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Wissen und bewerten

09.06.1997
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-Editorial

  Govi-Verlag

Wissen und bewerten

  von Brigitte M. Gensthaler
PZ-Redakteurin

Zwei markante Zitate aus den ersten Stunden des Meraner Kongresses: „Nati sumus ad mutuam communicationem sermonis." Und: "Wir müssen in die Köpfe investieren, nicht in Beton." Beide stammen nicht von Apothekern und treffen doch den Nerv des heutigen apothekerlichen Lebens. Über 700 Apotheker haben in Meran die Botschaft gehört und haben mit dieser Fortbildungswoche „in die Köpfe investiert", wie es der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, Dr. Klaus Hänsch, zur Zukunftssicherung Europas forderte. Mit seinem Vortrag wies er über die Jahrtausendgrenze hinaus.

Für die Apotheker könnte seine Forderung überlebenswichtig werden. Denn es ist dringender denn je, daß sie durch Wissen und pharmazeutische Leistung und auch, aber nicht nur durch wirtschaftliche Cleverness ihren Platz im Gesundheitswesen behaupten. Die Gefahren, die den Apothekern von innen und außen drohen, sind groß. Die Diskussionen über das richtige berufspolitische Handeln nehmen breiten Raum ein, doch sie sollten die Fortbildung nicht an den Rand drängen. Die akademisch geprägte Pharmazie ist kein zierendes Aushängeschild, sondern die Basis des Berufs.

Was können Apotheker besser als alle anderen Berufsgruppen? Eines vielleicht: Informationen rund um das Arzneimittel einordnen und bewerten und diese Einschätzung Ärzten, Mitarbeitern, Patienten und Kunden vermitteln. Dann wird die Apotheke zum Ort gelebter Arzneimittelsicherheit, wie es BAK-Präsident Dr. Hartmut Schmall vor Journalisten formulierte. Dazu ist es nötig, Konzepte, Fakten und Wissen in die Tat umzusetzen, auch wenn dies neben dem ganz normalen Arbeitsalltag ziemlich viel Aufwand bereitet.

Der Meraner Kongreß bot etliche Ansätze, ging es doch mehrfach expressis verbis um die Bewertung: seien es Phytopharmaka oder orale Kontrazeptiva der dritten Generation, neue Arzneistoffe oder moderne Arzneiformen, das Gesundheitsrisiko des Passivrauchers oder das Risiko, sich durch Arzneimittel mit BSE zu infizieren. Auch wenn manche Themen den Offizinapotheker nur am Rande berühren, so bilden viele doch Mosaiksteinchen im Bild des Heilberuflers. Jeder Kollege mag für sich Schwerpunkte setzen.

Und das erste Zitat? Fast 500 Jahre alt, könnte man es heute nicht treffender erfinden. Professor Dr. Thorsten Beyrich, Moderator der ersten Kongreßhälfte, zitierte Philipp Melanchthon, den Humanisten und Mitstreiter Luthers, der in diesem Jahr 500 Jahre alt geworden wäre. Nati sumus ad mutuam communicationem sermonis - Wir sind zum wechselseitigen Gespräch bestimmt, sagte er damals sicher nicht zu Ärzten und Apothekern. Doch sein Wort paßt wie maßgeschneidert auf die heutige Situation im Gesundheitswesen. Schließlich liegt im Gespräch eine Hauptaufgabe der Heilberufe, denen Gesundheit und Wohlergehen der Menschen in besonderem Maße anvertraut sind.

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