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Mehr als elektronische Post

01.05.2000
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-ComputerpraxisGovi-VerlagWEBMAIL

Mehr als elektronische Post

von Michael Mönnich, Karlsruhe

Nach letzten Schätzungen beträgt die Zahl der E-Mail-Nutzer derzeit weltweit 570 Millionen. Rund ein Drittel davon machen die Kunden so genannter Webmail-Dienste aus. Bei Webmail werden E-Mail über das Worldwide Web verschickt und verwaltet, ein zusätzliches E-Mail-Programm.

Webmail-Dienste sind meist kostenlos und finanzieren sich durch Werbung. Die Anzahl der Anbieter von Webmail-Diensten ist groß, allein in Deutschland gibt es an die 100. Eine Übersicht bietet www.fepg.net/foreign.html. Der größte deutsche Webmaildienst ist GMX. Da im Internet global agiert wird, können Webmaildienste aus allen Ländern genutzt werden. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass in jedem Land unterschiedliche Datenschutzbestimmungen herrschen, nach denen sich die Provider richten müssen. In Deutschland sind sie im Vergleich zu anderen Ländern eher restriktiv und können eingeklagt werden.

Ein Webmaildienst bietet in der Regel ähnliche Funktionen wie jede andere E-Mail-Software, die auf dem PC installiert wird: Senden und Empfangen von Nachrichten, Verwalten der E-Mail in Ordnern und Anlegen von Signaturen, Anlegen von Adressbüchern. Im Gegensatz zu herkömmlichen E-Mail-Programmen können die Webmail-Server von jedem beliebigen Computer aus angewählt werden. Der Nutzer ist deshalb nicht mehr auf seinen eigenen Arbeitsplatz angewiesen, sondern kann mit einem Webbrowser überall seine Mails abrufen und versenden.

Ein weiterer Vorteil ist es, griffige und einprägsame Namen zu nutzen: meier@web.de statt 4710815@zr2-net.de. Der Webmail-Account muss dabei nur entsprechend konfiguriert werden, dass alle an meier@web.de gerichtete Email an die ursprüngliche Adresse 4710815@zr2-net.de weitergeleitet wird. Zudem können mehrere Accounts angelegt und damit verschiedene Zugänge realisiert werden. Wer dies tut, kann seine privaten und geschäftlichen E-Mails trennen. Beide Adressen meier@web.de und neue-apo@web.de werden an 4710815@zr2-net.de weitergeleitet, an der Anschrift ("To:") ist aber erkenntlich, welche E-Mails privat und welche geschäftlich sind.

Sehr nützlich ist eine Weiterleitung über Webmail für das Austesten von Internetangeboten, die das Angeben einer E-Mail-Adresse verlangen, wobei die Gefahr besteht, dass diese Adresse ungefragt an Werbeagenturen weitergegeben wird und dann eine Lawine von WerbE-Mails losbricht. In diesem Fall kann die Weiterleitung einfach unterbrochen werden. Außerdem bieten viele Webmail-Dienste mehr oder weniger wirksame Mechanismen für das Ausfiltern von unerwünschten WerbE-Mails (Antispamming). Manche Dienste unterstützen darüber hinaus auch zusätzliche Sicherheitsmerkmale wie Verschlüsselung und elektronische Unterschrift mittels PGP-Signatur.

Sicherheitsrisiken

Bei allen Vorteilen gibt es auch Nachteile: Da die E-Mail-Korrespondenz nicht auf dem eigenen Rechner, sondern beim Webmailanbieter liegt, besteht en Sicherheitsrisiko. Für vertrauliche Informationen sind Webmaildienste daher ungeeignet. Hinzu kommt, dass Webmailserver ein beliebtes Ziel für Hacker sind, wie im letzten Jahr der Microsoft-Dienst Hotmail.com.

Der Zugriff auf die eigene Webmail ist über eine User-ID - in der Regel die Webmail-Adresse - und ein Passwort geschützt. Da die Webmail-Adresse jeder kennt, der eine Mail erhält, bleibt als einziger Schutz das Passwort. Dieses sollte daher nicht zu simpel sein und der Besitzer der Adresse sollte tunlichst nicht dasselbe Passwort wie für das eigene Online-Banking oder andere kritische Dienste verwenden.

Die Registrierung ist einfach, meist reicht es aus, ein Web-Formular auszufüllen. Dabei müssen persönliche Daten angegeben werden. Man sollte hier nicht absichtlich falsche Angaben machen, aber auch keine vermeidbaren Zusatzinformationen abliefern, wie Angaben zu Hobbys, Jahreseinkommen und Anzahl der Kinder.

Unified Messaging Services

Um sich im globalen Wettbewerb der zahlreichen Webmail-Anbieter hervorzutun, bieten immer mehr Anbieter auch Unified Messaging Lösungen (UMS) an. Die Grundidee des Unified Messaging ist es, verschiedene Kommunikationsdienste unter einer Benutzeroberfläche zu vereinen. Eine Unified Messaging Lösung integriert derzeit folgende Systeme: E-Mail, Fax, Pager beziehungsweise SMS (Short Message Service) und Anrufbeantworter - neudeutsch Voicebox.

Der Nutzer erhält vom Webmail-Provider eine "Telefon"-Nummer, über die Fax, SMS und Telefonanrufe eingehen. Alle drei Nachrichtentypen werden an die Webmail-Adresse weitergeleitet und erreichen den Empfänger als Email. Im Fall von Faxen enthält die E-Mail eine JPEG-oder GIF-Grafikdatei als Anhang, eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter erscheint als WAV-Datei.

Anbieter von UMS-Diensten sind zum Beispiel Jfax.de, GMX.de, Web.de, Smartmessage.de, DirectBox.com oder Callwave.com. Die Preise sind sehr unterschiedlich. Teilweise werden Grundgebühren zwischen 5 und 25 DM monatlich erhoben, einige Anbieter finanzieren sich ausschließlich über Werbung und verzichten auf Grundgebühr, wie Web.de, DirectBOX.com oder der US-Anbieter Callwave.com. Neben Preis und Leistungsumfang sollte man auch die Seriosität der Firma sowie deren Bekanntheit berücksichtigen. Eine Übersicht findet man unter http://www3.bda.de/hns/quelle/jtips/fax.htm. Der Autor selbst nutzt Web.de und GMX und hat bislang keine schlechten Erfahrungen gemacht.

Webmail- und UMS besitzen das Potenzial, in Zukunft das Internet und andere Informationsmedien zu vereinen und können unter Beachtung der möglichen Risiken dazu beitragen, das Leben im Cyberspace angenehmer zu machen. Top

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