Schadstoffen, durch Einsatz falscher oder minderwertiger Hautreinigungsmittel oder weil die nachträgliche Hautpflege nicht beachtet wird. Nach einer Interventionsstudie der Universität Erlangen ließe sich die Häufigkeit der Hauterkrankungen bei einem optimalen Hautschutzmanagement um 60 Prozent senken.

22.06. Ärzteteam entwickelt Selbstmord-Pille
dpa. Ein internationales Ärzteteam entwickelt Presseberichten zufolge derzeit eine Pille, mit der unheilbar Kranke schmerzlos Selbstmord begehen können. Die Pille könnte schon bald über das Internet zu beziehen sein, schrieb die australische Zeitung "Sun Herald" am Sonntag. Ein Mitglied der Forschungsgruppe, der australische Arzt Philip Nitschke, nannte die Substanz eine Alternative zur Legalisierung der Sterbehilfe. Die Australische Medizinische Vereinigung (AMA) kritisierte allerdings, daß die Pille eine große Gefahr für junge Menschen darstelle, die vorübergehend an einer Depression leiden. Ein schnellwirkendes "Todesmedikament" mache es den Ärzten unmöglich, Teenager nach einem Selbstmordversuch noch zu retten, warnte der Präsident der AMA, David Brand. Ein Verkauf über das Internet sei zudem völlig ungeschützt.

22.06. Schweiz läßt Viagra zu
dpa. Als erstes europäisches Land hat die Schweiz am Montag die Potenzpille Viagra zugelassen. Die Interkantonale Kontrollstelle für Heilmittel gab der US-Herstellerfirma Pfizer grünes Licht für den Verkauf des Medikaments gegen Erektionsstörungen. Nach Auskunft der Kontrollstelle ist das für die Behandlung der Impotenz bestimmte Medikament aber nur gegen ärztliches Rezept erhältlich. Die Hinweise des Beipackzettels auf Vorsichtsmaßnahmen, Nebenwirkungen und Kontraindikationen seien strikt einzuhalten, warnte die Kontrollstelle. Nur unter diesen Voraussetzungen bestehe für Viagra ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis. Ob Viagra von den Schweizer Krankenkassen bezahlt wird, war zunächst noch unklar. Diese Entscheidung liegt in der Kompetenz des Bundesamts für Sozialversicherung (BSV). Die Schweizer Krankenkassen hatten - wie auch die deutschen Kassen - vor einer Kostenlawine durch die Potenzpille gewarnt.

22.06. Bayer ordnet Chemieaktivitäten neu
dpa. Der Bayer-Konzern (Leverkusen) hat seine Aktivitäten im Chemie-Bereich neu geordnet. Vom kommenden Jahr an sollen in einem neuen Geschäftsfeld Chemikalien die Basis- und Feinchemie aus der Sparte Anorganische Industrieprodukte und Organische Chemikalien zusammengefaßt werden, kündigte das Unternehmen am Montag an. Der neue Bereich werde einen Umsatz von 2,1 Milliarden DM haben und rund 5.500 Mitarbeiter beschäftigten. Neu geordnet werden darüber hinaus die Sparte Spezialprodukte und der Geschäftsbereich Lackrohstoffe, Farbmittel und Sondergebiete. Durch noch bessere Nutzung von Synergien werde Bayer seine Stellung als fahrendes integriertes chemisch-pharmazeutisches Unternehmen weiter stärken, begründete das Unternehmen die Neuorganisation.

20.06. Arzneihaftung wird nicht geändert
PZ. Mit Regierungsmehrheit wurde eine SPD-Initiative für einen Entschädigungsfonds abgelehnt. Pläne der SPD-Bundestagsfraktion und des CSU-Bundestagsabgeordneten Gerhard Scheu für eine Reform des Arzneimittel-Haftungsrechts sind am Freitag vergangener Woche im Parlament gescheitert. Mit knapper Mehrheit lehnte die Regierungskoalition beide Initiativen ab. Die Sozialdemokraten hatten sich unter anderem für die Einrichtung eines Entschädigungsfonds eingesetzt, der aus Beiträgen der pharmazeutischen Industrie finanziert werden sollte. Außerdem sahen beide Anträge vor, die Position von Geschädigten bei Schadensersatzprozessen zu verbessern.

19.06. Keine Beschränkung für Mikropille
dpa. Die Antibabypille der dritten Generation darf weiterhin an Erstanwenderinnen verschrieben werden. Ein entsprechendes Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin teilte am Donnerstag abend der Hersteller Schering AG mit. Das Unternehmen hatte mit zwei weiteren Firmen gegen eine Zulassungsbeschränkung des Bundesinstituts für Arzneimittel- und Medizinprodukte geklagt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hatte als Zulassungsbehörde im November 1995 unter Hinweis auf eine erhöhte Thrombosegefahr bei Einnahme der niedrigdosierten Antibabypille Anwendungsbeschränkungen verfügt. Mit dem Urteil des Verwaltungsgerichts sei das Institut nun in der Hauptsache gescheitert, erklärte Schering. Das Gericht habe die von Schering stets vertretene Auffassung bestätigt. Die Beschränkung sollte für Pillen mit den Wirkstoffen Desogestrel und Gestoden gelten, Neben Schering hatten auch die Hersteller Organon und Nourypharma aus Oberschleißheim bei München geklagt und laut Schering ebenso Recht bekommen. In einer ersten Stellungnahme hat derBerufsverband der Frauenärzte das Berliner Urteil begrüßt. Es bringe Klarheit und bestätige die Position der Gynäkologen.

19.06. Amifostin: Studien belegen Zytoprotektion
PZ. Die Ergebnisse von zwei Studien bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren beziehungsweise Bronchialkarzinom, die auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Los Angeles im Mai 1998 vorgestellt wurden, belegen, daß Amifostin (Handelsname Ethyol) gesundes Gewebe weitgehend vor toxischen Begleiterscheinungen der Therapie schützt. Vor allem die hämatologischen Nebenwirkungen und die Xerostomie würden durch die Gabe von Amifostin abgeschwächt, schreibt das Herstellerunternehmen Essex Pharma, München, in einer Pressemitteilung. So konnte in einer Studie von D. Brizel, North Carolina, nachgewiesen werden, daß bei Patienten, die wegen eines Kopf-Hals-Tumors bestrahlt wurden, statistisch signifikant seltener akute Xerostomien auftraten, wenn sie 200mg/m2 Amifostin behandelt wurden. Außerdem vertrugen diese Patienten eine höhere kumulative Strahlendosis. In einer von H. Anderson, Manchester, durchgeführten Studie an 45 Patienten mit Bronchialkarzinom senkte Amifostin die hämatologischen Nebenwirkungen signifikant. Der Wirkstoff zeigte eine protektive Wirkung auf Thrombozyten und Neutrophile.

19.06. Fertilisation: Keine Auswahl bei Geschlecht
dpa. Die niederländische Regierung verbietet eine Privatklinik, die Paare vor einer künstlichen Befruchtung das Geschlecht ihres Kindes bestimmen läßt, Gesundheitsministerin Els Borst hält dies für "ethisch unvertretbar". Eine Sprecherin der Ministerin sagte am Freitag in Den Haag, ein neues "Gesetz zu besonderen medizinischen Handlungen" biete die Grundlage für das Verbot. Die Klinik in Utrecht hat seit über einem Jahr regen Zulauf. Nach eigenen Angaben kann sie ihren Kunden "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" garantieren, daß sie ein Kind mit dem Geschlecht ihrer Wahl bekommen. Der Klinikleiter will nun ins Ausland ausweichen.

18.06. Zustimmung zur Gentechnik wird größer
PZ. Die Akzeptanz der Gentechnik in der Medizin steigt nach einer vom Verband forschender Arzneimittelhersteller (VFA) initiierten Emnid-Umfrage weiter an. Nahezu drei Viertel der Bevölkerung erwarten nach der aktuellen Umfrage von der Gentechnik große medizinische Fortschritte. Am größten ist die Hoffnung bei Krebs (52,7 Prozent) und Aids (32,5 Prozent). Mit 56,9 Prozent ist die Zahl derer deutlich gestiegen, die ohne größere Bedenken rekombinante Arzneimittel einnehmen würden (1997: 50,3 Prozent, 1996: 49,3 Prozent). Gleichzeitig sank die Quote derer, die auf keinen Fall derartige Mittel einnehmen wurden von 14,3 Prozent 1996 auf nunmehr 10,5 Prozent. Wichtig für die Entwicklung der Gentechnik in Deutschland sei auch, daß neben dem therapeutischen Aspekt der ökonomische Aspekt dieser Zukunftstechnologie in den Augen der Bevölkerung an Bedeutung gewinne, kommentierte VFA-Hauptgeschäftführerin Cornelia Yzer das Ergebnis. So würden es inzwischen nahezu zwei Drittel (62,1 Prozent) aller Befragten begrüßen, wenn Deutschland auf dem Gebiet der Gentechnologie eine Spitzenstellung einnimmt. Vor Jahresfrist wollten dies lediglich 55 Prozent.

17.06. Verbraucherverbände fordern Positivliste
PZ. Die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände hat sich erneut für eine verbindliche Arzneimittel-Positivliste ausgesprochen. Die "Kieler Liste" sei ein Schritt in die richtige Richtung, weil sie Ärzten und Patienten mehr Transparenz verschaffe, erklärte Monika Ketterer, Geschäftsführerin der baden-württembergischen Verbraucherzentrale, bei einer Fachtagung in Bonn. "Patienten und Versicherte müssen qualifiziert und unabhängig beraten werden, um ihre neue Rolle als Kunden im Gesundheitssystem kompetent wahrnehmen zu können", machte Anne-Lore Köhne, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV) deutlich. Dazu gehöre auch die Information über Preise und Qualität von Selbstmedikations-Arzneimitteln. Die Verbraucherverbände sehen sich besonders in der Verantwortung, weil ihnen großes Vertrauen entgegengebracht werde, so AgV-Chefin Köhne. Bei einer Emnid-Umfrage "Welche Informationsquelle halten Sie in Gesundheitsfragen für die glaubwürdigste?" rangierten die Verbraucherzentralen 1994 auf Platz zwei, direkt hinter den Ärzten. Apotheker und Krankenkassen folgten auf Rang drei und vier.

17.06. Knoblauch: Zweifel an der Choleterolsenkung
dpa. Knoblauchpräparate haben nach einer Untersuchung der Bonner Universitätsklinik keine cholesterolsenkende Wirkung. Es bestehe die Gefahr, daß Patienten mit hohen Cholesterolwerten eine wirksame Therapie versäumten, weil sie sich durch die Einnahme von Knoblauchpillen in falscher Sicherheit wögen, teilte die Universität mit. Das Ergebnis der vom Bundesforschungsministerium geförderten Studie ist im Journal der Amerikanischen Ärztegesellschaft (JAMA, Bd.279, Nr.23, S.1900) vom 17. Juni veröffentlicht. In dem Versuch an 25 Teilnehmern mit hohen Cholesterol- und Triglyzeridwerten wurde bei keinem ein Einfluß auf die verschiedenen Stoffwechselwege dieser Blutfette im Körper festgestellt. Dabei nahmen einige Probanden die Wirkstoffmenge von vier bis fünf Gramm frischer Knoblauchzehen mit dem Präparat zu sich.

17.06. Kritik an Behandlung von Epileptikern
dpa. Etwa drei bis fünf Prozent der Bevölkerung erkranken im Lauf ihres Lebens an Epilepsie - meist jedoch nur vorübergehend. Rund 500.000 Menschen in Deutschland (0,6 Prozent) haben eine aktive Epilepsie, teilte das Epilepsie-Kuratoriums am Mittwoch vor Journalisten in Bonn mit. Die Behandlung der Patienten in Deutschland bleibe deutlich hinter den Möglichkeiten zurück, kritisierten Mitglieder des Kuratoriums. Bei der Vorlage ihres Epilepsieberichts forderten sie einen Ausbau der Versorgung sowie eine Langzeitstudie über die Verlaufsformen. Die meisten Epilepsien sind heute nach Angaben von Medizinern mit Medikamenten sowie chirurgischen Eingriffen gut zu behandeln. Nach Auskunft des Kuratoriumsvorsitzenden Professor Dr. Peter Wolf, Bethel, sind die Probleme der Krankheit in hohem Maße sozialmedizinischer Art. Erkrankte seien Vorurteilen und teils grotesken Vorstellungen ausgesetzt. Das Kuratorium, dem Ärzte, Juristen und Betroffene angehören, forderte eine weitere Professur für das Gebiet. Bislang gebe es nur in Bonn einen Lehrstuhl für Diagnostik und Chirurgie der Epilepsie.

17.06. Madaus fördert Leipziger Apothekergarten
dpa. Das Pharmaunternehmen Madaus AG (Köln) und der Botanische Garten der Universität Leipzig wollen künftig bei der Erforschung von Naturheilpflanzen zusammenarbeiten. Bis Ende nächstes Jahres soll direkt am Botanischen Garten ein etwa 3.000 Quadratmeter großer Apothekergarten mit 300 Pflanzenarten aus aller Welt entstehen, teilten beide Partner am Mittwoch in Leipzig mit. Die Madaus AG unterstütze die Kooperation zunächst mit etwa 300.000 Mark. Nach Angaben des Leiters des Botanischen Gartens, Wilfried Morawetz, werden bislang maximal ein bis zwei Promille aller Pflanzenarten zu Heilzwecken genutzt. Der Forschungsschwerpunkt des Wissenschaftlers liegt auf dem tropischen Regenwald. Madaus erhofft sich von der Zusammenarbeit mit der Leipziger Einrichtung neue Einblicke in die Pflanzenwelt des Urwalds und deren therapeutischen Potential.Top

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