Pharmazeutische Zeitung online

PZ Nachrichten

16.06.1997  00:00 Uhr
PZ Pharmazeutische Zeitung   Govi-VerlagPZ +++ Nachrichten +++  

 


23.06. Jeder fünfte Laborant hat eine Allergie
Regelmäßiges Arbeiten mit Versuchstieren führt in einem von fünf Fällen zu einer Allergie. Das ist das Ergebnis einer niederländischen Studie. Wie die Landwirtschaftsuniversität Wageningen am Montag mitteilte, wurden für die Studie 540 Mitarbeiter von Hochschulen, Forschungsinstituten und pharmazeutischen Unternehmen befragt, die Tierversuche ausführten. Die meisten Laboranten arbeiteten mit Ratten. Von ihnen litt jeder fünfte unter HNO-Beschwerden, Hautausschlag oder Asthma. Die Allergien werden vor allem durch den Urin der Tiere ausgelöst. Sie sind am stärksten ausgeprägt, wenn die Käfige ausgemistet und saubergemacht werden.

23.06. AOK: Prämien für Kundenfang gewünscht
Auf einer von der AOK Hessen initiierten Informationsveranstaltung über Managed Care wurde der Wunsch laut, daß es für die Versicherten Prämien geben muß, um deren Kooperationsbereitschaft für Modellvorhaben der Krankenkassen zu wecken. Selbstverantwortung würde nur erreicht, wenn effizientes Verhalten belohnt und Verschwendung gesühnt wird. Bedauerlich sei, daß es bislang keine rechtlichen Möglichkeiten gibt, die Versicherten, die sich bei einen Versorgungsmodell einschreiben, durch Beitragsermäßigungen finanziell an den Einsparungen zu beteiligen. Das 2. NOG bringe insofern eine Öffnung, als danach Strukturverträge abgeschlossen werden können, die dem vom Versicherten gewählten Hausarzt oder vernetzten Praxen Verantwortung für die vertragsärztliche Versorgung übertragen. Dafür kann auch ein kombiniertes Budget vereinbart werden. Erfahrungen in den USA und in der Schweiz (Prämienrabatt von 10 bis 15 Prozent) zeigten, daß Prämien einen starken Anreiz zur Teilnahme an Modellvorhaben ausüben. Qualitative Vorteile allein oder später mögliche Erstattungen haben nach den Erfahrungen Stocks "keine annähernd so starke Wirkung". Die finanzielle Belohnung ist Element der Managed Care Organisationen, die in den USA und der Schweiz das Gesundheitswesen bei gleichem Niveau kostengünstiger gestalten sollen.

23.06. Karlsruhe entscheidet über Abtreibungsrecht
Über die bayerischen Sonderregelungen zum Abtreibungsrecht wird das Bundesverfassungsgericht am kommenden Dienstag eine Eilentscheidung verkünden. Das Gericht befindet über die Anträge zweier Ärzte, die sich auf Abtreibungen spezialisiert haben. Der Nürnberger Gynäkologe Andreas Freudemann und der Münchner Allgemeinmediziner Andreas Stapf sehen sich durch die Regelung vom Ruin bedroht. In ihrer Klinik werden derzeit mehr als die Hälfte der Schwangerschaftsabbrüche in Bayern vorgenommen. Sie wollen mit einer einstweiligen Anordnung die Regelung des bayerischen Sondergesetzes stoppen, wonach Ärzte vom 1. Juli 1997 an nur noch 25 Prozent ihres Einkommens aus Schwangerschaftsabbrüchen beziehen dürfen. Bis zum Beginn der Verhandlung in Karlsruhe hatten erst 14 Ärzte einen Antrag auf Genehmigung von Abbrüchen gestellt.

20.06 Kostenlose Spritzen für Drogensüchtige
Die kostenlose Ausgabe von Spritzen an Drogensüchtige senkt nach Erkenntnissen einer weltweiten Studie die Zahl der HIV-Infektionen. In Städten, die Drogenabhängige mit sauberen Spritzen versorgen, sei die Zahl der HIV-Neuinfektionen seit Mitte der 80er Jahre um durchschnittlich 5,8 Prozent zurückgegangen, schreibt das britische Medizinjournal Lancet in seiner Ausgabe vom 20. Juni. Demgegenüber sei die Zahl der Infektionen in Städten ohne solche Programme um durchschnittlich 5,9 Prozent gestiegen. Wissenschaftler der University of Melbourne haben Daten von 81 Städten in Europa, Asien und den USA ausgewertet. Die Programme hätten jedoch nicht nur auf direktem Wege, sondern auch mittelbar einer Ansteckung mit dem Aids-Erreger vorgebeugt: Oft würden Sozialarbeiter Desinfektionsmittel und Kondome verteilen, über Risiken aufklären und Drogentherapien vermitteln.

20.06. Befreiung von Zuzahlung ist möglich
Von den insgesamt 72 Millionen Versicherte der Gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland können sich nach Angaben des Apothekerverbandes Nordrhein 20 Millionen Menschen von der neuen Zuzahlungspflicht für Arzneimittel befreien lassen. Die meisten Betroffenen wüßten dies allerdings nicht und würden ab 1. Juli für Arzneimittel zu viel aus eigener Tasche zahlen, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Horst E. Nettesheim, am 19. Juni in Düsseldorf. Das neue Zuzahlungssystem sei zu kompliziert und insbesondere für ältere Menschen unverständlich. Nettesheim kritisierte, daß die Krankenkasse aus Eigennutz ihre Versicherten zu wenig über Härtefall- und Überforderungsklauseln aufklärten, um ihre Ausgaben niedrig zu halten. Um ein Informationschaos in den Apotheken zu verhindern, starten die 2 600 Apotheken des Apothekerverbandes ab sofort eine Informationskampagne, um die nach ihren Erfahrungen in hohem Maß frustrierten, verärgerten und enttäuschten Kunden aufzuklären. Mit Kundenkarten und Quittungsheften soll jeder Kunde den Überblick über die Höhe seiner Zuzahlungen behalten und gegebenfalls mit Beratung seines Apothekers eine Befreiung beantragen.

19.06. Ausschuß für Änderung des Apothekengesetz
Der Gesundheitsausschuß des Bundesrats hat heute den Vorschlag des Landes Berlin zur Änderung des Apothekengesetzes angenommen. Der Berliner Vorstoß zielt darauf ab, Krankenhausapotheken künftig die Versorgung von Patienten zu erlauben, die im Krankenhaus ambulant behandelt werden oder in angrenzenden Pflegeeinrichtungen versorgt werden. Der Vorschlag war von der ABDA heftig kritisiert worden. Die Apotheker befürchten, daß die Stellung der Apotheken allmählich untergraben werden soll. Der Bundesrat wird den Berliner Antrag am 4. Juli der Bundesregierung zur Stellungnahme vorlegen. Danach muß der Bundestag entscheiden.

18.06. BgVV fordert Grenzwert für Ochratoxin A
Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) setzt sich für die Festlegung von Höchstmengen des Mykotoxins Ochratoxin A in Lebensmitteln ein. Ochratoxin entsteht in Lebensmitteln, die von Schimmelpilzen befallen sind. Das Mykotoxin schädige beim Menschen die Nieren und sei im Tierversuch krebserregend, so das BgVV in einer Pressemitteilung. Es könne bei den meisten Deutschen im Blut nachgewiesen werden. Untersuchungen unter der Leitung des Bundesministeriums für Gesundheit hätten ergeben, daß die Substanz vor allem in Getreide, Getreideprodukten, Kaffee und Bier vorkomme. Im Sinne des Verbraucherschutzes hat das BgVV dem Gesundheitsminister empfohlen, sich für Höchstmengen auf EU-Ebene einzusetzen um dadurch Interventionswerte für die amtliche Lebensmittelüberwachung zu schaffen. Nach Berechnungen der Europäischen Union nehmen die Deutschen durchschnittlich 0,9 ng/kg KG Ochratoxin A pro Tag auf, Italiener sogar 4,6. Eine klare behördliche Stellungnahme zur tolerierbaren Höchstmenge fehle bislang, bedauert das BgVV. Nach Einschätzung des Wissenschaftlichen Lebensmittelausschusses der EU liege sie bei "einigen ng/kg Körpergewicht" pro Tag.

18.06. Arbeit des Roten Kreuzes wird schwieriger
Das Ende des Ost-West-Konflikts und die damit einhergehende politische Instabilität in vielen Staaten Afrikas, Lateinamerikas und Asiens hat die humanitäre Arbeit des Roten Kreuzes weltweit dramatisch erschwert. Darauf machten übereinstimmend Cornelio Sommaruga, Präsident des internationalen Komitees vom Roten Kreuz, und Professor Knut Ipsen, Chef des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) auf einem Symposion in Bonn aufmerksam. An die Stelle traditioneller Kriege zwischen souveränen Staaten träten immer mehr innerstaatliche Konflikte. Dazu alarmierende Zahlen des Völkerrechtlers Knut Ipsen: Von 1990 bis 1995 waren weltweit 70 Staaten in 93 Kriege verwickelt. Davon entsprachen jedoch nur 18 dem traditionellen Muster bewaffneter Konflikte zwischen souveränen Nationen. Die übrigen 75 Kampfhandlungen beruhten auf Bürgerkriegen und dem Zerfall innerstaatlicher Machtstrukturen. Zu der erschreckenden Bilanz gehören 5,5 Millionen Tote und rund vierzig Millionen Flüchtlinge.

17.06. Haschisch-Versuch: Kiel legt Widersruch ein
Noch in der laufenden Woche will die Landesregierung von Schleswig-Holstein Widerspruch gegen die Ablehnung des von ihr beantragten Haschisch-Modellversuch einlegen. Die Landesgesundheitsministerin Heide Moser warf dem Berliner Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte vor, es habe eine "schlampige Begründung" für die Ablehung des Modellversuchs abgegeben. Die CDU-Opposition nannte den Widerspruch eine "aberwitzige Entscheidung".

16.06. Kohl verteidigt Gesundheitsreform
Bundeskanzler Helmut Kohl hat die am vergangenen Donnerstag vom Bundestag verabschiedeten Neuordnungsgesetze als notwendig zur Sicherung des Sozialsystems verteidigt. Mit den notwendigen Veränderungen seien sicherlich auch Härten verbunden, sagte Kohl in Bad Wörishofen anläßlich des Kneipp-Jubiläums am Sonntag. Aber Regelungen für Härtefälle seien ausgebaut worden. Rund 20 Millionen Menschen seien deshalb von den neuen Zuzahlungen überhaupt nicht betroffen. Kohl betonte, der Sozialstaat müsse umgebaut werden, damit er auf Dauer erhalten bleiben könne. Es gehe dabei aber nicht um Abbau. Vielmehr würden ein Drittel es Sozialproduktes für soziale Zwecke ausgegeben. Der Anstieg dieser hohen Quote müsse gebremst werden, Sozialleistungen seien konsequenter als bisher für die wirklich Bedürftigen zu verwenden.

16.06. DAG will gegen NOGs klagen
Die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) will notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen, um Kranke vor höheren Zuzahlungen bei Beitragssatzanhebungen ihrer Krankenkasse zu schützen. DAG-Vorstandsmitglied Lutz Freitag kündigte am Samstag entsprechende Musterprozesse an. Die Koppelung von Beiträgen und Zuzahlungen sei eine "finanzielle Geiselnahme" der Patienten, sagte Freitag bei einer Tagung des nordrhein-westfälischen DAG-Landesverbandes in Castrop-Rauxel. Erhöhte Zuzahlungen und die Koppelung von Beiträgssatzanhebung und Selbstbeteilungsanhebung zerstören nach den Worten Freitags die solidarische Krankenversicherung. Als Folge der extrem erhöhten Zuzahlungen würden notwendige Arzneimittel und Zahnersatz faktisch aus dem Leistungskatalog der Kassen gestrichen.

16.06. Studie: Neurodermitis durch Candida albicans
Pilze im Darm spielen möglicherweise eine Rolle bei der Entstehung chronischer Hautkrankheiten wie der Neurodermitis. In einer Studie des Herborner Instituts für Mikroökologie fanden Forscher heraus, daß jeder zweite Neurodermitiker krankhafte Mengen des Hefepilzes Candida albicans im Darm hat. Geklärt ist möglicherweise auch, wie Pilze chronische Hautkrankheiten anschieben können. "Die dauernde Pilzbesiedelung der Darmschleimhaut reizt bestimmte Bestandteile des Immunsystems, so daß dann die körpereigene Abwehr überschießt und allergische Symptome beispielsweise auf der Haut sichtbar werden", erklärte der Biologe Uwe Peters am Wochenende auf den Eckernförder Therapietagen in Eckernförde.

13.06. Apotheken: Verbandkastenaktion gestartet
Fast jeder zweite Verbandkasten in deutschen Autos ist nicht mehr brauchbar oder nur noch eingeschränkt zu benutzen. Deshalb starteten die Polizei Nordrhein-Westfalen, der Allgemeine Deutsche Automobil Club (ADAC) sowie die Apothekerverbände Nordrhein und Westfalen-Lippe am 12. Juni auf der Autobahnraststätte Ohligser Heide an der A3 eine Aufklärungskampagne. Unter dem Motto "Im Ernstfall brauchbar?" können Autofahrer bis zum Ende der Sommerferienzeit ihre Verbandkästen in den circa 5000 Apotheken prüfen lassen. Die Verbandkästen können unentgeltlich in denjenigen Apotheken vorgeführt werden, die sich an der Aktion beteiligen. Die Schaufenster sind entsprechend plakatiert. Gegen eine Spende können fehlende oder beschädigte Verbandmittel in der Apotheke ausgetauscht werden. Der Erlös dieser Aktion geht der Deutschen Interessengemeinschaft für Verkehrsunfallopfer dignitas zu.
Selbstverständlich sind bundesweit alle Apotheken bereit, Autoverbandkästen zu prüfen. Das gilt natürlich auch für Hausverbandkästen und kleine Verbandtaschen für Fahrradfahrer.


13.06. Schäuble zu hälftigen Krankenkassenbeiträgen
Eine Abkehr von der heutigen hälftigen Finanzierung der Krankenkassenbeiträge durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer hat der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Schäuble, erneut ins Spiel gebracht. "Ich wehre mich dagegen, solche Überlegungen schon im Ansatz als Entsolidarisierung oder Schlimmeres abzustempeln", sagte Schäuble am Donnerstag vor dem CDU-Wirtschaftsrat in Bonn. Schäuble erinnerte daran, daß in den Beratungen zur Gesundheitsreform darüber nachgedacht worden war, die Arbeitgeberbeiträge zur Krankenkasse auf dem gegenwärtigen Stand einzufrieren, und die weitere Kostenentwicklung ausschließlich von den Arbeitnehmern tragen zu lassen. Ein nächster Schritt könne dann ein ausnahmslos vom Arbeitnehmer finanzierter Beitrag sein. Ähnliche Überlegungen im Rahmen der Gesundheitsreform waren vor einigen Monaten am Protest des Arbeitnehmerflügels der Union gescheitert.

13.06. Boehringer verkauft Basotherm
Das zum Unternehmensverband Boehringer Ingelheim gehörende Pharmaunternehmen Basotherm in Biberach wechselt den Eigentümer. Es gehört künftig zur Galderma Deutschland, Freiburg, einer Tochtergesellschaft der schweizerischen und französischen Konzerne Nestlé und L'Oreal. Der Vertrag sei am vergangenen Dienstag unterzeichnet worden, hieß es bei Basotherm am Donnerstag. Die rund 150 Mitarbeiter sollen übernommen werden. Dem Eigentümerwechsel muß noch das Bundeskartellamt zustimmen. Basotherm wurde 1960 gegründet und erzielte im Geschäftsjahr 1996 mit Medikamenten für Haut- und Augenkrankheiten einen Umsatz von über 60 Millionen DM.    

© 1997 GOVI-Verlag
E-Mail:
redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa