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Arzneimittel bei Aldi: Wie ist die Reaktion?

25.05.1998  00:00 Uhr

-Wirtschaft & Handel

Govi-Verlag

Arzneimittel bei Aldi: Wie ist die Reaktion?

Eine Emnid-Umfrage zur Reaktion des Verbrauchers auf den Verkauf von Arzneimitteln bei Aldi hatte der Heinrich Bauer Verlag, Hamburg, in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse schilderte auf dem Kongreß "Selbstmedikation: Brennpunkt Marke" am 15. Mai 1998 in der Hansestadt Hermann Eckert, Projektleiter Pharma in der Heinrich Bauer Verlag Anzeigen und Marketing KG.

Seit Ende Oktober des vergangenen Jahres bietet Aldi-Süd unter dem Label St. Benedikt freiverkäufliche Arzneimittel an. Dazu gehören Kräutertonikum, Melissengeist und ein Erkältungskoffer. Aldi-Nord kündigte ein Nachziehen zum Jahreswechsel an, startete aber erst im März unter der Hausmarke St. Christoph mit Produkten wie Franzbranntwein, Melissengeist, Johanniskraut- und Knoblauch-Dragees.

Vom 27. März bis 3. April 1998 wurden 1304 Personen in einer computergestützten telefonisch geführten Mehrthemenumfrage des Emnid-Institutes, Bielefeld, zu ihrer Meinung befragt. Die Personenzahl, so Eckert, repräsentiert eine Population von 26,5 Millonen. Bei der Befragung habe man sich auf das Gebiet Aldi-Süd beschränkt, das die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, RheinlandPfalz, das Saarland sowie Teile von Hessen und Nordrhein-Westfalen umfaßt.

Auf die Frage "Haben Sie im letzten halben Jahr bei Aldi gekauft?", antworteten drei Viertel der Befragten mit Ja. 45,1 Prozent der Aldi-Kunden hatten die Benedikt-Range schon einmal gesehen. Das sei verglichen mit Produkteinführungen im sonstigen Lebensmittelhandel eine gewaltige Zahl und sei auf den Aldi-Grundsatz zurückzuführen, das Sortiment bewußt klein und überschaubar zu halten, sagte Eckert.

Knapp 30 Prozent der Personen, denen St.-Benedikt-Produkte bei Aldi aufgefallen sind, haben diese auch gekauft. Dies entspreche einem Potential von rund 2,6 Millionen Personen. 400.000 Käufer hätten die Produkte bislang noch nicht verwendet. Man könne von einer beachtlichen Vorratshaltung ausgehen.

Rund die Hälfte kauften Erkältungsbalsam, rund ein Drittel griff zum Melissengeist. Der Erkältungskoffer wurde von jedem Fünften gekauft. Das Mittelfeld bildeten Vitamin-E-Kapseln, Rheuma-Schmerz-Balsam und Kräutertonikum. Sie wurden jeweils von rund einem Viertel gekauft oder verwendet. Vital-Knoblauch-Kapseln und Ginseng-Tonikum bildeten das Ende dieser Rangfolge. Rechne man die Zahl auf die gesamte Bundesrepublik hoch, so hätten 6,5 Millionen Personen diese Produkte gekauft.

Dem Statement "Ich kaufe freiverkäufliche Medikamente nur in der Apotheke" stimmten 39 Prozent der Aldi-Kunden zu. Auf der anderen Seite fanden es 28,9 Prozent gut, daß man diese Medikamente nun auch bei Aldi kaufen kann. Eckert interpretierte diese Zahlen wie folgt: Freiverkäufliche Medikamente werden heute noch direkt in Zusammenhang mit der Apotheke gebracht. Die Bereitschaft, diese Produkte jedoch auch außerhalb der Apotheke zu kaufen, sei schon relativ hoch.

Hohe Sensibilität für Preise


Die Notwendigkeit der Beratung durch den Apotheker bei St.-Benedikt-Produkten wird deutlich geringer angesehen als bei anderen Präparaten. So stimmten 50,2 Prozent der Aldi-Kunden zwar zu, daß im allgemeinen die Beratung durch den Apotheker wichtig ist. Bei den Produkten von Aldi waren es jedoch nur 26 Prozent.

Fast ein Drittel der Aldi-Kunden stimmte dem Statement "Freiverkäufliche Arzneimittel kaufe ich dort, wo sie am günstigsten sind" zu. Bei den Käufern von St.-Benedikt-Produkten waren dies knapp 42 Prozent. Diese Sensibilität für Preise auch bei Arzneimitteln brächten folgende Statements auf den Punkt: "Ich kaufe Arzneimittel bei Aldi, weil ich viele Personen zu versorgen habe und jede Mark zweimal umdrehen muß," Und: "Was man nicht in der Apotheke kauft, ist im Schnitt gleich ein paar Mark billiger."

Knapp 20 Prozent der Aldi-Kunden und 35,2 Prozent der Käufer von St. Benedikt sind der Meinung, daß Arzneimittel bei Aldi die gleiche Qualität haben wie in der Apotheke. Eckert bezeichnete dieses als "Ausstrahlung einer der Kernkompetenzen von Aldi, gute Qualität zum billigen Preis anzubieten". Das sogenannte Nielsen Single Source Panel, eine Methode, bei der eingekaufte Produkte im Haushalt per Scanner erfaßt werden, ermöglicht es, Aussagen über Abverkaufszahlen zu machen. Mit den Produkten der St.-Benedikt-Range habe Aldi-Süd "vom Fleck weg" schon rund 22 Millionen DM umgesetzt, so Eckert. Rechne man dieses auf Aldi-Gesamt und ein ganzes Jahr hoch, so könne man von 8,4 Millionen verkauften Packungen und 109 Millionen DM Umsatz mit diesen Artikeln ausgehen.

PZ-Artikel von Christiane Berg, Hamburg
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