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Wirksamkeit von DMH-Suppositorien bei Kleinkindern

02.06.1997  00:00 Uhr

-Pharmazie

  Govi-Verlag

Wirksamkeit von DMH-Suppositorien bei Kleinkindern

  Dimenhydrinat (DMH) ist das in Deutschland bei Kindern am meisten angewendete Antiemetikum mit mehr als 6 Millionen Verordnungen pro Jahr. Die Eigenmedikation mit diesem Wirkstoff ist jedoch trotz rezeptfreiem Verkauf bisher gering, so daß sich fast sämtliche Verkäufe aus ärztlichen Verordnungen rekrutieren.

Erbrechen bei Gastroenteritis oder ähnlichen Infekten gehört zu den häufigsten Krankheitsbildern bei Kindern. Neben dem Ausgleich bestehender Defizite im Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt sowie einer Korrektur des Säure-Base-Haushaltes beschränkt sich die Therapie auf die Gabe eines wirksamen Antiemetikums. Die in DMH enthaltenen Wirkstoffe Diphenhydramin und 8-Chlortheophyllin führen zu einer Hemmung des vestibulären Zentrums sowie des Stammhirns. Die H1-antihistaminerge Wirkung bringt eine mäßige Sedation.

Die antiemetische Wirksamkeit der Substanz wurde bereits in verschiedenen Untersuchungen an erwachsenen Probanden belegt. Obwohl DMH vor allem in der Pädiatrie in Form von Suppositorien seit Jahren erfolgreich angewendet wird, lag bis dato keine Studie mit Kleinkindern vor. Professor Dieter Palitzsch und Dr. Udo Gesser von der Fachabteilung für Kinder- und Jugendmedizin des Kreiskrankenhauses Gelnhausen untersuchten jetzt die Bioverfügbarkeit und Wirkung von DMH an 40 Kleinkindern im Alter von 5 Monaten bis 4,7 Jahren.

Als klinische Kriterien wurden die Häufigkeit des Erbrechens, Störung des Allgemeinbefindens, Hautrugor und Zustand der Fontanelle bewertet. Nach Entnahme einer ersten Plasmaprobe wurde den Patienten je 40 mg DMH als Suppositorium verabreicht. 90 Minuten beziehungsweise drei, sechs und neun Stunden nach Applikation erfolgte erneut eine klinische Einschätzung sowie die Entnahme weiterer Plasmaproben.

Klinische Befunde und pharmakokinetische Ergebnisse

Bei der überwiegenden Zahl der Patienten kam es zu einem raschen Sisitieren sowie zu einer deutlichen Reduktion des Erbrechens. Nach 1,5 bis 3 Stunden waren 97,5 Prozent der Probanden symptomfrei. Neben der raschen Beeinflusssung des Erbrechens konnte eine stetige Verbesserung des Gesamtzustandes beobachtet werden. Nur bei drei Kindern trat in der Folge wieder vermehrt Erbrechen auf oder blieb bis zum Ende der Untersuchung bestehen.

Es ergab sich eine typische Invasions- /Evasionskinetik. Der maximale Plasmaspiegel wurde nach 1,5 beziehungsweise 3 Stunden erreicht. Bis zum Ende des Untersuchungszeitraumes fiel die Plasmakurve von Diphenhydramin durchschnittlich auf die Hälfte ab. 8-Chlortheophylln (8-CT) zeigte eine wesentlich flachere Abklingkurve. Die abgeleiteten Halbwertszeiten lagen entsprechend bei 9,1 (DMH) und 12,66 Stunden (8-CT).

Die pharmakokinetischen sowie klinischen Ergebnisse der Untersuchung von Gesser und Palitzsch bestätigen DMH-Suppositorien als sicheres Medikament zur ambulanten und stationären Therapie von Erbrechen unterschiedlicher Genese bei Kleinkindern.

Artikel von der PZ-Redaktion    

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