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Kommunikation ist der Weg zum Erfolg

11.05.1998
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-Politik

Govi-Verlag

Kommunikation ist der Weg zum Erfolg

Eine modifizierte Arzneimittelpreisverordnung und Erfolge bei der Weiterentwicklung des elektronischen Rezeptes, umstrittene Bonusverträge und ein EuGH-Urteil, dessen Auswirkungen noch unbekannt sind: In seiner Rede zur politischen Lage anläßlich des Wirtschaftsforums des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) bilanzierte der DAV-Vorsitzende Hermann Stefan Keller die gesundheitspolitische Entwicklung der vergangenen zwölf Monate.

Der Schlüssel zum Erfolg der Apotheker im Gesundheitswesen liege in deren kommunikativen Fähigkeiten. Sowohl bei Verhandlungen mit den Marktpartnern als auch im Beratungsgespräch mit den Kunden und Patienten komme es auf die richtige Gesprächstrategie und profundes Fachwissen an, sagte Keller. "Was den Heilberufler Apotheker vom Distributeur unterscheidet, ist seine ganz besondere kommunikative Kompetenz als Pharmazeut, die sich aus seiner pharmazeutischen Ausbildung ergibt."

Wie wichtig diese Fähigkeiten sind, konnten die Apotheker im vergangenen Jahr vor allem nach der Zuzahlungserhöhung unter Beweis stellen. Diese Regelung der Neuordnungsgesetze habe für die Patientinnen und Patienten den größten Einschnitt der gesamten Reformstufe dargestellt, sagte der DAV-Vorsitzende. Als Berater der Patienten hätten die Apotheker versucht, das Gesetz und seine Ausnahmen zu vermitteln. Diese Informationskampagne sei sehr erfolgreich verlaufen. "Es ist unsere kommunikative Leistung, daß die Patienten die Neuregelung in diesem Maße angenommen haben."

Trotzdem sei die Zuzahlungserhöhung aus gesundheitspolitischer Sicht fragwürdig. In einer Emnid-Umfrage habe etwa die Hälfte aller Befragten angegeben, nicht mehr alle verordneten Medikamente in der Apotheke abholen zu wollen. Langfristig führe dies zu höheren Gesundheitsausgaben, befürchtet Keller, denn der Verzicht auf eine notwendige Arzneimitteltherapie erhöhe die Wahrscheinlichkeit einer chronischen Erkrankung, die wesentlich höhere Behandlungskosten verursache.

Als gute kommunikative Leistung auf Verbandsebene bezeichnete der DAV-Vorsitzende die Verhandlungstaktik bei der Novellierung der Arzneimittelpreisverordnung. Die von Krankenkassen, Großhandel und Apothekern beschlossene Modifizierung erfülle zwar nicht alle Wünsche der Apothekerschaft, sie sei aber ein tragbarer Kompromiß, "bei dem es weder Sieger noch Besiegte gibt". Für eine große Lösung seien die Positionen der Verhandlungspartner zu unterschiedlich.

Die neue Arzneimittelpreisverordnung, die zum 1. Juli 1998 in Kraft tritt, sieht eine Kappung der Handelsspanne im hochpreisigen Bereich vor, die durch eine Erhöhung der Notdienstgebühr und eine Verdoppelung der Rezepturarbeitspreise kompensiert werden soll. Keller bedauerte, daß der Wirtschaftsausschuß des Bundesrates lediglich einer Erhöhung der Nachttaxe auf 3 DM anstelle der ursprünglich vereinbarten 5 DM zugestimmt habe. Der Deutsche Apothekerverband habe der Verordnung dennoch zugestimmt, damit die Novellierung noch vor Ende der Legislaturperiode abgeschlossen werden konnte.

Wenn die Verordnung in Kraft tritt, wird sich auch die Vergütung von Spezialrezepturen ändern, denn die Novelle ermöglicht es Krankenkassen und Apothekerverbänden, die Preise künftig frei auszuhandeln. Keller hält dies für dringend erforderlich, denn die heutige Situation sei praxisfern. In einigen Fällen führe die Berechnung nach der Arzneimittelpreisverordnung zu extrem niedrigen Vergütungen, in anderen Fällen steige der Preis durch den 90prozentigen Stoffkostenaufschlag in ungerechtfertigte Höhen. Die neue Verhandlungslösung ermögliche dagegen eine maßgeschneiderte Vergütung. Angesichts einer Zunahme der Spezialrezepturen sie dieser Schritt dringend notwendig gewesen.

Kritik an Bonusregelungen

Kein gutes Haar ließ Keller an den Bonusverträgen, die einige Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen abgeschlossen haben. Ziel dieser Regelungen ist es, Ärzte zu einem zurückhaltenden Verordnungsverhalten zu bewegen und sie an den so erzielten Einsparungen zu beteiligen. Zumeist geschieht dies über eine Vergütung des angeblich anfallenden Mehraufwandes für Ärzte, die an solchen Projekten teilnehmen. Der DAV-Vorsitzende hält diese Vereinbarungen für fatal. Zum einen sei es fragwürdig, Ärzte zu belohnen, wenn sie auf eine Verordnung verzichten, zum anderenbewirke eine reduzierte ambulante Arzneimitteltherapie eine Verlagerung in den stationären Bereich.

Dies sei steuerungspolitisch unsinnig, denn "der Grundsatz ambulant vor stationär ist seit Jahren anerkanntermaßen der einzige Weg für die Verbesserung von Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen". Es sei völlig unverständlich warum nun der Versuch unternommen werde, über Bonusverträge Anreize für eine Verlagerung in den stationären Bereich zu schaffen. Keller: "Solche Bonusregelungen gehören in den gesundheitspolitischen Mülleimer."

An Modellen, die eine Verbesserung der Arzneimittelversorgung zum Ziel haben, sollten grundsätzlich Apotheker beteiligt sein, forderte Keller. Eine fundierte Bewertung von Arzneimitteln sei weder in rein ärztlichen Qualitätszirkeln noch mit Hilfe von Krankenkassensoftware wie pharmpro möglich. Eine ökonomischere Arzneimitteltherapie sei nur mit pharmazeutischem Fachwissen zu erreichen.

Technologische Vorreiter

Sehr zufrieden zeigte sich Keller gegenüber der Arbeit der Apothekenrechenzentren (ARZ). Mittlerweile müßten sogar die Vertreter der Krankenkassen eingestehen, daß die Rechenzentren die Daten und die Abrechnung nach § 300 SGB V wie vereinbart liefern und somit ihren Teil des Vertrages erfüllen. Auch in der Politik habe es sich mittlerweile herumgesprochen, wie weit die Pharmazeuten technologisch sind. So stellte auch Bundesgesundheitsminister Seehofer bei einem Besuch am 17. März im ARZ Darmstadt fest, daß die Apotheker im Bereich Telematik allen anderen Marktpartnern deutlich voraus seien.

Fortschritte sieht Keller auch bei der Entwicklung des elektronischen Rezeptes, daß nach der Jahrtausendwende das konventionelle Rezept ablösen soll. Die ABDA habe eine Arbeitsgruppe Telematik aufgebaut, die auch die notwendigen Module, wie multifunktionale Terminals, elektronische Berufsausweise und Smart-Karten entwickelt.

Das ABDA-Projekt für das elektronische Rezept stoße bei Politikern und Behörden auf große Akzeptanz, sagte Keller. Und Staatssekretär Baldur Wagner habe auf dem diesjährigen Euromed-Forum festgestellt, daß dieses Konzept die bisherigen Schwachstellen bei der Rezepterstellung und der Abrechnung beseitigen könne.

Gelassene Reaktion auf EuGH-Urteil

Von der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) erwartet Keller kurzfristig keine größeren Auswirkungen auf die deutschen Apotheken. Die Luxemburger Institution hatte Ende April entschieden, daß Krankenkassen ihren Versicherten Leistungen, die im EU-Ausland erbracht wurden, grundsätzlich erstatten müssen. Trotzdem werden nach Meinung des DAV-Vorsitzenden die Deutschen ihre Medikamente auch weiterhin in den heimischen Apotheken kaufen. Der Versandhandel mit apothekenpflichtigen Arzneimitteln stehe ebenfalls nicht zur Diskussion.

Zum Abschluß seines Vortrages stellte Keller das im Govi-Verlag erschienene Buch über die 125jährige Geschichte des Deutschen Apotheker Verbandes vor und überreichte die ersten Exemplare an die beiden Autoren, den Marburger Universitätsprofessor Dr. Peter Dilg und Elmar Esser, Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit bei der ABDA.

PZ-Artikel von Daniel Rücker, Baden-BadenTop

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