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Was bedeutet der Euro für en Apothekenalltag?

15.06.1998  00:00 Uhr

-Wirtschaft & Handel

Govi-Verlag

Was bedeutet der Euro für en Apothekenalltag?

Nach Festlegung der Teilnehmerstaaten der Wirtschaft- und Währungsunion sowie Errichtung der Europäischen Zentralbank mit Sitz in Frankfurt am Main im Mai dieses Jahres ist am 1. Januar 1999 mit der unwiderruflichen Fixierung der Wechselkurse zum Euro zu rechnen. Diese werden zunächst nur im Buchgeldverkehr gelten, die nationalen Währungen werden weiterhin gesetzliches Zahlungsmittel bleiben. Spätestens ab 1. Januar 2002 ist mit Einführung der Euro-Noten und -Münzen und Umstellung der öffentlichen Hand sowie der privaten Haushalte zu rechnen. Der Abschluß der Währungsunion ist zum 1. Juli 2002 geplant.

"Für Apotheker ist die Umstellung zum spätestmöglichen Zeitpunkt sinnvoll, doch empfiehlt es sich rechtzeitig, Vorbereitungsmaßnahmen zu treffen", betonte Barbara Koschinsky, Zweigniederlassung Darmstadt der Treuhand Hannover und Mitglied der ABDA-Expertengruppe Euro, während des Wirtschaftsseminars des Apothekerverbandes Mecklenburg-Vorpommem am 3. Juni in Rostock.

Die Steuerberaterin verwies auf die Zweckmäßigkeit der rechtzeitigen Erstellung eines "Euro-Handlungsplanes" in Apotheken, der registriert, welche Bereiche des Unternehmens betroffen sind. EDV und Kassensysteme sind auf "Eurofähigkeit" beziehungsweise duale Möglichkeiten (doppelter Bargeldumlauf? zwei Kassen?) zu überprüfen. Der Test auf Eurofähigkeit darf auch bei geplanten Investitionen nicht außer acht gelassen werden.

Auch Überlegungen zur Einführung von Electronic cash und weiteren bargeldlosen Zahlungsmöglichkeiten sind anzustellen. Apothekenspezifische Formulare, Quittungen, Rechnungsvordrucke und Handzettel sind auf Euro einzurichten. Die Schulung der Mitarbeiter ist erforderlich.

Der doppelten Preisauszeichnungspflicht nach EU-Empfehlung wird die Bundesregierung nicht folgen. Verbraucherverbände zeigen sich ungehalten und halten weiter an dieser Forderung fest, um den Ängsten des Kunden vor schleichenden Preiserhöhungen durch Umrechnung entgegenzuwirken.

Keine Währungsreform, sondern Währungstausch


Bei der Umstellung auf Euro handelt es sich - vergleichbar mit der Umrechnung von Celsius auf Fahrenheit - um einen wertgleichen Währungstausch und nicht um eine Währungsreform. Der Umtausch von DM in Euro ist nicht mit einer Vermögensvernichtung und Streichung von Staatsschulden wie 1948 verbunden, betonte die Referentin.

Anders als für Apotheken empfiehlt es sich für Großbetriebe, die Vorteile des Euro von Anfang an zu nutzen. Klein- und Mittelbetriebe laufen Gefahr, eventuell einer Sogwirkung durch Zulieferanten zu unterliegen. Der Anfall von Kosten- und Lieferantenrechnungen im Drei-Jahres-Zeitraum ist auch in Apotheken möglich. Die Zahlung kann in Euro erfolgen, auch wenn ein Euro-Konto nicht geführt wird. Bei der Buchführung sollte darauf geachtet werden, daß stets auf die Ursprungsrechnung zurückgegriffen werden kann.

Der Apotheker entscheidet über die Währung, in der das Konto vom 1. Januar 1999 bis 31. Dezember 2001 geführt werden soll. Die Empfehlung lautet DM. Die Bank rechnet auf Euro laufende Einzahlungen ebenso wie Auszahlungen gemäß Umrechnungskurs um. Für Steuererklärungen gilt als Umstellungszeitpunkt der 1. Januar 2002. Probleme bei Buchführung, Bilanz und Jahresabschluß werden nur bei "Selbstbuchern" eventuell in Verbindung mit abweichenden Wirtschaftsjahren erwartet.

Als positiv an der Umstellung auf Euro ist zu bewerten, daß zukünftig Transaktionskosten entfallen, die Transparenz von Preisen und Kosten gewährleistet und Planungs- und Kalkulationssicherheit gegeben ist, so Koschinsky. Der Euro habe Chancen, dritte Leitwährung neben dem Dollar und dem Yen zu werden. International steige die Attraktivität des europäischen Kapitalmarktes. Zahlungsfähige Kreditnehmer werden verbesserte Finanzierungsmöglichkeiten haben, da die Konkurrenz unter den Banken steigen wird.

Verschärtfer Wettbewerb

Die erheblichen Kosten der Umstellung, mangelnde Akzeptanz bei der Bevölkerung sowie die Verzögerung der Umstellung im öffentlichen Sektor zählte Koschinsky zu den Passiva von ihrer Argumentationsbilanz "Euro". Die politische Union Europas ist nicht verwirklicht, daher wird jeder Staat weiterhin eine autonome Wirtschaftspolitik betreiben. Die Möglichkeit der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit durch Währungsabwertung entfällt. Mit Kosteneinsparungen durch Lohnabsenkung geht die Gefahr steigender Arbeitslosenzahlen einher, so Koschinsky, die als entscheidendes Zukunftskriterium die Arbeit der Europäischen Zentralbank nannte.

Die Umstellung auf Euro bedeutet einen verschärften Wettbewerb für deutsche Unternehmer. Ganz oben auf der Liste der erforderlichen Gegenmaßnahmen müssen nach Meinung Koschinskys mehr Serviceleistungen und Verbesserung des Kundendienstes stehen.

PZ-Artikel von Christiane Berg, Rostock
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