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Medaillon für Pettenkofer

20.05.2002
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Medaillon für Pettenkofer

von Brigitte M. Gensthaler, München

Pettenkofer war auch Apotheker - so betitelte Dr. Hermann Vogel, Ehrenpräsident der Bayerischen Landesapothekerkammer, einen Artikel* zum 100. Todestag des berühmten Kollegen. Eine Bronzetafel erinnert jetzt an den Apotheker und Begründer der neuzeitlichen Hygiene.

Am 8. Mai wurde die Gedenktafel im Apothekenhof der Münchner Residenz, also in unmittelbarer Nähe zur ehemaligen Wirkstätte Pettenkofers, feierlich enthüllt. Geschaffen hat sie der bekannte Bildhauer Professor Hubertus von Pilgrim; den Anstoß dazu gab Vogel selbst. Egfried Hanfstaengl, Präsident der Bayerischen Schlösserverwaltung, dankte stellvertretend für den Finanzminister Professor Dr. Kurt Faltlhauser allen Beteiligten, darunter besonders Vogel für seine Initiative und der Dr. August und Dr. Anni Lesmüller-Stiftung, die die Kosten übernommen hat. Pettenkofers Wohn- und Arbeitsräume sind wie die gesamte Residenz mit dem bis heute so genannten Apothekenstock im Zweiten Weltkrieg vollständig ausgebrannt. Hanfstaengl begrüßte bei der Enthüllung auch den Architekten Tino Walz, der als "Retter der Residenz" und einer der Hauptverdienten um den Wiederaufbau gilt.

Zu seiner Zeit war Pettenkofer wohl der weltweit bekannteste Münchner. Von 1850 bis 1896 leitete er die Hofapotheke in der Münchner Residenz. Von hier aus betrieb er seine vielfältigen Forschungen, vor allem zu Fragen der Umwelt, und vertrat die Pharmazie als fächerübergreifende Wissenschaft, hob Vogel hervor, der Grüße des Kammerpräsidenten Johannes M. Metzger überbrachte. Von daher freue er sich, dass er die Professoren Paul Unschuld, Wolfgang Locher, Christa Habrich und Günther Kallinich als Vertreter der Münchner Pharmazie- und Medizingeschichte, Professor Angelika Vollmar als Vorstand des Departments Pharmazie und Professor Elsa Ullmann als langjährige Vertreterin der Pharmazeutischen Technologie begrüßen könne. Sein Dank galt Pilgrim, der die Erinnerungstafel mit großem Einfühlungsvermögen gestaltet und damit einen neuen Fixpunkt im Apothekenhof geschaffen habe.

Ein halbes Jahrhundert lang wirkte Pettenkofer als "Motor" einer steten Verbesserung der Hygiene für die Menschen. Die Münchner verdanken ihm den Bau einer Abwasserkanalisation und eine vorbildliche Trinkwasserversorgung. Besonders seit der großen Cholera-Epidemie von 1854 kämpfte er vehement gegen die Seuche an. Die Hofapotheke war aber nicht nur Forschungszentrum. Sie versorgte die Königsfamilie und den gesamten Hofstaat mit Arzneimitteln; zeitweise waren es mehr als 10.000 Personen, betonte Vogel. Die Apotheke war der größte Pharmabetrieb im Königreich und bildete viele Lehrlinge aus.

Das große Medaillon zeigt Pettenkofer als einen vitalen, energischen, der Welt zugewandten Menschen. Bewusst habe er ihn frontal und nicht im Profil dargestellt, erklärte Pilgrim, lange Jahre Professor an der Akademie der Bildenden Künste, im Gespräch mit der PZ. Entstanden sei die Tafel in einem einjährigen Prozess der intensiven Auseinandersetzung mit dem berühmten Apotheker und seiner Wirkstätte. /

*) Pharm. Ztg. 146, Nr. 37 (2001) 81 - 86; mit umfangreicher Zeittafel zu Pettenkofers Leben.Top

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