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Aufruf zur Mitarbeit bei der Datenerfassung

20.04.1998  00:00 Uhr

-Politik

Govi-Verlag

Aufruf zur Mitarbeit bei der Datenerfassung

Das Erkennen und Lösen arzneimittelbedingter Probleme bildet den Schwerpunkt der Pharmazeutischen Betreuung. Patienten müssen bei der Arzneimittelanwendung systematisch begleitet werden, damit rasch ein Heilungserfolg oder die Linderung von Beschwerden eintreten und die Lebensqualität verbessert wird. Im individuellen Betreuungsprozeß auftretende Probleme verlangen dabei nach einer Systematisierung, die die Identifikation der Probleme erleichtert und eine computergestützte Dokumentation ermöglicht.

Arzneimittelbezogene Probleme resultieren aus unzweckmäßigen Anwendungsempfehlungen.Sie sind entweder stoffgebunden (beispielsweise ein nichtberücksichtigtes Allergiesierungspotential) oder patientenbedingt (unzureichend verstandene Anwendungshinweise). Unerkannt gefährden sie unter Umständen den Patienten oder mindern den Effekt der Pharmakotherapie. Außerdem verursachen sie zusätzliche Kosten.

Aus diesem Grund ist es wichtig, Apotheker und Ärzte stärker für arzneimittelbezogene Probleme zu sensibilisieren und Hilfsmittel schon während des Verordnungs- oder Abgabevorgangs bereitzustellen. Ein erster Schritt dazu ist eine Klassifizierung von möglichen Problemen. Sie erleichtert die Identifizierung und ermöglicht eine Dokumentation.

Klassifizierung und Kodierung der Probleme

Eine Klassifizierung von arzneimittelbezogenen Problemen kann entweder aufgrund pharmakologischer Kenntnisse und Überlegungen oder auf der Basis empirischer Studien vorgenommen werden. Sofern sie nicht durch empirische Erhebungen gestützt wurden, können sich bei ihrem Einsatz Probleme hinsichtlich der Praktikabilität ergeben. Deshalb sollten zunächst Prämissen formuliert werden, die der Entwicklung eines eigenen Klassifizierungssystems zugrunde gelegt werden müssen:

o Das Klassifizierungssystem sollte für wissenschaftliche Studien einen ausreichenden Differenzierungsgrad aufweisen und zweckmäßig strukturiert sein.

o Es muß rechnergängig sein und aus zwei Klassifizierungsebenen bestehen: der Hauptgruppenebene, die nach Vereinbarung möglichst unverändert beibehalten wird, und einer darunterliegenden Problemebene, die bei Bedarf eine Ergänzung ermöglicht.

o Die Bezeichnung der Hauptgruppen und die Zuordnung von einzelnen Problemgruppen sollte so erfolgen, daß ein auftretendes Problem möglichst eindeutig klassifiziert werden kann.

Diese Vorgaben beinhalten, daß neben wissenschaftlichen Erkenntnissen auch empirische Ergebnisse in das Klassifizierungsverfahren eingehen sollten, um sowohl die Praktikabilität als auch die Akzeptanz entsprechender Vorschläge in der Praxis zu erhöhen. Aus diesem Grunde wurde bereits 1995 eine Studie zur Erfassung arzneimittelbezogener Probleme in Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt, die über ein Spontanmeldesystem Hinweise zu den hauptsächlich auftretenden arzneimittelbezoqenen Problemen geben konnte.

Ein derartiges Spontanmeldesystem mit seinerzeit 632 ausgewerteten Meldungen ermöglicht keine Aussagen über die Häufigkeit der erfaßten in bezug zu den tatsächlichen aufgetretenen Problemen. Es läßt aber erkennen, wo gegenwärtig die Schwerpunkte der Phannazeutischen Betreuung liegen. Daraus ergibt sich wiederum, daß aus der Struktur der identifizierten Probleme im zeitlichen Vergleich auf Veränderungen in der Betreuung zurückgeschlossen werden kann, wenn jeweils ein vergleichbares Klassifizierungssystem zugrundegelegt wurde. Außerdem kann durch die wirkstoffbezogene Auswertung der Daten festgestellt werden, welche Probleme bei welchen Arzneimitteln mit besonderer Häufigkeit auftreten. Damit werden zum einen Apotheker gezielt für bestimmte Probleme sensibilisiert, zum anderen kann Herstellern ein Feedback zu einer möglichen Optimierung ihrer Produkte gegeben werden.

Aufruf zur Mitarbeit

Statistische Angaben gewinnen durch die Einbeziehung möglichst vieler Daten an Aussagekraft. Deshalb möchten wir möglichst viele Apotheker in die Erfassung und Spontanmeldung von arzneimittelbezogenen Problemen einbeziehen, um folgende Ziele zu erreichen:
o Die Erfassung und Aufbereitung von empirischem Material, das einen möglichst guten Aufschluß über Art und Umfang der gegenwärtig besonders häufig auftretenden Probleme gibt.
o Durch Daten belegte und damit überzeugende Darstellung der Leistungen, die schon heute in den Apotheken im Rahmen der Pharmazeutischen Betreuung erbracht werden.
o Validierung der vorgeschlagenen Klassifizierung hinsichtlich ihrer Praktikabilität

Das hier vorgeschlagene Klassifizierungssystem soll als Anregung zur Erkennung konkreter Probleme dienen, indem es auf die bislang bekannten Probleme aufmerksam macht. Gleichzeitig soll untersucht werden, ob die beschriebenen Probleme den Hauptgruppen korrekt zugeordnet sind und ob wichtige Einzelprobleme vergessen wurden. Um dies beurteilen zu können, haben wir einen Dokumentationsbogen (in der Druckausgabe der Pharmazeutischen Zeitung oder bei der Autorin anzufordern) zur Erfassung arzneimittelbezogener Probleme entwickelt. Was dokumentationswürdig ist, entscheiden die teilnehmenden Apotheker selbst.

Anhaltspunkte:

*unzweckmäßige Wahl eines Arzneimittels (wie Arzneimittel für die Indikation ungeeignet, physiolgische Kontraindikation nicht berücksichtigt oder fehlende Applikationshilfen)
* unzweckmäßige Anwendung durch Patienten/Compliance (wie mangelndes Wissen über die korrekte Applikation, Handhabungsprobleme des Patienten oder unzweckmäßiges Dauer der Anwendung)
* unzweckmäßige Dosierung (wie Patient kennt seine Dosierung nicht, keine Stärke angegeben, wenn mehrere Stärken verfügbar, unzweckmäßige Dosierungsintervalle)
* Arzneimittelinteraktionen (wie Symptome einer Interaktion, Hinweis auf eine Interaktion durch die Literatur oder Angst des Patienten vor einer Interaktion)
* unerwünschte Arzneimittelnebenwirkungen (wie Angst des Patienten vor unerwünschten Arzneimittelnebenwirkungen, Medikationsstop aufgrund einer nicht akzeptablen Unverträglichkeit)
* patientbezogene Probleme (wie begrenztes Wissen über die Art der Erkrankung, Patient erhält trotz bestehender Indikation kein Arzneimittel, unzweckmäßiger Lebensstil des Patienten)
* kommunikationsbezogene Probleme (Text der Packungsbeilage zu schwierig, falsch verarbeitete Information von anderen Gesundheitsanbietern)
* technische und logistische Probleme (Verordnung erfolgte für falschen Patienten, Probleme mit Krankenkassen oder unvollständig ausgefülltes Rezept

Informationen sollten über distributive oder administrative Probleme (verordnetes Arzneimittel außer Handel. Arzneimittelname falsch geschrieben, fehlende Packungsgröße et cetera) hinausgehen. Dazu wird in den meisten Fällen ein Kontakt mit den verordnenden Ärzten notwendig sein.

Bitte schicken Sie die ausgefüllten Bögen an folgende Adresse zurück: Dr. Marion Schaefer, Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Pharmazie, Goethestraße 54, 13086 Berlin, Fax: 030/4674243). Die Bögen müssen besonders sorgfältig und gut leserlich ausgefüllt werden, da sonst wichtige Informationen verlorengehen können. Name und Anschrift der einsendenden Apotheke können, müssen aber nicht angegeben werden. Die Nennung von Fax- oder Telefonnummer wäre für eine eventuell notwendige Rücktrage jedoch nützlich.

Die Entwicklung eines computergängigen Klassifizierungssystems ist ein weiterer Baustein der Pharmazeutischen Betreuung, mit der die Apotheken nicht nur ihre Unverzichtbarkeit bekräftigen, sondern auch konkret mit Zahlen und Daten belegen.
PZ-Artikel von Marion Schaefer, Berlin
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