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ZAEU wählt in Bordeaux neue Generalsekretärin

09.06.1997
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-Politik

  Govi-Verlag

ZAEU wählt in Bordeaux neue Generalsekretärin

  Mit 12 von 15 Stimmen hat die Generalversammlung des Zusammenschlusses der Apotheker der Europäischen Union (ZAEU) von drei Bewerbern Dr. Lisette Tiddens-Engwirda am 2. Juni in Bordeaux zu ihrer neuen Generalsekretärin gewählt. Sie wird ihr Amt am 1. Januar 1998 mit Sitz in Brüssel antreten. Als weiteres Beobachtungsland hat die ZAEU, der 15 Mitgliedstaaten angehören, die Slowakei begrüßt.

Der amtierende Generalsekretär Paul Baetens hat das Amt, seit 1989 inne und stellte sich nicht wieder zur Wahl. Er wird bis Mitte 1998 im Amt sein, um einen kontinuierlichen Übergang der Amtsgeschäfte sicherzustellen. Mit Lisette Tiddens-Engwirda, die unter anderem bisher als politische Beraterin des holländischen Apothekerverbands gearbeitet hat, übernimmt erstmals eine Nicht-Apothekerin diese Aufgabe. Sie tritt dafür ein, daß der Apotheker als qualifizierter Beruf auch im nächsten Millenium seinen Platz im System der gesundheitlichen Versorgung hat und respektiert wird. Dies könne dem Berufsstand mit pharmazeutischer Kompetenz allein nicht gelingen, sagte die professionelle Lobbyistin im Gespräch mit der PZ.

Europaweit steuere der Apothekerberuf in eine Schlechtwetterlage. Mit Professionalität, Engagement, Koordination und Kommunikation könne ein Schiffbruch verhindert werden, so die Überzeugung der designierten Generalsekretärin. Wie aus den Reihen einzelner Delegationen zu hören war, verbindet man mit der neuen Generalsekretärin die Hoffnung, daß die Rolle des Apothekers als pharmazeutischem Fachmann mit ökonomischer Verantwortung den gesellschaftlichen Veränderungen entsprechend mehr in das öffentliche Bewußtsein getragen wird. Auch das Groupement müsse sich in eine Zukunftsperspektive im Übergang zum Jahr 2000 einordnen.

Selbstmedikation

Die Generalversammlung der ZAEU hat über eine erste gemeinsame Stellungnahme von Apothekern, Ärzten und der Industrie zum Thema Selbstmedikation diskutiert. Das Exekutivkomitee erhielt den Auftrag, mit den beteiligten Verbänden über erneute Änderungsvorschläge, mit denen der Apotheker weiter in den Vordergrund gestellt werden soll, im Gespräch zu bleiben. Einig war man sich in der Einschätzung, daß der Gebrauch nicht verschreibungspflichtiger Arzneimittel als bedeutender Teil der Gesundheitsversorgung angesehen werden muß. Dies entspreche dem Wunsch jedes einzelnen, wieder mehr Verantwortung zu übernehmen. Bei richtiger Anwendung könne Selbstmedikation auch Kosten im nationalen Gesundheitssystem einsparen. Der Patient könne aber auf die Beratung und pharmazeutische Begleitung durch den Apotheker nicht verzichten. Unstrittig ist, daß der Hausarzt hinzugezogen werden muß, wenn zum Beispiel die Symptome unverändert bestehen bleiben, wenn sich der Zustand des Patienten verschlechtert, wenn Schmerzen auftreten oder wenn der Patient ein oder mehrere Medikamente ohne Erfolg angewendet hat.

Philippe Brunet, Mitarbeiter der zuständigen Generaldirektion, wies in einer Stellungnahme darauf hin, daß beim Internet derzeit keine Regelungen ergriffen werden können. Dinge, die sich in Entwicklung befinden, könnten erst reglementiert werden, wenn sie sich stabilisiert hätten und Fehler offenbar werden. Er zeigte sich grundsätzlich bereit, mit dem ZAEU in der Frage des Versandhandelsverbots zusammenzuarbeiten.

Symposium zur Biotechnologie

Der diesjährigen Generalversammlung folgte ein wissenschaftliches Fortbildungssymposium zur Biotechnologie sowie Forschung, Entwicklung und Ökonomie innovativer Arzneimittel, weil es nach Aussagen von ZAEU-Präsident Gérard Lupus wichtig ist zu wissen, welche Entwicklung die Wissenschaft genommen hat. Zur Gesetzgebung der biotechnologischen Erzeugnisse gab Dr. Philippe Brunet einen Überblick. Rechtliche und ethische Probleme beleuchtete Professor Dr. Marie-Danielle Campion von der Universität Lille 2.

Professor Dr. Kamal Sabra, Universität von Dublin, berichtete über ein Experiment des irischen Apothekerverbandes über die Abgabe von gentechnischen Produkten. In den meisten europäischen Ländern werden nach seiner Darstellung diese Produkte über die Krankenhäuser abgegeben. Aus verschiedenen Gründen werden die Patienten aber immer früher entlassen, so daß sich dann eine Versorgungslücke auftun könnte. Ein Krankenhausaufenthalt dauert, so Sabra, durchschnittlich noch sieben bis acht Tage. Hinzu kommt, daß die Bettenzahl gesunken ist. Da viele Personen nach einem Eingriff ambulant noch weiterbehandelt werden, werden sie in dem irischen Modellversuch in ihrer speziellen Therapie von einem Apotheker begleitet, was vor allem bei den Patienten auf positive Resonanz stößt. In einer Zeit, in der die Apotheker bereit sind, mehr Verantwortung zu übernehmen, wäre es unverantwortlich, Apotheken schließen zu müssen. "Gerade im Bereich der gentechnischen Arzneimittel gibt es immer mehr Patienten, die zu Hause behandelt werden, und hier braucht man den Apotheker", so Sabra.

PZ-Artikel von Gisela Stieve, Bordeaux
   

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