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08.06.1998
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PZ +++ Nachrichten +++  09.06. Auch Diabetiker müssen zuzahlen
dpa. Die rund 800.000 Diabetiker in Deutschland, die regelmäßig Insulin spritzen, müssen sich auch in Zukunft an den Arzneikosten beteiligen. Das Kasseler Bundessozialgericht wies am Dienstag die Klage eines chronisch Zuckerkranken auf Befreiung von der Zuzahlung ab (Az.: B 1 KR 17/96 R). Sinn der Zuzahlung sei es, den Medikamentenverbrauch zu begrenzen. Diabetiker hätten aber gar keine Wahl. Sie brauchten die Medikamente in der verschriebenen Menge, um ihr Leben zu erhalten, meinte der Kläger. Deshalb müsse für sie eine Ausnahme geschaffen werden. Das Gericht folgte dieser Ansicht nicht. Eine Ausnahme nur für chronische Diabetiker sei schon wegen der Gleichbehandlung mit anderen schwer Kranken nicht zu rechtfertigen. Wenn man, was auch schon vorgeschlagen wurde, alle chronisch oder alle besonders schwer Kranken von der Zuzahlung ausschließe, werfe das mehr neue Probleme auf als es löse, meinte der Vorsitzende Richter. Denn darin stünden die Sozialträger vor der Frage, ab wann eine Krankheit schwer genug sei, um die Zuzahlung aufzuheben.

07.06. Schmall: Labor ist unverzichtbar
PZ. Der Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), Dr. Hartmut Schmall warnt seine Kollegen vor Überlegungen, das eigene Labor abzuschaffen. Der Bundesrat habe 1994 zwar einer Änderung der Betriebsordnung zugestimmt, und die Regierung aufgefordert, zu prüfen, inwieweit die Ordnung von Detailregelungen befreit und auf Rahmenvorgaben beschränkt werden könne. Nach Meinung Schmalls gebe es wohl einige Kolleginnen und Kollegen, die in diesem Zusammenhang an die Abschaffung des Labors denken. Das Labor müsse aber immer in Verbindung mit der Rezeptur gesehen werden, betonte Schmall in seiner Eröffnungsrede zum 36. Pharmakon am 7. Juni in Meran. Im Durchschnitt fertige eine Apotheke jährlich rund 1200 Rezepturen allein zu Lasten der GKV an. Die Abschaffung des Labors bedeute zwangsläufig, daß diese nicht mehr angefertigt werden dürften, da dann keine Prüfung der Ausgangsstoffe möglich sei. Selbst wenn die Ärzte auf die Rezeptur verzichteten, würde sich die Frage nach der Notwendigkeit eines Labors nicht von selbst lösen, sagte Schmall. "Wie erklären wir denn unseren Patienten, daß wir nicht 100g Brennessel- oder Kamillentee abfüllen dürfen?" Für den BAK-Präsidenten ist es fragwürdig, wie man seinen Kunden ausschließlich Fertigpräparate empfehlen kann, wenn diese preiswerter im Supermarkt zu haben sind. "Wir stellen uns ein schlechtes Zeugnis aus, wenn wir nicht unsere ureigenste Aufgabe, die Arzneimittelversorgung vollumfänglich wahrnehmen", sagte Schmall.

08.06. Roche nimmt Mibefradil vom Markt
PZ. Hoffmann-La Roche zieht freiwillig das Medikament Posicor® (Wirkstoff: Mibefradil) zur Behandlung von Bluthochdruck und Angina pectoris vom Markt zurück. Wie das Schweizer Unternehmen Roche in einer Presseerklärung mitteilt, stützt sich der Entscheid auf neue Erkenntnisse über mögliche Wechselwirkungen, einige davon ernsthaft, die bei gleichzeitiger Einnahme von Posicor mit einigen anderen Medikamenten auftreten können. Die Entscheidung fiel nach der Auswertung einer 3-Jahres-Studie zur Wirkung von Mibefradil bei chronischer Herzinsuffizienz. Diese Langzeitstudie habe insgesamt keinen signifikanten Unterschied zwischen der zusätzlichen Einnahme von Posicor und Placebo ergeben, gleichzeitig jedoch zusätzliche Informationen über Wechselwirkungen mit cholesterolsenkenden Mitteln gezeigt. Mit entsprechenden Hinweisen in der Produktinformation könne Wechselwirkungen zwar im allgemeinen begegnet werden. Im Fall von Mibefradil vertritt Roche jedoch die Ansicht, daß die erforderliche Produktinformation für die Umsetzung in der täglichen Praxis zu komplex wäre.

08.06. Mehr als 200.000 Krebstote pro Jahr
dpa. In Deutschland erkranken jährlich über 340.000 Menschen an Krebs und mehr als 210.000 sterben daran. Damit nehmen Tumorerkrankungen den Platz zwei in der Todesursachenstatistik der Bundesrepublik ein, hieß es am Montag in Berlin zum Auftakt des 23. Kongresses der Deutschen Krebsgesellschaft. Nur an Herz- und Kreislauferkrankungen stürben hierzulande mehr Menschen. Dennoch sei seit Beginn der 90er Jahre erstmals in diesem Jahrhundert ein Rückgang der Sterblichkeit an Krebs zu beobachten.

08.06. Fresenius übernimmt Infusionsgeschäft
vwd. Der Bad Homburger Pharma- und Medizintechnikhersteller Fresenius übernimmt das internationale Infusionsgeschäft vom schwedischen Konkurrenten Pharmacia&Upjohn. Nach der gerade erst vollzogenen Integration des US-Unternehmens National Medical Care in seine Dialyse-Sparte plant der Konzern damit eine deutliche Stärkung auch seines Pharma-Standbeins. "Durch die Übernahme verdoppelt Fresenius nahezu den Auslandsumsatz des Unternehmensbereichs", teilte die Fresenius AG am Montag mit. Das internationale Infusionsgeschäft von Pharmacia&Upjohn habe 1997 einen Umsatz von rund 540 Millionen DM erzielt. Die Schweden sehen sich als weltweite Marktführer für Infusionslösungen zur intravenösen Ernährung. Nach erfolgter Übernahme wird der Unternehmensbereich Fresenius AG in Fresenius Kabi umbenannt. Das deutsche Infufionsgeschäft von Pharmacia&Upjohn ist allerdings nicht Teil der Transaktion."

05.06. Regierung will Sozialsystem schützen
PZ. Nun soll Bundeskanzler Helmut Kohl auf dem nächsten Europäischen Gipfeltreffen dafür sorgen, daß das Sozialsystem in Deutschland nicht durch den Europäische Gerichtshof in Luxemburg ausgehebelt werden kann. Bis dahin sollen, trotz der entgegenstehenden Urteile des Gerichtshof über den möglichen freien Einkauf von Brillen und Zahnersatz in ganz Europa, der Versicherte weiterhin Gesundheitsleistungen auf Kosten der Krankenkassen nur in Deutschland einkaufen dürfen. Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer kündigte heute an, daß er eine nationale Arbeitsgruppe installieren will, in der alle Beteiligten des Gesundheitswesens vertreten sind. Die soll die möglichen und eventuell notwendigen Rechtsänderungen auf europäischer Ebene fachlich begleiten. Seehofer befürchtet, daß die gesamte Steuerungsmöglichkeit des deutschen Gesundheitswesens auf dem Spiel stehe, wenn auch nur ein spaltbreit die Tür der territorialen Leistungsgrenzen geöffnet würde. "Damit ist eine globale Gefährdung unseres Sozialleistungssystems vorhanden", argumentierte Seehofer. Bei einer solchen Gefährdung aber gelte nicht europäisches Recht.

05.06. Fortschritte bei Weichgewebekrebs
dpa. Bei der Diagnose und Behandlung der seltenen aber sehr gefährlichen Weichgewebe- und Knochentumoren hat die Medizin in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. "Was gutartig und was bösartig ist, können wir jetzt viel besser differenzieren und damit auch genauer operieren", sagte der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pathologie, Professor Dr. Detlef Katenkamp (Jena), am Freitag in Kassel bei der Jahrestagung der Gesellschaft. Bösartige Tumoren des Fettgewebes und Gefäßtumoren würden dank der genauerer Klassifikation inzwischen oft wesentlich zurückhaltender operiert, was dem Patienten Radikalschnitte erspare. Der Weichgewebekrebs im Fettgewebe der Muskulatur, den Nerven, Lympf- und Blutgefäßen gehöre aber weiter zu den besonders gefährlichen Krebsarten, weil er in der Regel keine Schmerzen verursache. Um so wichtiger sei es, daß bei auffallenden Schwellungen am Bauch oder Armen und Beinen der Hausarzt auch die recht seltene Diagnose Gewebekrebs in Betracht ziehe. Bei Knochenkrebs, der früher oft als unabwendbares Todesurteil galt, haben sich die Überlebenschancen wesentlich verbessert, betonte Professor Dr. Albert Roessner (Magdeburg). Dafür sei unter anderem die kombinierte Chemotherapie verantwortlich, bei der der Knochenkrebs mit Bestrahlungen schon vor der Operation verkleinert und stark attackiert werde. Der Anteil der Patienten, die fünf Jahre nach der Behandlung überleben sei so seit den späten 70er Jahren von damals zehn auf heute 60 bis 70 Prozent gewachsen.

05.06. Junge Ärzte sollen Alternativen nutzen
dpa. Angesichts einer steigenden Arbeitslosigkeit von Medizinern sollten angehende Ärzte verstärkt alternative Berufsmöglichkeiten in ihren Zukunftsplänen berücksichtigen. Dazu hat der Vorsitzende des Marburger Bundes, Frank Montgomery, den Ärztenachwuchs aufgefordert. Auf dem Kongreß "Zukunftschancen für junge Mediziner" am Freitag in Mannheim verwies der Vorsitzende der Interessenvertretung der angestellten Ärzte darauf, daß Anfang dieses Jahres 11.300 Mediziner arbeitslos gemeldet waren. Für die Jahrtausendwende rechnet Montgomery mit einer Ärztearbeitslosigkeit von bis zu 20 Prozent. Betroffen seien vor allem Berufsanfänger und Frauen. Um neue Stellen zu schaffen, müpten Über-stunden abgebaut, Arbeitszeitregelungen eingehalten sowie Jobsharing und Auslandstätigkeiten von Medizinern gefördert werden.

04.06. Erster großer Test mit Aids-Impfstoff
dpa. Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat den ersten großangelegten Test eines Impfstoffs gegen den Aidserreger HIV genehmigt. An der Studie sollen mehr als 5.000 gesunde Menschen in den USA und Kanada teilnehmen sowie weitere 2.500 Menschen in Thailand. Bereits in diesem Monat sollen in den USA vorwiegend Homosexuelle und nicht infizierte Partner von Aidskranken geimpft werden. Der Impfstoff Aidsvax wurde von der Firma Vaxgen Inc. in South San Francisco (Kalifornien) entwickelt, bestätigte die FDA am Donnerstag. Aidsvax wird aus einem Protein im äußeren Mantel (gp120) des Aids-Virus hergestellt. Der Impfstoff erwies sich in ersten Vorversuchen des Herstellers an 1.200 HIV-freien Menschen als sicher und produzierte bei 99 Prozent der geimpften Teilnehmer die erhofften Antikörper gegen das Virus. Dennoch haben etliche Experten Zweifel. "Es ist unwahrscheinlich, daß der Impfstoff komplett schützt", erklärte der Nobelpreisträger und Leiter des staatlichen Beraterkomitees für Aids-Vakzine, David Baltimore der "New York Times".

04.06. SPD für nationalen Diabates-Aktionsplan
PZ. Geht es nach dem Willen der Sozialdemokraten, so sollen Diabetiker künftig "spürbar" von den Zuzahlungen für Arznei- und Heilmittel entlastet werden. In einem Antrag fordert die SPD-Bundestagsfraktion einen "Nationalen Aktionsplan Diabetes", um Prophylaxe und Behandlung bei Zuckerkranken zu verbessern. Die Bundesregierung soll zu der Selbstverpflichtung aufgerufen werden, bis zum Jahr 2003 die Amputationen infolge von Diabetes um die Hälfte und die diabetesbedingten Fälle von Erblindung und Nierenversagen um jeweils ein Drittel zu reduzieren. Bis zum Beginn des nächsten Jahres müsse dem Parlament ein flächendeckender qualitätsgesicherter Versorgungsplan vorliegen. Neben der Entlastung von Zuzahlungen wird in dem Antrag auch eine professionelle Schulung für alle Zuckerkranken gefordert. Darüber hinaus wollen die Sozialdemokraten mit ihrer Initiative erreichen, daß eine Dokumentationspflicht eingeführt wird, um eine externe Qualitätssicherung der Versorgung zu ermöglichen.

04.06. WHO senkt Grenzwert für Dioxin
dpa. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat nach neuen Dioxin-Studien den Grenzwert für das Gift deutlich heruntergesetzt. Experten einigten sich bei einer WHO-Konferenz in Genf darauf, die Sicherheitsgrenze für die tägliche Höchstbelastung des Menschen mit dem sogenannten Seveso-Gift von zehn auf ein bis vier Piktogramm pro Kilogramm Körpergewicht herabzusetzen. Ein Pikogramm ist ein Billionstel Gramm. Dioxin fällt unter anderem als Nebenprodukt bei industriellen Prozessen wie Müllverbrennung an und wird als eines der gefährlichsten Gifte überhaupt angesehen. In Frankreich waren im Februar drei Müllverbrennungsanlagen geschlossen worden, weil in der Umgebung gefährlich hohe Dioxinwerte in der Milch entdeckt wurden. Besonders in Industrieländern kann aufgrund einer höheren Dioxin-Grundbelastung nach Auffassung der WHO-Experten auch schon eine geringere zusätzliche Menge des Giftes zu einer Gesundheitsgefährdung führen. Wie neuere Untersuchungen über Dioxin-Belastung in der Muttermilch ergaben, haben Maßnahmen zur Senkung der Dioxin-Belastung in mehreren Staaten bereits zu einer starken Reduzierung geführt.

04.06. Behörde unterstützt Schulen für Heilberufe
dpa. Zur Schaffung neuer Ausbildungsplätze in Heil- und Pflegeberufen fördert das Regierungspräsidium Darmstadt neun entsprechende Fachschulen in Süd- und Mittelhessen mit 1,25 Millionen Mark. Wie die Behörde am Mittwoch mitteilte, kommt davon rund ein Viertel der Lehranstalt für pharmazeutisch-technische Assistenten, dem Collegium Pharmazeutikum in Frankfurt zugute. 308.000 Mark erhalte die Lehranstalt für pharmazeutisch-technische Assistenten an der Martin-Behaim-Schule in Darmstadt und 129.000 Mark das DGB-Berufbildungswerk in Gießen. Die Ausbildung von Masseuren unterstützt die Behörde mit einem Zuschup in Höhe von 112.000 Mark zugunsten der Lehranstalt für Massage an den Städtischen Kliniken Frankfurt, die Ausbildung von medizinisch-technischen Assistenten mit 87.500 Mark zugunsten der Lobe-Schule in Wiesbaden. Weitere Zuschüsse flossen an Fachschulen in Frankfurt Darmstadt, Idstein und Mühltal (Kreis Darmstadt-Dieburg). Mit den Geldern werde die Ausbildung von 318 jungen Menschen gefördert betonte die Behörde.

03.06. Raucher hören schlechter
dpa. Eine US-Studie bestätigt, daß Rauchen den altersbedingten Hörverlust verstärkt. Bei einem Vergleich von 3.753 Bewohnern der Kleinstadt Beaver Dam (US-Staat Wisconsin) fanden Forscher bei Rauchern 70 Prozent häufiger Probleme mit dem Gehör als bei Nichtrauchern. Die Teilnehmer der Studie waren 48 bis 92 Jahre alt. Nach einem Bericht im Journal der amerikanischen Ärztegesellschaft (JAMA Bd. 279, Nr. 21, 5. 1715) vom Mittwoch stieg der Hörverlust mit der Anzahl gerauchter Zigaretten. Selbst die Familienangehörigen von starken Rauchers hörten schlechter als die von Nichtrauchern. Das Team um Karen Cruickshanks von der Universität von Wisconsin in Madison läßt in seinem Bericht jedoch offen, welche Faktoren des Rauchens den Hörverlust bedingen. Es sei möglich, daß sich die Oxidationsstoffe im Zigarettenrauch schädigend auf das Gehör auswirken. Eine andere Erklärung wäre, daß der Rauch die Blutzufuhr zu den Gehörnerven beeinträchtige.Top

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