Pharmazeutische Zeitung online

PZ Nachrichten

25.05.1998  00:00 Uhr
PZ Pharmazeutische ZeitungGovi-Verlag

PZ +++ Nachrichten +++  26.05. Apotheker bei Praxisnetz Ried mit an Bord
PZ.Nach einem Jahr vernetzte Praxen im Ried in der Nähe von Darmstadt ziehen die Ersatzkassenverbände in Hessen und die Kassenärztliche Vereinigung Hessen eine positive Halbzeitbilanz. Nach Angaben von Dr. Hubert Schindler, Leiter der Ersatzkassenverbände in Hessen, werden die Ersparnisse bei den Arzneimittelausgaben die Aufwendungen für das Projekt von etwa 650 000 DM in zwei Jahren ausgleichen. "Im ersten Jahr können wir Einsparungen von 302 000 DM im Arzneimittelbereich verbuchen. Damit werden sich unsere Investitionen amortisieren." Die daraus resultierenden Gewinneinbußen für die Apotheker seien "bescheiden". Schließlilch hätten diese die Möglichkeit, sich auf das veränderte Verordnungsverhalten einzustellen und danach ihr Warenlager geschickter auszurichten, sagte Schindler. Jetzt im zweiten Modelljahr wolle man jedoch "die Schnittstelle zu den Apothekern weiterentwickeln" und diese in die Gespräche miteinbeziehen. Grund: "In der Apotheke landet viel Information. Der Patient macht beim Apotheker Äußerungen, die er dem Arzt nie mitteilen würde. Diese Information muß demnächst zum Arzt zurückfließen."

25.05. Die Ostdeutschen sind kränker
PZ. Die höheren Arzneimittelausgaben in Ostdeutschland sind kein Anzeichen für unwirtschaftliches Verordnungsverhalten der Ärzte, sondern höhere Morbidität der Menschen zwischen Elbe und Oder. Zu diesen Ergebnis kommen das Berliner Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) und das Frankfurter Institut für Medizinische Statistik in zwei in Bonn vorgelegten Studien. Über dem Bundesdurchschnitt liegende Verordnungspraktiken bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes beruhten darauf, daß beide Krankheitsbilder in den neuen Ländern weiter verbreitet seien. Ostdeutsche leiden häufiger unter Übergewicht, Bluthochdruck und erhöhten Blutfettwerten. In Ostdeutschland liege beispielsweise die Sterblichkeit bei Herz-Kreislauf-Krankheiten um rund 25 Prozent über dem westdeutschen Vergleichswert. Auf der Ebene der Bundesländer existiere ein erkennbarer Zusammenhang zwischen Krankheitsverbreitung und Arzneimittelumsatz. Zwischen Elbe und Oder sei für das Jahr 1995 pro Kopf der Bevölkerung in diesem Sektor ein Medikamentenumsatz von knapp 62 DM zu verzeichnen gewesen.

25.05. Blutspenden soll Schlaganfall vorbeugen
dpa. Regelmäßiges Blutspenden kann das Risiko eines Schlaganfalles senken. Vor allem Männer könnten dadurch ihre Lebenserwartung erhöhen, erklärte Günther Birbamer, der Leiter des Klinikums Staffelstein (Landkreis Lichtenfels) am Montag. Der Mediziner bezog sich auf eine österreichische Studie, bei der Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen dem Eisengehalt im Blut und der Entstehung von Arteriosklerose gefunden hatten. Frauen hatten durch die regelmäßige Monatsblutung einen niedrigen Eisengehalt im Blut. Zuviel Eisen fördere die Oxidation von Bluttfetten und beschleunige das Entstehen und Fortschreiten der Gefäßverkalkung mit einem wachsenden Schlaganfallrisiko. Besonders schlimm wirke sich der Blut-Eisen-Gehalt bei einem überhöhtem Cholesterolspiegel aus. Personen mit niedrigen Eisenkonzentrationen haben ein weitaus geringeres Risiko für eine Arteriosklerose, auch wenn die Blutfettwerte im Normalbereich liegen. Birbamer sieht aufgrund dieser Erkenntnisse eine neue Möglichkeit, Herz- und Hirngefäßerkrankungen zu verhüten. "Durch regelmäßiges Blutspenden können Männer ihren Eisenspeicher auf Werte vermindern, wie sie bei jungen Frauen vorkommen."

25.05. Nahrungsmittel aus Algen können schaden
dpa. Nahrungsmittel aus Algen sind nach Einschätzung der Zeitschrift "Öko-Test" nicht unbedemklich. Das Magazin rät vom Kauf der meist in Reformhäusern angebotenen Produkte ab. Einige der untersuchten Präparate enthielten Arsen, giftiges Cadmium und so viel Jod, daß vor allem bei älteren Menschen mit "gefährlichen Störungen" der Schilddrüse gerechnet werden müsse, heißt es in der Juni-Ausgabe des Magazins. Zwar wurden nur fünf Algen-Produkte getestet, andere Studien hätten aber bestätigt, daß Algen Schwermetalle und viel Jod enthielten, berichtete Redakteurin Eva Roth. Einige der getesteten Präparate enthielten ein vielfaches des Richtwerts von 20 Milligramm Jod pro Kilo. In den untersuchten Algen-Tabletten und Frühstücksprodukten wurden den Testern zufolge auch die Richtwerte für giftiges Cadmium überschritten.

25.05. Krankenstand weiter auf Talfahrt
dpa. Der Krankenstand in den Betrieben sinkt weiter. Durchschnittlich waren 1997 an jedem Arbeitstag 4,7 Prozent der Mitglieder von Deutschlands größter Krankenkasse, der Barmer, im alten Bundesgebiet arbeitsunfähig. Das waren 0,4 Prozentpunkte weniger als ein Jahr zuvor, erklärte die Barmer am Montag in Hamburg. Im Osten seien es 5,6 Prozent gewesen, ein Minus von 0,5 Prozentpunkten, "Das sind die tiefsten Werte in den neunziger Jahren", betonte Barmer-Geschäftsführer Thomas Wortmann. Die ersten Zahlen für 1998 bestätigten eine Fortsetzung des Trends. Häufigster Anlaß für die Arbeitsunfähigkeit waren Atemwegserkrankungen. Auf sie entfielen nach Angaben der Barmer 33,6 Prozent der Fälle. Neben den Atmungsorganen waren häufig auch das Verdauungssystem, Skelett und Bindegewebe, Verletzungen und Vergiftungen sowie der Kreislauf Ursache für Krankschreibungen.

22.05. Viagra-Einnahme kann ins Auge gehen
PZ. Viagra gegen Impotenz hat nach Ansicht von Experten deutlich mehr Nebenwirkungen als bislang angenommen. Bei der 39. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie in Mannheim verwies Professor Dr. Udo Jonas von der Medizinischen Hochschule Hannover darauf, daß die Herstellerfirma Pfizer seit den ersten Untersuchungen an Patienten die Dosis des Medikaments verzwanzigfacht habe. Auswirkungen auf das Sehfeld seien bei den neuen Dosierungen bei etwa 14 Prozent statt der bislang angenommenen 2,7 Prozent der Konsumenten zu erwarten. „Eine weitere Verdoppelung des Dosis hat im Tierversuch bereits zur Erblindung geführt", warnte Jonas.

22.05. Zervixkarzinom: genetische Ursache entdeckt
dpa. Die Trägerinnen einer bestimmten Variante des p53-Gens haben ein siebenfach erhöhtes Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Das ergaben Untersuchungen eines internationalen Forscherteams aus England, Italien und Kanada, die in der Donnerstags-Ausgabe des britischen Wissenschaftsmagazin "Nature" nachzulesen sind. In der Bevölkerung kommt das p53-Eiweiß in zwei Varianten vor. Nach ersten Untersuchungen des Expertenteams vom britischen Krebsforschungsfond in London wird eine Variante durch das krebsauslösende Papilloma-Virus besonders leicht blockiert, wogegen die andere relativ unempfindlich ist. Dieser kleine Unterschied im p53 scheint auch für Frauen ein größeres Krebsrisiko zu bedeuten. Mehr als drei Viertel aller untersuchten Tumore stammten von Frauen, die ausschließlich das Gen für das empfindliche p53-Eiweiß besaßen.Rechnet man Vorstufen mit ein, erkranken in Deutschland jährlich etwa 14 000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. In neun von zehn Fällen ist dem Krebs eine Infektion mit bestimmten Warzenviren vorausgegangen, den Papilloma-Viren. Übertragen werden sie durch Geschlechtsverkehr; aus einer Infektion entwickelt sich nicht zwangsläufig ein Tumor. Meist entstehen zunächst gutartige Veränderungen in der Schleimhaut.

22.05. Krankenhäuser sollen zertifiziert werden
PZ. Ärzte und Ersatzkrankenkassen planen eine Art Qualitäts-TÜV für Krankenhäuser. Danach sollen Kliniken, die bestimmte Qualitätskriterien erfüllen, eine Zertifizierung erhalten, sagte Professor Dr. Friedrich-Wilhelm Kolkmann, Mitglied der Ärztlichen Zentralstelle Qualitätssicherung, beim 101. Deutschen Ärztetag in Köln. Im Vordergrund sollen die Qualität der Patientenversorgung und die Mitarbeiterzufriedenheit stehen. Zunächst wollten der Verband der Ersatzkassen und Ärzte eine "Machbarkeitsstudie" erstellen, um ein Zertifizierungsverfahren zu entwickeln. Geplant seien regelmäßige Selbstbewertung, externe Leistungsvergleiche und periodische Inspektionen. Kolkmann betonte, daß die Zertifizierung kein "Marketing-Instrument" für die Kliniken sein soll. Allerdings könnten die Krankenhäuser die Zertifizierung in der Außendarstellung nutzen. Nach langem Zögern habe auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft den Ersatzkassen Gespräche über Qualitätskontrollen angeboten, berichtete der NDR am Donnerstag.

20.05. EU macht Vorgaben für Arzneipolitik
PZ. Der zuständige Ministerrat der Europäischen Union hat sich auf Rahmenvorgaben für die künftige Arzneimittelpolitik verständigt. An die Brüsseler Kommission ergingen entsprechende Arbeitsaufträge. Der Ministerrat plädiert unter anderem für eine größere Bedeutung von Generika-Produkten. Gleichzeitig wird jedoch auch anerkannt, daß forschende Arzneimittelhersteller für ihre innovativen Produkte "angemessene Preise" erzielen müßten. Für den OTC-Bereich hält das Gremium liberalere Preisvorschriften erst dann für möglich, wenn die Markttransparenz verbessert wird. Im übrigen soll es auf absehbare Zeit bei der unterschiedlichen Kompetenzverteilung zwischen der Europäischen Union und den Nationalstaaten bleiben: Die EU-Kommission hat danach den freien Warenverkehr auch für pharmazeutische Produkte sicherzustellen. Alle Fragen der Arzneimittelpreisbildung sowie die Erstattung von Medikamenten durch die nationalen Krankenversicherungssysteme werden von den Mitgliedern der Gemeinschaft individuell entschieden.

20.05. Neues Brustkrebs-Medikament in Sicht
vwd. Ein Arzneistoff in der Forschungspipeline des US-Pharmaunternehmens Genentech hemmt offenbar das Wachstum von Brusttumoren. Wie Genentech mitteilt, kann der Arzneistoff Herceptin in der Phase III der klinischen Studien sogar ein Schrumpfen der Tumoren bewirken. Die Phase-III-Studien zeigen den Angaben zufolge eine 65prozentige Verlangsamung des Krankheitsverlaufs. Bei 28 Prozent der mit Herceptin behandelten Patientinnen wurde sogar kein Wachstumsfortschritt des Tumors registriert. Zusammen mit einer Chemotherapie verbesserten sich die Ergebnisse noch.
Top

© 1997 GOVI-Verlag
E-Mail:
redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa