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Wenn das Auge trocken bleibt:das Sicca-Syndrom und seine Therapie

08.06.1998
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Govi-Verlag

Wenn das Auge trocken bleibt:
das Sicca-Syndrom und seine Therapie

Das trockene Auge (Keratokonjunktivitis sicca) ist ein häufiges, oft verkanntes diagnostisches und therapeutisches Problem in der Ophthalmologie. Die Erkrankung tritt in allen Altersgruppen auf, bevorzugt jedoch Frauen mittleren Alters. Die Pathogenese der Keratokonjunktivitis sicca ist nicht vollständig geklärt.

Als auslösende Ursachen kommen Umweltnoxen, hormonelle Einflüsse, (subklinische) Entzündungen der Tränendrüse und Bindehaut, Lidfehlstellungen und Lidrandentzündungen sowie die Einnahme verschiedener systemischer und lokaler Medikamente in Betracht. Die Liste der Medikamente, die zu verminderter Tränenproduktion führen, beinhaltet orale Kontrazeptiva, Betablocker (oral und lokal als Augentropfen), Psychopharmaka wie Benzodiazepine, Antidepressiva und Neuroleptika, Diuretika, Antihistaminika sowie adrenerge Augentropfen ("Weißmacher") und lokalanästhetische Ophthalmika. Trockene Augen treten nicht nur isoliert auf, sondern können auch verbunden mit Mundtrockenheit Bestandteil eines Syndroms (Sjôgren-Syndrom) beziehungsweise einer Autoimmunerkrankung (zum Beispiel primär chronische Polyarthritis) sein.

Symptome und Befund

Patienten klagen typischerweise über empfindliche, gerötete Augen und ein Fremdkörpergefühl. Paradoxerweise besteht häufig subjektiv ein "feuchtes Auge" mit vermehrtem Tränenfluß, der durch eine Reflextränenproduktion bei sehr trockenem Auge erklärbar ist. Der klinische Befund reicht von geringgradiger Bindehautreizung bis hin zur schwersten Keratokonjunktivitis filiformis mit fädchenartiger Abschilferung der Hornhautoberfläche, quälenden Schmerzen und Visusreduktion.

Diagnose und Therapie


Die Diagnose erfolgt beim Augenarzt durch eine gewissenhafte Spaltlampenuntersuchung mit Bindehaut- und Hornhautanfärbung, sowie durch weiterführende Tests zur Beurteilung der Menge und Qualität des Tränenfilms (Schirmertest und Tränenfilmaufreißzeit).

Zunächst müssen Grundleiden wie Lidfehlstellungen oder Lidrandentzündungen als Ursache des trockenen Auges behandelt werden. Auch adjuvante Störfaktoren wie Rauch oder Staub sollten beseitigt werden. Überaus wichtig ist außerdem die Überprüfung der Refraktion und des Binokularsehens, da sogenannte asthenopische Beschwerden (ausgelöst durch die falsche Brille oder eine unerkannte Schielstellung) sich negativ auf ein trockenes Auge auswirken können.

In der Therapie wurden in der Vergangenheit zwei Substanzen zur Anregung der Tränensekretion verwendet, Bromhexin und Eledoisin. Aufgrund widersprüchlicher Erfolge, Nebenwirkungen und einer nachlassenden Wirkung im zeitlichen Verlauf spielen diese Medikamente jedoch in der täglichen Praxis keine Rolle.

Die häufigste therapeutische Maßnahme beim trockenen Auge ist die Substitution mit Tränenersatzmitteln. Neben einer guten Verträglichkeit und einer hohen Oberflächenstabilität darf der Filmbildner nicht zu viskös sein, um die Sehschärfe nicht negativ zu beeinflussen. Zum Einsatz kommen halbsynthetische Zellulosederivate, Polyvinylalkohole, Polyvinylpyrrolidon, Polyakrylsäureabkömmlinge und Hyaluronsäure, die je nach Schweregrad der Sicca-Symptomatik und Patientenverträglichkeit rezeptiert werden.

Bei Patienten mit ausgeprägter Keratokonjunktivitis sicca bringen gelartige Tränenersatzmittel den Vorteil einer längeren Verweildauer im Auge. Bei häufiger Tropffrequenz sollte auf die Verordnung Konservierungsstoff-freier Präparate geachtet werden. Bringt die häufige Applikation künstlicher Tränen keine wesentliche Erleichterung für den Patienten, kann der Verschluß der abführenden Tränenwege durch kleine Kunststoffplomben ("punctum plugs") oder durch Koagulation erwogen werden.

Für die Zukunft steht möglicherweise mit der lokalen Cyclosporin-A-Therapie ein Medikament zur Verfügung, das bei schwerster Keratokonjunktivitis sicca vor allem im Rahmen einer Autoimmunerkrankung die subklinische Entzündung bekämpft und somit die entzündliche Zerstörung der Tränendrüse mit nachfolgender Sicca-Symptomatik verhindert.

PZ-Titelbeitrag von Elisabeth M. Messmer, München
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