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Neue Ergebnisse aus der Nifedipin-Forschung

23.06.1997
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Neue Ergebnisse aus der Nifedipin-Forschung

  Die Muttersubstanz der Dihydropyridine, das Nifedipin, ist kein alter Hut. Ihre Wirkungen sind gut dokumentiert und die FDA hat die Calciumkanalblocker im letzten Jahr als sicher eingestuft. Die Retardformulierung zur einmal täglichen Gabe ist jedoch günstiger als die klassischen Darreichungsformen. Dies betonte Dr. Franz-Josef Bohle von der Bayer AG bei einer Pressekonferenz in München.

Calciumantagonisten blockieren die Calciumkanäle vom L-Typ in Gefäß-und Herzmuskulatur. In der Folge wird die elektromechanische Kopplung gehemmt, bevorzugt in der glatten Gefäßmuskulatur im Vergleich zum Myokard. Aufgrund dieses Wirkmechanismus werden die Arzneistoffe bei koronarer Herzkrankheit und Hypertonie eingesetzt.

Zwei Mechanismen der Geläßrelaxation

Über den bekannten Mechanismus können jedoch Effekte wie die Hemmung der Thrombozytenaggregation und die Arterioskleroseprophylaxe nicht erklärt worden. Tatsächlich wirken Calcium-Kanalblocker besser bei intaktem als bei vorgeschädigtem Endothel. Experimentelle Befunde deuten auf eine Beteiligung von Stickstoffmonoxid (NO) aus dem Endothel hin, erklärte Professor Dr. Wolfgang Klaus, Köln.

In Untersuchungen in Zellkulturen und tierischen Aorten steigerten die Dihydropyridine Nitrendipin, Nisoldipin und besonders Nifedipin die NO-Synthese. Als Mechanismus wird eine Aktivierung der endothelialen NO-Synthese über erhöhte intrazelluläre Calciumspiegel angegeben. Auch in Thrombozyten konnte Nifedipin das Enzym und damit die NO-Synthese aktivieren. NO wirkt vasodilatierend, antithrombotisch, antiproliferativ und antiatherosklerotisch.

Neue Studien klären Langzeiteffekte

Das Leverkusener Unternehmen treibt die Nifedipin-Forschung mit großem Aufwand voran. Mit der INSIGHT-Studie ist 1994 die erste Untersuchung angelaufen, die prospektiv die Wirkung einer medikamentösen Behandlung auf harte Endpunkte bei Bluthochdruck-Patienten mit begleitenden Risikofaktoren untersucht, erläuterte Privatdozent Dr. Friedhelm Späh aus Krefeld. Als Basismedikation erhalten die Patienten Nifedipin oder Hydrochlorothiazid/Amilorid. Derzeit sind 7400 Patienten, davon 53 Prozent Frauen, in die randomisierte, doppelblinde, mindestens dreijährige Behandlungsphase eingeschlossen. Primäres Ziel ist die Vermeidung kardiovaskulärer Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall.

Die randomisiert doppelblind angelegte ACTION-Studie untersucht dagegen, so Professor Dr. Wolf Rafflenbeul aus Hannover, ob Nifedipin kardiale Ereignisse bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit unterdrücken kann. 6600 Patienten mit chronisch stabiler Angina pectoris erhalten über durchschnittlich fünf Jahre zusätzlich zur antianginösen Basistherapie einmal täglich Nifedipin oder Placebo. In Planung ist eine weitere Studie, die den Effekt der Kombination von Nifedipin und Cerivastatin auf die Erholung der Endothelfunktion zeigen soll. ENCORE soll unter anderem die Relation zwischen Endothelfunktion und nachfolgenden morphologischen Veränderungen klären.

PZ-Artikel von Brigitte M. Gensthaler, München
   

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