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Zum Schutz der Verbraucher OTCnur in der Apotheke

15.06.1998  00:00 Uhr

-Politik

Govi-Verlag

Zum Schutz der Verbraucher OTC
nur in der Apotheke

Auf die Gefahren, die für Verbraucher mit dem Arzneimittelkauf per Internet verbunden sind, hat der Präsident des Zusammenschlusses der Apotheker in der Europäischen Union (ZAEU), Dr. Giacomo Leopardi, auf der Generalversammlung der Organisation jetzt in Rom hingewiesen. Der Verkauf von rezeptpflichtigen Präparaten ohne ärztliche Verordnung sei zwar in ganz Europa illegal, die Bestimmungen könnten aber in besorgniserregendem Maß per Internet umgangen werden. Auch die Risiken des Bezuges von OTC-Arzneimitteln via Internet dürften nicht unterschätzt werden, weil es hier zu keiner Beratung kommen könne.

Leopardi berichtete, daß auch die Ärzteschaft auf europäischer Ebene für die Sorgen der Apotheker sensibilisiert werden konnte. Schließlich könne der unkontrollierte Gebrauch von Arzneimitteln die erwünschte Wirkung von Medikamenten konterkarieren. Für OTC-Produkte müsse die Apotheke auch künftig der einzige Absatzkanal bleiben.

Der ZAEU-Präsident hob hervor, daß Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer den Kontakt zwischen Patienten und Apothekern als elementaren Bestandteil der Therapie ansieht. Da im Gegensatz dazu EU-Kommissar Martin Bangemann die Pharmazie als Hindernis für die freie Marktwirtschaft ansieht, sollten die Apotheker mit einer "Woche der Pharmazie" im Jahr 1999 ein Zeichen setzen. Das Plenum konnte dem Vorschlag ihres Präsidenten nicht folgen: die Zeit sei zu kurz, um öffentlichkeitswirksame Aktionen in ganz Europa zu organisieren. Mit schlecht geplanten Aktionen könnte die gute Botschaft verloren gehen.

Die vor einem Jahr gewählte Generalsekretärin der ZAEU, Lisette Tiddens-Engwirda, hat neben einer Reihe interner Informationen die Mitgliedsorganisationen befragt, welche Informationen und Daten der ZAEU in Kürze in das Internet eingestellt werden sollen. Die "Pharmaceutical Group of the European Union" ist unter "http://www.pgeu.org" zu finden.

Friese stellt ABDA-Konzept vor


"Das pharmazeutische Tun im Rahmen von Pharmaceutical Care hat für die Gesellschaft einen Nutzen. Das müssen wir der Politik vermitteln." Mit diesem Credo stellte ABDA-Präsident Hans-Günter Friese die 1993 formulierten ABDA-Thesen vor, die mehr als schöne Worte seien. Es handelt sich um Handlungsanweisungen und Forderungen an Politik und Gesellschaft. Die Gesellschaft erwarte zu Recht, daß sich die Apothekerschaft um arzneimittelbedingte Probleme kümmert.

Friese rechnet damit, daß im System zwei Milliarden DM gespart werden könnten, wenn man einen der Teil arzneimittelbedingten Krankenhauseinweisungen verhindere. Neben den tragenden Säulen des deutschen Apothekenwesens - Fremd- und Mehrbesitzverbot und Arzneimittelpreisverordnung - müsse sich die Standesvertretung für eine zeitgerechte Ausbildung einsetzen, Fort- und Weiterbildung propagieren und Qualitätssicherungssysteme erstellen. Es gelte, nicht am, sondern mit dem Arzneimittel zu sparen. Der Mehrwert, den der Bürger mit der Versorgung und Beratung durch Apotheken erhält, müsse klar herausgehoben werden. Denn "erst mit dem Apotheker wird das Arzneimittel zur Medizin", so Friese.

Wirtschaftlichkeit der öffentlichen Apotheken


Mit einem Symposium zur Wirtschaftlichkeit der öffentlichen Apotheken fand die Generalversammlung der ZAEU eine thematische und inhaltliche Abrundung. Generalsekretärin Lisette Tiddens-Engwirda begann mit einer Standortbestimmung der Apotheker in Europa, wobei sie auf nationale, kulturelle und wirtschaftliche Unterschiede in den europäischen Mitgliedsstaaten verwies. Allen Ländern gemein sei zwar die Ausrichtung des traditionellen Berufsstandes auf den Patienten und die Pharmazie, doch würden die neuen Herausforderung - das Internet zum Beispiel - keinesfalls vernachlässigt. Die jüngsten Äußerungen von EU-Kommissar Bangemann allerdings zeigten, "daß wir noch viel arbeiten müssen, um unseren Standpunkt klar zu machen".

Le Pen stellt das gesamte System in Frage


Professor Claude Le Pen, Universität Paris Dauphine und Mitarbeiter von EU-Kommissar Bangemann, stellte in seinem Vortrag das gesamte System der Arzneimittelversorgung inklusive Distribution in Frage. Eine Konvergenz der Herstellerabgabepreise in Europa wäre wünschenswert, und die einzelnen Arzneimittelvertriebswege sollten in Wettbewerb treten. Denkbar wäre auch, daß die Rolle der Apotheker auf zweitrangige, also OTC-Präparate beschränkt werde, wenn innovative, hochwirksame Medikamente zum Beispiel in Krankenhäusern abgegeben würden.

In jedem Falle würden die Apotheker von dem wachsenden Europa "nicht begünstigt", meint Le Pen. Dies wiederum ist in seinen Augen paradox, weil der Apotheker immer mehr vom Verbraucher gebraucht wird: als Protagonist der Gesundheitspflege. Schließlich, so räumt Le Pen in der Diskussion ein, habe sich das bestehende System - Apotheker als Distributeure - bewährt, man könne aber trotzdem mal andere Modelle gedanklich durchspielen. Kommentar aus der deutschen Delegation: "Das ist nichts als Diskutitis."

Ahlgrimm verteidigt das System


"Wir müssen klar machen, daß unsere Distribution effektiver und besser ist für den Verbraucher und für den Kranken nützlicher als die sogenannten modernen Kanäle", erklärte Professor Dr. Ernst-Dietrich Ahlgrimm, langjähriger Repräsentant der ABDA in Brüssel. Teilweise werde mit falschen Zahlen operiert, so auch beim Bangemannschen Frankfurter Round Table, wo man von einem Distributionsanteil von Großhandel und Apotheke von 40 Prozent sprach. Die Distributionsrate in Europa reicht jedoch von 22,7 Prozent in Schweden bis 36,9 Prozent in Spanien. Der Durchschnitt für alle Mitgliedstaaten errechnet sich auf 30,7 Prozent. Für diese 30,7 Prozent steht nach Ahlgrimms Worten dem Verbraucher Tag und Nacht das volle Sortiment der Arzneimittel zur Verfügung. Verzögerungen sind eine seltene Ausnahme.

PZ-Artikel von Gisela Stieve, Rom
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