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Welche Zahnpaste für empfindliche Zähne?

09.06.1997
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-Medizin

  Govi-Verlag

Welche Zahnpaste für empfindliche Zähne?

  Fürs tägliche Zähneputzen eine Natriumfluorid-Zahncreme verwenden? Oder doch lieber das Aminfluorid-haltige Pendant wählen? Bei der Beantwortung der Frage könnte das Ergebnis folgender Studie von Bedeutung sein: Die Überempfindlichkeit von Zahnhälsen auf Kälte- und Wärmereize wird durch den Gebrauch einer Aminfluorid(AmF)-haltigen Zahnpaste stärker reduziert als durch eine Natriumfluorid(NaF)-haltige Variante. Diese Aussage trifft um so mehr zu, je niedriger der pH-Wert (bis auf 4,5) der AmF-Paste ist. Nach Absetzen der Zahncremes nimmt die Empfindlichkeit auf Kälte- und Wärmereize wieder zu, sie bleibt jedoch geringer bei der AmF-Paste gegenüber dem Ausgangsbefund und gegenüber der NaF-Paste.

Dies ergab eine Doppelblindstudie mit 100 Patienten, die an der Klinik für Parodontologie der Universität Nijmegen/Niederlande von Professor Dr. Heinz Renggli betreut wurde. Die Patienten hatten jeweils mindestens vier hypersensible Zähne. Der Schmerzcharakter auf Kalt- und Warmstimuli wurde mit speziellen Methoden objektiviert. Eine Parodontalsonde erzeugte 15 °C kalte Reize, für die Wärmereize wurde die Luftdüse auf 40 °C erwärmt. Die Messungen erfolgten vor Behandlungsbeginn, während des Gebrauchs der Pasten nach zwei, vier und sechs Wochen sowie sechs Wochen nach Absetzen der Pasten.

Der Versuch gliederte sich in zwei Teile. Zunächst erfolgte der Vergleich zwischen der AmF- und der NaF-Paste. Dann wurden AmF-Pasten mit pH-Werten von 4,5 und 5,0 mit der NaF-Paste verglichen. Gleichzeitig mit der Zahnpaste erhielten alle Patienten eine neue, weiche Zahnbürste derselben Marke. Frühere Pasten und Bürsten wurden eingefordert. Diese kamen erst nach der sechswöchigen Testperiode wieder zum Einsatz.

Zum ersten Teilversuch: Bereits nach zwei Wochen zweimal täglichen Zähnebürstens zeichnete sich der positive Effekt der AmF-Paste ab. Nach sechs Wochen war bei den mit AmF behandelten Patienten die Empfindlichkeit auf Kältereize um 60 Prozent (von ursprünglich 4,8 Zähnen auf 1,9), in der NaF-Gruppe jedoch nur um 31 Prozent (von vormals 4,5 Zähnen auf 3,3) reduziert. Beide Pasten konnten die überempfindliche Reaktion auf Wärmereize weniger deutlich beeinflussen. Die NaF-Paste brachte gar keinen signifikanten Erfolg, und bei der AmF-Paste sprachen noch 2,6 von den vormals 4,7 Zähnen übermäßig auf Wärmereize an. Noch sechs Wochen nach Testende reagierten die AmF-behandelten Zahnhälse erheblich weniger schmerzempfindlich auf Temperaturschwankungen.

Zum zweiten Teilversuch: AmF-Pasten mit pH-Werten von 4,5 und 5,0 brachten im Vergleich zur NaF-Variante eine signifikante Abnahme der Schmerzreaktion. Dabei sprachen mehr Zähne an, wenn die ph-niedrigere Paste verwendet wurde. Der leicht saure pH-Wert ist nach den Vermutungen des Studienleiters Renggli auch der Grund dafür, warum Aminfluorid dem Natriumfluorid überlegen ist.

Jeder fünfte Erwachsene bekommt beim Essen seine überempfindlichen Zahnhälse zu spüren. Entzündliche und nichtentzündliche parodontale Destruktionsprozesse, aber auch der falsche oder zu häufige Gebrauch von Zahnbürsten können gingivale Rezessionen mit freiliegenden Zahnhälsen bewirken. Die Empfindlichkeit des freigelegten Dentins (Zahnbein, das das Zahnmark umschließt) beruht auf der Reizweiterleitung in den Dentinkanälchen. Diese haben direkten Kontakt zum Zahnmark, deshalb die Schmerzen.

In der Einleitung der Originalarbeit heißt es, daß zur Behandlung überempfindlicher Zahnhälse alle möglichen Substanzen auf Tauglichkeit geprüft werden: Corticoide, Ionophorese oder chemische Mittel wie Fluoride, Strontiumchlorid, Calciumhydroxid, Formaldehyd, Nitrate, Oxalate oder Lacke. Weiter heißt es: Wegen häufig unkontrollierter Studien, dürfe ihre Effektivität weitgehend angezweifelt werden.

Renggli erklärt sich die Wirksamkeit der AmF-Pasten folgendermaßen: Fluorid diffundiert in die offenen Dentintubuli, liegt dort entweder als Fluorid-Ion vor oder - was Renggli für wahrscheinlicher hält - es wird dort als CaF2-Präzipitat gebunden. Auf der Wurzeloberfläche bildet sich so eine Deckschicht aus Calciumfluorid aus. Die regelmäßige Zufuhr von Aminfluorid könne deshalb das Lumen der Dentinkanälchen verengen und die Schmerzempfindlichkeit reduzieren. Um die aufgebaute Schutzschicht beim Zähneputzen nicht zu zerstören, ist es deshalb wichtig, eine weiche Zahnbürste zu verwenden.

Artikel von der PZ-Redaktion
       

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