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Versorgungswerke stellen sich denHerausforderungen

11.05.1998  00:00 Uhr

-Politik

Govi-Verlag

Versorgungswerke stellen sich den Herausforderungen
PZ-Interview

Dr. Frank Diener, Leiter der Abteilung Gesundheitsökonomie und Politik der ABDA, ging auf dem Wirtschaftsforum in Baden-Baden der Frage nach, was der Euro für den Apothekenalltag bedeutet. Diener betonte, daß der Übergang auf den Euro keine Währungsreform, sondern eine Währungsumstellung sei, also ein wertgleicher Tausch von Währungen gemäß unwiderruflichem Euro-Umrechnungskurs.

Zwei wichtige Daten gebe es:

o 1. Januar 1999: unwiderrufliche Fixierung der Wechselkurse zum Euro; nationale Währungen nur noch Untereinheiten zum Euro; Euro noch kein Bargeld, Übertragung der nationalen geldpolitischen Verantwortungen auf die Europäische Zentralbank; individuelles Wahlrecht bezüglich der Währungseinheit für Buchgeld.

o 1. Januar 2002: Euro als Bargeld und gesetzliches Zahlungsmittel; automatische Umstellung aller Konten auf Euro; nationale Währungen verlieren spätestens ab 1. Juli 2002 ihre Gültigkeit.

Da Fiskus und Sozialversicherungen, also auch die Gesetzlichen Krankenkassen, den Switch zum Euro per Erlaß erst zum 1. Januar 2002 vornehmen, sei für die Apotheken die Umstellung zum spätestmöglichen Zeitpunkt ohne sinnvolle Alternative. Vor dem 1. Januar 2002 sind für die Apotheke praktisch keine Umsätze in Euro möglich.

Vor dem 1. Januar 2002 müsse gesetzlich sichergestellt sein, daß die Zuzahlungen in Euro zum Stichtag runde Beträge sind. Aus Sicht der Arbeitsgruppe Euro bei der ABDA, zu der alle Marktbeteiligten gehören, sei es sinnvoll, darauf hinzuwirken, daß es keine Doppelwährungsphase gibt, das heißt, die DM sollte zum 1. Januar 2002 ihre Gültigkeit verlieren. Wegen der Rundungsproblematik (fünf Stellen hinter dem Komma, die Rundung erfolgt über die dritte Stelle hinter dem Komma) ist nach Meinung von Diener keine simultane Verwendung der Arzneimittelpreisverordnung (AMPreis VO) auf DM- und Euro-Basis möglich, was ebenfalls für die endgültige Umstellung auf Euro zum 1. Januar 2002 ohne Übergangsfrist spreche. Zu diesem Zeitpunkt wird die AMPreisV0 auf Euro-Basis umgestellt. Dabei sollten auch runde BtM- und Notdienstgebühren vorgesehen werden.

Da offensichtlich Großhandel und Hersteller ab 1. Januar 1999 flexibel bezüglich ihrer Fakturierung seien, sollten klarstellende Vereinbarungen getroffen werden, daß bei Währungsumrechnungen die Rechnungsendbeträge und nicht die Zeilenwerte umgerechnet werden.

Eine Schwierigkeit bilden die Signalpreise: Es sei nicht möglich, Signalpreise in DM und Euro zugleich festzulegen, denn Euro- und DM-Betrag müssen sich durch den offiziellen Umrechnungskurs entsprechen.

Bei der Apotheken-EDV sei man mit den Softwareanbietern einig, daß bis zum 31. Dezember 2001 auf DM-Basis gerechnet werde. Es solle aber die Möglichkeit geschaffen werden, per Tastendruck ab dem 1. Januar 1999 auf Bildschirm und Kassenbon den Euro-Betrag ausweisen zu lassen. Eine doppelte Preisauszeichnung ist zwar EU-Empfehlung, doch in nationaler Hoheit zu regeln. Nach Auskunft der jetzigen Bundesregierung wird es keinen Zwang zur Doppelauszeichnung geben; sie würde aber begrüßt. Rat der Arbeitsgruppe: Kassenbon ist besser als Packungsauszeichnung. Nach Menung von Diener wird der Euro Electronic cash forcieren, deshalb sollte schon heute beim Terminalkauf auf Doppelwährungsfähigkeit geachtet werden. Auch für Löhne und Gehälter sollte der Stichtag der Umstellung der 1. Januar 2002 sein.

Dieners Fazit: Die Umstellung auf Euro dürfte technisch machbar sein, bringt den Apotheken aber keine ersichtlichen Vorteile gegenüber heute. Die Preistransparenz kann allerdings zu einem Preisdruck führen. Wie sich das EuGH-Urteil besonders vor dem Hintergrund der Preistransparenz auf das deutsche Gesundheitswesen auswirke, könne noch nicht endgültig bewertet werden.

PZ-Artikel von Hartmut Morck, Baden-BadenTop

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