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Wozu braucht man Apotheker?

16.06.1997
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-Politik

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Wozu braucht man Apotheker?

  Einen Blick in die Zukunft des Berufsbildes des Apothekers warf Professor Dr. Hartmut Derendorf, University of Florida, in seinem Festvortrag und schickte voraus: Nur ein Beruf, der von der Gesellschaft benötigt wird, kann überleben.

Daß die Gesellschaft Apotheker braucht, steht für Derendorf außer Frage: Arzneimittel sind heute unverzichtbar in Diagnose, Therapie, Rehabilitation und Prävention. Der Patient darf aber mit dem Arzneimittel nicht allein gelassen werden, sondern muß begleitet werden, um einen maximalen Therapieerfolg sowie möglichst geringe Nebenwirkungen sicherzustellen. Diese pharmazeutische Betreuung sei daher eine Aufgabe, die für die Gesellschaft von großem Wert ist, und es ist der Apotheker, der mit seiner pharmazeutischen Kompetenz zu dieser Betreuung aufgerufen ist. Das habe die ABDA rechtzeitig erkannt und in ihrem ABDA-Konzept niedergeschrieben.

Teamwork nach innen und außen

Derendorf rief die Apotheker dazu auf, sich nicht als Einzelkämpfer zu begreifen. Die verschiedenen Gruppen im Gesundheitssystem müßten miteinander kommunizieren und sich gegenseitig kollegial unterstützen. So sollte zum Beispiel ein intensiver Kontakt zwischen dem Berufsstand und den Hochschulen gepflegt werden, um einerseits der Hochschule Anregungen für die Ausbildung zu geben und andererseits den Berufsstand über neue Forschungen und Entwicklungen auf dem laufenden zu halten. Auch sollten sich Offizin- und Krankenhausapotheker gegenseitig bereichern.

Entscheidender als Teamwork im Innern wird nach Derendorfs Auffassung für den pharmazeutisch betreuenden Apotheker die Zusammenarbeit mit den anderen Heilberufen sein. Dabei muß klar gemacht werden, daß Pharmaceutical Care keine Konkurrenz zur ärztlichen Versorgung, sondern eine Ergänzung ist.

Arzneimitteltherapie sei heute ein so komplexes Feld, daß viele Mediziner froh sind, einen kompetenten Fachmann zu Rate ziehen zu können. In den USA haben Apotheker und Ärzte gute Erfahrungen gemacht, indem in einem Krankenhaus mit 700 Betten 40 klinische Pharmazeuten arbeiten. Hier konnte die Gesamttherapie verbessert, die Liegedauer und Intensivstationsaufenthalte verkürzt und somit die Therapiekosten gesenkt werden.

Moderne Technologie nutzen

Der korrekte Umgang mit moderner Informationstechnologie ist absolute Voraussetzung für erfolgreiche Patientenbetreuung, sagte Derendorf. Es sei wichtig, daß der Apotheker diese Technologien so effektiv beherrscht wie früher Mörser und Pistill. Er könne die arzneimittelbetreffende Informationsflut zum Beispiel über das Internet bewerten und fachfremde Nutzer vor Schaden bewahren. Es sei abzusehen, daß ein Internetanschluß in Kürze so normal sein wird wie ein Telefon oder ein Fernseher. Deshalb müßten sich die Apotheker rechtzeitig darauf einstellen, daß die Informationstechnologie einen immensen Einfluß auf die pharmazeutische Praxis der Zukunft haben wird.

Demographische Entwicklung und Gentechnologie werden, so Derendorf, ebenso weitreichende Auswirkungen auf die Pharmazie und den Apothekerberuf haben. Die Geschwindigkeit dieser Veränderungen werde weiter zunehmen, so daß sich auch Konsequenzen für die universitäre Ausbildung ergeben.

Der Apotheker sorgt in Zusammenarbeit mit dem Arzt für die optimale Arzneimitteltherapie, übernimmt die pharmazeutische Betreuung des Patienten und senkt damit auch die Kosten. "Das genau ist der Nutzen des Apothekers für die Gesellschaft und die Grundlage des Berufs, der den Apotheker erfüllt", so Derendorf.

PZ-Artikel von Gisela Stieve, Petersberg bei Bonn
   

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