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Wirtschaft & Handel

02.06.1997  00:00 Uhr

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  Govi-Verlag

Roche-Holding im Besitz aller Corange-Aktien

  "...für die Mitarbeiter ist die Zitterpartie vorüber und die Stellung sowie Kompetenz des traditionsreichen Mannheimer Unternehmens innerhalb der Gruppen-Hierarchie wieder hergestellt". So leitete die PZ ihren Bericht über das erstmals von Boehringer Mannheim selbst präsentierte Jahresergebnis der Corange-Gruppe für das Jahr 1994 ein (PZ 25/95, Seite 62). Für das Jahr 1995 und 1996 gab es bislang keine Zahlen. Heute bangt die Belegschaft von Boehringer Mannheim erneut um ihre Zukunft.

Ob diese Sorge berechtigt ist, muß sich erst noch zeigen. Tatsächlich ist die optimistisch 1995 in Mannheim präsentierte Zukunftsentwicklung nicht machbar gewesen, wie der Konzernchef Curt Engelhorn dieser Tage gegenüber der Belegschaft dargelegt hat. Seine Nachfolge war nicht gesichert.

Keine Wirtschaftsnachricht machte vergangene Woche mehr Schlagzeilen als die geplante Übernahme von Boehringer Mannheim und dem US-Orthopädie-Hersteller De-Puy. Sie bilden die Corange-Gruppe in Hamilton/Bermudas, und deren Aktien sind von der Roche Holding zum stolzen Preis von 11 Milliarden Dollar aufgekauft worden. Kein Sterbenswörtchen war im Vorfeld der Verhandlungen durchgesickert. Die Genehmigung der zuständigen Behörden steht noch aus, und Insider sagen, sie werde auch noch auf sich warten lassen.

Roche ist gemäß eigenen Angaben am 24. Mai 1997 mit den Eigentümern von Corange übereingekommen, alle Aktien dieser Holdingsgesellschaft zu übernehmen, die "vollumfänglich die Diagnostika- und Pharmaunternehmen der weltweit tätigen Boehringer-Mannheim Gruppe" kontrolliert und 84,2 Prozent der Aktien des Orthopädie-Herstellers De-Puy in Delaware/USA besitzt. Roche erreiche damit das strategische Ziel, im Geschäftsbereich der diagnostischen Systeme und Produkte eine Spitzenstellung einzunehmen, wie der Vorsitzende der Roche-Konzernleitung, Fritz Gerber ausführte. Im Pharmageschäft gewinne Roche weitere Marktanteile, während De-Puy die Roche-Aktivitäten in einem zukunftsträchtigen Gebiet ergänze. Laut Roche ist der Verwaltungsratspräsident von Corange, Curt Engelhorn, selbst überzeugt von einer langfristigen Sicherung der Zukunft beider Unternehmen.

Durch die Zusammenführung des Diagnostika-Geschäfts von Roche und Boehringer Mannheim entsteht ein neuer Marktführer sowohl in den Segmenten der klinischen Laborsysteme, molekularen Diagnostik (PCR) und Patient Care. Zusammen beschäftigen die Unternehmen derzeit rund 13.500 Mitarbeiter in diesem Bereich, verfügen über ein jährliches Umsatzpotential von mehr als 3,5 Milliarden Schweizer Franken und über Forschungs- und Entwicklungsstätten sowie größere Produktionsanlagen in Deutschland, USA und der Schweiz.

Wie der Leiter der Division Pharma bei Roche, Dr. Franz B. Humer, ergänzend ausführte, werden die pharmazeutischen Präparate in den Bereichen Herzkreislauf- und Krebserkrankungen das Roche-Portfolio ausgezeichnet ergänzen. Vielversprechend seien auch die Medikamente in den verschiedenen Phasen der klinischen Entwicklung.

PZ-Artikel von Erdmuthe Arnold
   

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