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GKV-Defizite bei staganierenden Leistungsausgaben

09.06.1997  00:00 Uhr

-Politik

  Govi-Verlag

GKV-Defizite bei staganierenden Leistungsausgaben

  Die gesetzliche Krankenversicherung mußte nach neuesten Berechnungen des Bundesgesundheitsministeriums trotz stagnierender Leistungsausgaben im ersten Quartal dieses Jahres ein Defizit von rund 2,5 Milliarden DM hinnehmen. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen alten und neuen Ländern: Im Westen reduzierten sich die Leistungsausgaben der GKV zwischen Januar und März um 0,2 Prozent. Im Osten wandten die Krankenkassen dagegen 0,7 Prozent mehr auf.

Die Ausgaben der Krankenkassen für die Arzneimittelversorgung reduzierten sich zwischen Januar und März gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres bundesweit um 0,6 Prozent je Mitglied. In Westdeutschland stagnierten sie nahezu, mit einem Plus von 0,1 Prozent. Zwischen Elbe und Oder wurden für Medikamente sogar 3,6 Prozent weniger ausgegeben. Für ambulante ärztliche Behandlung gaben die Kassen im Bundesdurchschnitt gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres je Mitglied 0,9 Prozent mehr aus. Einem Plus von 1, 1 Prozent im Westen steht in diesem Leistungsbereich ein Minus von 0,8 Prozent in den neuen Ländern gegenüber.

Stärker als die Einnahmen der Kassen stiegen mit einem Plus von 3,8 Prozent die Ausgaben im stationären Sektor. Dabei fiel die Zuwachsrate mit 7,7 Prozent zwischen Elbe und Oder deutlich höher aus als im übrigen Bundesgebiet. Ein kräftiger "Vorzieheffekt" im Hinblick auf die dritte Stufe der Gesundheitsreform macht sich bei der Ausgabenentwicklung für Zahnersatz bemerkbar. Hier liegt die Zuwachsrate bei 11,9 Prozent im Westen und sogar 24,9 Prozent im Osten.

Mit einem bundesweiten Minus von 41,2 Prozent reduzierten sich die Ausgaben aller Krankenkassen für Gesundheitsförderung drastisch. Auch die Verwaltungskosten gingen um 2,7 Prozent zurück. Die beitragspflichtigen Einnahmen der GKV entwickelten sich unter dem Eindruck der Rezession nur mäßig: In den alten Ländern stiegen sie im ersten Quartal um ein Prozent, in den neuen Ländern waren es sogar nur bescheidene 0,4 Prozent.

Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer zeigte sich bei Bekanntgabe der Zahlen von der Notwendigkeit der dritten Stufe der Gesundheitsreform überzeugt. Die beiden Neuordnungsgesetze für die gesetzliche Krankenversicherung würden nach ihrem Inkrafttreten weitestgehend reibungslos umgesetzt werden. Der CSU-Politiker unterstrich ausdrücklich seine Bereitschaft, der Krankenkassenselbstverwaltung im Rahmen des geltenden Rechts allen notwendigen Handlungsspielraum zu lassen.

Er sei entschlossen, so der Ressortchef, den GKV-Leistungskatalog nicht weiter einzugrenzen. Weitere Sparmaßnahmen gefährdeten die notwendige medizinische Versorgung zum Nachteil der Versicherten. Horst Seehofer: "Nach zusätzlichen Sparmaßnahmen ist diese Krankenversicherung nicht mehr solidarisch." Er sei deshalb zu abermaligen Eingriffen nicht mehr bereit. Eine vierte Stufe der Gesundheitsreform stehe in diesem Jahrtausend nicht mehr zur Diskussion.

PZ-Artikel von Jürgen Becker, Bonn
   

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