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Brustkrebsstudien flächendeckend ausweiten

04.05.1998
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Brustkrebsstudien flächendeckend ausweiten

Bei der Therapie des Mammakarzinoms scheinen Mediziner ihre Patientinnen mehr oder weniger über einen Kamm zu scheren. Sie hielten sich bisher viel zu sehr an allgemeine Richtlinien, anstatt die Therapiemöglichkeiten individueller auszunutzen, hieß es auf einer von Pharmacia & Upjohn unterstützten Veranstaltung. Nur durch eine individuell abgestimmte Therapie könne die Prognose weiter verbessert werden.

Heute behandeln Ärzte alle Frauen mit Mammakarzinom nach der Operation zusätzlich systemisch, und zwar mit Hormonen, Chemotherapeutika oder beidem. Die Begründung wird aus statistischen Mittelwerten abgeleitet. "Tatsächlich aber ist da ein großes statistisches Rauschen, weil wir nicht wissen, wer profitiert und wer nicht", sagte Professor Dr. Fritz Jänicke, Universitätsfrauenklirtik Hamburg-Eppendorf. 70 bis 80 Prozent der Frauen werden laut Jänicke unnötig oder erfolglos behandelt. Das sind diejenigen Patientinnen, die allein durch die Operation geheilt sind, weil sie nur einen kleinen Tumor haben und der Lymphknoten nicht befallen ist. Um allerdings auch die restlichen 20 bis 30 Prozent zu erfassen - sie sind vorher nicht zu identifizieren -, behandele man alle Patientinnen nach der Operation systemisch, so der Referent.

Jänicke setzt für die Zukunft auf tumorbiologische Faktoren, um die Frauen im Vorfeld zu selektieren. Er stellte eine seit 1993 laufende Studie mit 650 Frauen vor, die an Lymphknoten-negativem Mammakarzinom leiden. Diese Untersuchung zeigt, daß es wahrscheinlich möglich ist, mit tumorbiologischen Faktoren Frauen zu selektieren, die keine adjuvante Therapie benötigen, und solche, die trotz Lymphknoten-negativem Status ein relativ hohes Risiko der Progredienz haben. Jänicke: "So können wir den einen Chemo- und Hormontherapie ersparen und den anderen gezielt eine angepaßte Therapie zukommen lassen."

Forschungsbedarf besteht auch noch darüber, inwieweit die Zahl der befallenen Lymphknoten im axilliären Bereich die adjuvante Therapie bestimmen sollte. Bisher werden alle Mammakarzinom-Patientinnen unabhängig von der positiven Lymphknotenzahl mit CMF (Cyclophosphamid plus Methothrexat plus 5-Fluorouracil) adjuvant therapiert. Inzwischen haben jedoch Studien ergeben, daß nur Patientinnen mit ein bis drei befallenen Lymphknoten davon profitieren.

Liegen vier bis neun befallene Lymphknoten vor, reicht CMF nicht aus. "Die Betroffenen brauchen zukünftig eine dosisintensivierte, aggressivere Therapie", forderte Professor Dr. Rolf Kreienberg von der Universitätsfrauenklinik Ulm. Bei ihnen müßten die Dosis erhöht, die Zyklusintervalle verkürzt oder ein anderer Arzneistoff eingesetzt werden. So haben Anthracycline als CMF-Ersatz gut abgeschnitten. Ob sich die Taxane hierbei behaupten können, ist noch nicht abschließend geklärt.

Kreienberg plädiert dafür, daß möglichst alle Patientinnen flächendeckend in Studien aufgenommen werden. "Allein die Teilnahme an Studien verbessert die Überlebensrate der Frauen signifikant um zehn Prozent." Das spreche für die bessere Therapie und die intensivere psychische Betreuung. Nur durch Studien ließen sich Fortschritte in der Therapie des Mammakarzinoms erzielen, beweise die Geschichte der Krebstherapie. Dänemark gehe mit gutem Beispiel voran, so Kreienberg. Dort nehmen über 90 Prozent aller Patientinnen an Studien teil. Er forderte auch die kleineren Krankenhäuser zur Zusammenarbeit auf.

PZ-Artikel von Elke Wolf, Neu-Isenburg
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