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Die Apogepha schrieb deutsche Geschichte

18.05.1998  00:00 Uhr

-Wirtschaft & Handel

Govi-Verlag

Die Apogepha schrieb deutsche Geschichte

Wer sich mit der Entwicklung der Apogepha Arzneimittel GmbH in Dresden beschäftigt, findet ein Stück Zeitgeschichte und Parallelen zur Situation heutiger Unternehmensgründer. 1932 übernahm der Apotheker und promovierte Chemiker Dr. Johannes Starke einen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratenen pharmazeutischen Betrieb. Er rettete ihn durch den Zweiten Weltkrieg und durch die Nachkriegszeit. 1972 wurde die Apogepha in der damaligen DDR verstaatlicht und 1991 unter Leitung von Dr. Christian Starke als erstes ostdeutsches Pharmaunternehmen reprivatisiert.

Die Wurzeln des mittelständischen Unternehmens reichen bis ins Jahr 1830 zurück. Der Sachsenkönig erteilte die Konzession zum Betrieb der Apotheke "Zur goldenen Krone" in Dresden-Neustadt. Nach Umzug und Umbenennung in "Kronenapotheke" gründete der damalige Besitzer Georg Crusius 1871 ein Engros-Geschäft für natürliche Mineralwässer und galenische Präparate aus eigener Produktion

Etwa zehn Jahre später hatte die Laboratoriumstätigkeit einen Umfang erreicht, der eine Ausgliederung möglich machte. Der angestellte Provisor der "Kronenapotheke", Apotheker Carl Stephan, schloß sich mit dem chemischen Laboratorium Dr. Ostermeyer zusammen und gründete 1882 ein selbständiges Unternehmen in der Dresdener Kyffhäuserstraße 27. Die Firma wurde 1927 an die Leo-Werke verkauft. Im Jahre 1929 begann Dr. Johannes Starke seine Arbeit als technischer Leiter des Dresdener Tochterunternehmens.

Zwei Jahre später übernahm die neugegründete Apothekengenossenschaft die Produktion, mußte jedoch aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten im Herbst 1932 die Liquidation anmelden. Der Belegschaft drohte Arbeitslosigkeit.

Riskanter Neubeginn

Gegen den Rat seiner Familie entschloß sich Dr. Johannes Starke, das Unternehmen zu kaufen. Mit seiner Abfindungssumme von 4.000 Reichsmark und mit Beteiligung des Dresdener Kaufmanns Max Biering erwarb er den Betrieb und setzte im Februar 1933 die Produktion fort. Die neue Firma hieß "Apogepha - Fabrik chemisch-pharmazeutischer Präparate Dr. Starke und Max Biering GmbH". Es wurden weiterhin Galenika, Extrakte und Tinkturen produziert. Als feste Arzneiform stand seit 1901 das Urologikum "Extr.uv.ursi" erst als Tablette, später als Dragee auf der Präparateliste.

1935 wurden Produktion und Vertrieb auf das gesamte Apothekensortiment erweitert und als Handverkaufsspezialitäten mit den Etiketten der jeweiligen Apotheken versehen. Die Druckerzeugnisse wurden in einer betriebseigenen Hausdruckerei hergestellt.

In dieser Zeit beschäftigte das Unternehmen bis zu 225 Mitarbeiter. Die Bombardierung Dresdens in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 traf auch die Apogepha. Das Fabrikgebäude in der Kyffhäuserstraße wurde stark zerstört. Einige Gebäude, wichtige Kellerräume sowie das Zucker- und Lösungsmittellager konnten gerettet werden.

Aufbau einer modernen Produktion

Nach Kriegsende konnte die Produktion mit der Synthese neuer Chemotherapeutika und mit der Herstellung von Herz-Kreislauf-Mitteln kontinuierlich ausgebaut werden. 1952 verstarb der Firmengesellschafter Max Biering. Durch die Ereignisse um den 17. Juni 1953 entging die Apogepha in der ersten DDR-Enteignungswelle der Verstaatlichung.

Erst 1960 wurde eine staatliche Beteiligung aufgenommen und das Unternehmen in eine KG umfirmiert. Ein weiterer Einschnitt in die Firmengeschicht war der Tod von Dr. Johannes Stark am 3. März 1968. Obwohl dem Unternehmen ursprünglich keine Überlebenschancen vorausgesagt worden waren, hatte er die Apogepha zu einem wichtigen Arzneimittelproduzenten ausgebaut.

Nachfolger wurde sein Sohn Dr. Christian Starke. Wie sein Vater sah er bereits damals ein wichtiges Standbein des Unternehmens in der Forschung. Bis zur endgültigen Verstaatlichung 1972 wurden mehrere neue Gynäkologika und Herz-Kreislauf-Präparate auf den Markt gebracht. Später folgten Urologika. Dr. Christian Starke blieb im Unternehmen und leitete die Forschungsabteilung. 1983 mußte die Apogepha einen weiteren Verlust hinnehmen. Durch Zusammenschluß mit dem VEB Sächsisches Serumwerk ging die Firmenbezeichnung verloren.

Ausschlaggebend für den Neuanfang 1989/90 war die Risikobereitschaft Dr. Christian Starkes. Er bemühte sich sofort um die Reprivatisierung des Unternehmens. Noch vor der Währungsunion nahm er Kontakt zu westdeutschen Pharmagroßhändlern auf und stellte Ärzten in den alten Bundesländern die Präparate der Firma vor.

1991 konnte der Privatisierungsvertrag mit der Treuhandgesellschaft als erster in der ostdeutschen Pharmaindustrie unterzeichnet werden. Gleichzeitig nahm das Unternehmen die heutige Firmenbezeichnung an. Ohne Fremdbeteiligung gelang es bereits kurz darauf, schwarze Zahlen zu schreiben. Der Firmenstandort in der Kyffhäuserstraße wurde modernisiert. 1996 weihte Apogepha in Dresden-Lockwitz ein neues Produktionsgebäude mit Kontroll- und Forschungslaboratorium, Lager und Versandabteilung ein.

In den Neubau wurden 27 Millionen DM investiert. Die Produktionspalette umfaßt zur Zeit etwa 25 Präparate aus den Indikationsgebieten Urologie, Gynäkologie und Herz-Kreislauf. Sie wird ständig weiterentwickelt. Mit 175 Mitarbeitern konnten in den vergangenen Jahren ebenfalls Umsatz und Marktanteile kontinuierlich erhöht werden. 1997 betrug der Inlandsumsatz 35,9 Millionen DM. 74 Prozent des Umsatzes wurden in den neuen Bundesländern erzielt. Das Exportgeschäft brachte 13,5 Millionen DM.

PZ-Artikel von Gisela Dietz, Dresden
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