Pharmazeutische Zeitung online

Das falsche Signal

02.06.1997  00:00 Uhr

-Editorial

  Govi-Verlag

Das falsche Signal

  von Dr. Paul Hoffacker,
ABDA-Geschäftsführer, Bereich Wirtschaft und Sozialpolitik

Trotz der in letzter Zeit sachlich guten Zusammenarbeit mit der Gehe AG, insbesondere mit dem Vorstand, haben wir leider nur auf Umwegen kurz vor Redaktionsschluß dieser PZ-Ausgabe die Neufassung der Gehe-Satzung zur Kenntnis bekommen, die offensichtlich auf der Hauptversammlung am 11. Juni 1997 beschlossen werden soll.

In dieser Neufassung liegt Sprengstoff für das Verhältnis zwischen Großhandel und Apotheke.

Im §2 soll der Gegenstand des Unternehmens nämlich neu formuliert werden: Im Gegensatz zur alten Satzung, in der nur die Herstellung und der Handel mit pharmazeutischen Erzeugnissen, Drogen, Chemikalien sowie allen Waren, die in Apotheken, Drogerien, Parfümerien und ähnlichen Geschäften verkauft werden, als Aufgaben des Unternehmens definiert wird, charakterisiert die Neufassung den Gegenstand des Unternehmens mit der Herstellung sowie dem Großhandel und ausdrücklich auch dem Einzelhandel mit den oben erwähnten Waren. Außerdem wird der Katalog auf medizinisch-technische Geräte, labortechnische Produkte aller Art, Krankenpflegeartikel, Rehabilitationshilfen sowie alle für die Versorgung von Körperbehinderten vorgesehenen Geräte und Hilfsmittel erweitert, und es werden innerbetriebliche Transportgeräte, Lager- und Betriebseinrichtungen, Büroausstattungen sowie damit zusammenhängende Waren einbezogen. Die Gesellschaft soll ferner sämtliche Geschäfte und sonstige Maßnahmen ergreifen können, die im Zusammenhang mit den definierten Aufgabenbereichen stehen oder diese zu fördern geeignet sind. Dies kann auch durch Beteiligungsgesellschaften geschehen.

Auch wenn die Verantwortlichen von Gehe mit dieser Formulierung nur das bereits in Großbritannien durchgeführte Geschäft in die Satzung einbauen wollen, eröffnet diese Neufassung Tür und Tor für sämtliche Systemveränderungen im Gesundheitswesen der Bundesrepublik Deutschland. Erste Stellungnahmen aus dem Hause Gehe versichern zwar, daß damit für Deutschland kein Versandhandel und keine Apothekenkette vorbereitet werden soll, trotzdem bin ich der Meinung, daß jetzt noch größere Wachsamkeit geboten ist und alles verhindert werden muß, was der Politik die Möglichkeit gibt, systemverändernde Gesetze zu formulieren. Noch sind die Apotheken und der Großhandel im Kampf gegen Systemveränderungen im Gesundheitswesen auf der gleichen Seite. Satzungen, wie sie die Gehe plant, lassen allerdings die Fronten unklarer werden. Deshalb mein Appell an die Verantwortlichen der Gehe: Wir brauchen keine englischen Verhältnisse in Deutschland, unser System hat sich über Jahrzehnte bewährt und sollte erhalten bleiben. Dabei müssen Großhandel und Apotheken am gleichen Ende des Stranges ziehen.

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