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Klarstellungen von Gehe

16.06.1997
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Klarstellungen von Gehe

  "Als untaugliche Vorschläge zur Absenkung der Arzneimittelkosten" in Deutschland bewertete der Vorstandsvorsitzende der Gehe AG, Dieter Kämmerer, sowohl den Versandhandel für Arzneimittel, die verstärkte Abgabe von Importarzneimitteln als auch die Zulassung von Mehr- und Fremdbesitz für Apotheken am 11. Juni 1997 vor der Hauptversammlung seiner Gesellschaft in Stuttgart.

Diese von der GKV in der Kostenbegrenzungsdiskussion immer wieder hochgespielten Vorschläge würden sowohl die Apotheken als auch den Pharmagroßhandel tangieren. Daher ginge der Gehe Pharmahandel auch gegen die nicht zu Ende gedachten Konzepte in enger Abstimmung mit seinen Apothekenkunden vor. So etwa in der Vergangenheit bei den Parallelimporten, die trotz allen Pushens nach wie vor eine "unbedeutende Randerscheinung des Arzneimittelmarktes" bleiben.

Das Vorbild USA in Sachen Versandhandel liege schon deswegen schief, weil dort ganz andere Umfeldbedingungen vorherrschten und die Gesundheitsausgaben in Prozent des Bruttoinlandsprodukts die mit Abstand höchsten unter den Industrienationen seien. 1995 betrugen sie dort 14 Prozent, in Deutschland 9,5 und in Großbritannien 8 Prozent. In den USA gäbe es zudem keine Preisüberwachung im Arzneimittelmarkt durch gesetzgeberische oder administrative Maßnahmen. Die von den Arzneimittelversendern dort erzielten Einsparungen würden aufgrund von individuellen Preisverhandlungen mit den Herstellern und nicht aufgrund einer billigeren Form der Distribution erzielt. Die europäischen Systeme gäben dazu keinen Spielraum mehr her. Gründe der Arzneimittelsicherheit, des Gesundheitsschutzes sowie der Verschreibungs- und Apothekenpflicht hätten im übrigen die Europäische Union veranlaßt, in zwei bald in Kraft tretenden Richtlinien das Versandhandelsverbot für Arzneimittel durch Mitgliedsstaaten für zulässig zu erklären. Dies deute darauf hin, "daß das in fast allen EU-Staaten geltende Verbot für den Versandhandel mit Arzneimitteln auch weiterbestehen wird, was uns als Großhändler ebenso mit Genugtuung erfüllt wie unsere Kunden", sagte Kämmerer.

Zum Mehrbesitz von Apotheken: Ins Gerede gekommen ist Gehe in Apothekerkreisen jetzt vor allem wegen einer Satzungsänderung, die übrigens von den Aktionären mit großer Mehrheit beschlossen wurde. Danach ist Gegenstand des Unternehmens unter anderem "der Groß- und Einzelhandel mit Pharmazeutischen Erzeugnissen, Drogen, Chemikalien und allen Waren, die in Apotheken, Drogerien, Parfümerien und ähnlichen Geschäften verkauft werden..." Wie Kämmerer darlegte, bezog sich diese Satzungsänderung lediglich auf den Erwerb der Apothekenketten von AAH und Lloyds in Großbritannien. Gehe gäbe dem Apothekerstand in Deutschland auch unter wirtschaftlichem Aspekt volle Unterstützung bei der Verteidigung des Mehrbesitzverbots gegen Angriffe der GKV. Deren Behauptung, Apothekenketten würden für mehr Wettbewerb sorgen und zu einer Senkung der Distributionskosten führen, sei für ihn nicht nachvollziehbar. In den meisten europäischen Staaten sei Mehrbesitz gemäß dem nationalen Recht nicht erlaubt. Und nach den Erfahrungen Gehes in Großbritannien spare der National-Health-Service (NHS) keinen Pfennig Geld in Abhängigkeit davon, ob das Rezept von einem freien Apotheker oder in einer Kettenapotheke eingelöst wurde. Eine Übertragung des Systems auf Deutschland würde kostenmäßig "rein gar nichts bringen". Somit bestehe daran auch kein öffentliches Interesse.

Das Engagement der beiden größten Pharmagroßhändler in Großbritannien in Apotheken wertete Kämmerer als zunächst einen Akt der Selbstverteidigung und "mittlerweile auch als eine wirtschaftlich reizvolle Form der vertikalen Intetration". Dies werde von den rund 65 bis 70 Prozent der unabhängigen Betrieben der insgesamt rund 12000 Apotheken nicht nur akzeptiert, "sondern auch als eine angenehme Auffangposition" empfunden für den Fall, daß ein Unabhängiger seine Apotheke nicht mehr führen könne oder wolle.
Einen weiteren Bericht über die Hauptversammlung findne Sie im Ressort Wirtschaft und Handel.

PZ-Artikel von Erdmuthe Arnold, Stuttgart    

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