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Motivation

08.06.1998
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-Editorial

Govi-Verlag

Motivation

von Gisela Stieve
Stellvertretende Chefredakteurin

Man muß den Kassenvertretern gut zuhören. Einerseits halten sie zumindest einen Teil der öffentlichen Apotheken für überflüssig, andererseits wollen sie sich pharmazeutischen Sachverstand einkaufen, weil auch die Kassen nicht auf das Wissen der Arzneimittelfachleute verzichten können.

Die Kassen haben ihr Selbstverständnis erweitert. Sie sehen sich nicht mehr nur als Beitragsverwalter, sondern wollen mit Rat und Tat, mit Know-how und Netzstrukturen in den Gesundheitsbetrieb eingreifen. Sie verstehen sich demzufolge nicht mehr nur als Institution, die im Krankheitsfall für Betroffene da ist, sondern als Interessenvertreter aller Versicherten, auch der Gesunden. Das jedenfalls erklärte Gerhard Schulte, BKK Bayern, bei einer Podiumsdiskussion in Heidelberg.

Die Besucher des Gesundheitspolitischen Forums - überwiegend Apotheker - konnten weiter vernehmen, daß Beratungsapotheker gegenüber den öffentlichen Apotheken die bessere Chance haben werden, in Praxisnetze intergriert zu werden. Indem die Kassen pharmazeutische Leistung einkaufen, werden sie die öffentlichen Apotheken nicht abschaffen können, weil sonst ein logistisches Loch entsteht.

Mit der Anstellung ändert sich meist auch die Motivation der Berufsausübung. Ein Beratungsapotheker der Kassen ist in erster Linie Mitarbeiter einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, der dem Glaubensgrundsatz der Wirtschaftlichkeit und somit seit dem Gesundheitsstrukturgesetz erheblichem Druck ausgesetzt ist. Deshalb lautet das Glaubensbekenntnis: Jede Kassenleistung muß bedarfsgerecht, von hochwertiger Qualität und wirtschaftlich sein.

Der Kassenapotheker will und muß für sein Unternehmen im Sinne der Beitragssatzstabilität wirtschaftlich arbeiten. Nicht, daß er die Qualität der Versorgung aus dem Auge verlieren würde. Sie tritt aber an die zweite Stelle zurück. Und das ist der Unterschied zum öffentlichen Apotheker, der als Freiberufler unabhängig entscheiden und handeln kann. Er fühlt sich in erster Linie dem Patienten und der Versorgungsqualität verbunden. Er will den Arzt beraten, damit er nicht angstgesteuert verordnet. Deshalb lehnen Apotheker Einkaufsmodelle strikt ab. Sie gefährden die Qualität der Arzneimittelversorgung und den freien Beruf des Apothekers.

Die freien Apotheker sollten deshalb den Krankenkassen in Sachen Arzneimittelinformation nicht zu viel Spielraum lassen und die Sache selbst in die Hand nehmen. In Münster zum Beispiel hat gerade eine erste Informationsveranstaltung "Die individuelle Verordnungsanalyse unter dem Aspekt der qualitativ hochwertigen und wirtschaftlichen Arzneimitteltherapie" mit 120 Apothekern stattgefunden. Qualität muß immer die Motivation pharmazeutischen Handelns sein. Top

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