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Sulpirid, Quereinsteiger bei den Antidepressiva

13.04.1998
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Govi-Verlag

Sulpirid, Quereinsteiger bei den Antidepressiva

Die Gabe von Cholecalciferol-Derivaten wird bei der Behandlung von Osteoporose unterschiedlicher Genese immer wichtiger. Aktuelle Untersuchungen schreiben dem Vitamin-D-Metaboliten 1,25-Dihydroxy-Cholecalciferol Hormoncharakter zu. Über neue Erkenntnisse einer physiologischen Therapie von Osteoporosen informierte eine Presseveranstaltung der Byk Tosse GmbH in Frankfurt.

"Eigentlich ist die Bezeichnung Vitamin für Derivate des Cholecalciferols nicht korrekt", so Dr. Klaus Abendroth, Jena, in seinem einleitenden Vortrag. Der Körper kann sich unter normalen Lebensbedingungen, das heißt beim Leben in freier Natur mit entsprechender Sonnenexposition und ausgewogener Ernährung, eigenständig mit der Verbindung versorgen. Die Ausgangssubstanz, Cholesterol, wird dabei im menschlichen Organismus mehrfach umgewandelt, um schließlich als 1,25-Dihydroxy-Derivat des Cholecalciferols seine höchste Wirksamkeit zu entfalten. Lediglich streng vegetarische Kost und ein Leben überwiegend in geschlossenen Räumen erfordern die Substitution des D-Vitamins.

Die Bereitstellung von Cholecalciferol ist die Basis für den Aufbau von regulativ wirkendem 1,25-Dihydroxy-Cholecalciferol. Zunächst bildet der Organismus ein 25-Hydroxy-Derivat als Depotform in der Leber. Die Verbindung wird zur weiteren Verwendung als Pool in den Fettspeichern bereitgehalten. Diese Vorratswirtschaft sei wichtig, so Abendroth, um den Körper während der lichtarmen und kalten Wintermonate ausreichend zu versorgen.

Erst bei Bedarf wandelt der Organismus das Monohydroxy-Derivat in das extrem wirksame Dihydroxy-Cholecalciferol um. Der reine Hormoncharakter dieser Verbindung,das heißt Wirkungen schon im Mikrogrammbereich und ein rascher Metabolismus, rechtfertigen die Bezeichnung Vitamin-D-Hormon, so Abendroth. Mit einem Rezeptor-induzierten Effekt auf Zellen in Darm, Knochen und Nebenschilddrüse, die an der Regulation des Calcium-Phosphat-Haushaltes beteiligt sind, spielt Vitamin-D-Hormon eine entscheidende Rolle bei der Zellreifung und der Ausprägung zellulärer Funktionen.

Postmenopausale und geriatrische Osteoporose

In der jüngsten Vergangenheit seien bemerkenswerte Fortschritte zum Verständnis der Pathogenese verschiedener Osteoporosen erzielt worden, so Dr. Erich Schacht, Leiter der Geschäftseinheit "Bone" bei Byk Gulden, Lomberg. Bisher unterschied die Nomenklatur, aufbauend auf pathogenetischen Mechanismen, die Erkrankungsformen vom Typ I und II. Die postmenopausale Osteoporose (Typ I) kennzeichnet eine Kombination aus niedriger maximaler Knochendichte (peak bone mass) und erhöhten Knochenverlusten. Ursache, so Schacht, sei ein Estrogendefizit. Eine verringerte Osteoklastenapoptose, die verstärkte Bildung von sogenannten Killerosteoklasten, Interleukin 1 und 6 sowie TNF-alfa führen zu einer frühzeitigen Verschlechterung der Knochenqualität und einer Erhöhung der Wirbelkörperfrakturrate.

Im Gegensatz dazu stehen bei der Typ-II-Osteoporose Alterungsvorgänge im Mittelpunkt. Vitamin-D-Mangel durch einseitige Ernährung, fehlende Sonnenexposition, Calciummangel sowie die Abnahme der Calcitriolrezeptoren im Intestinum führen zu einem sekundären Hyperparathyeroidismus. Neben den Wirbelfrakturen (Spongiosa) treten bei der Typ-II-Osteoporose zusätzlich Schenkelhalsfrakturen (Kompakta) auf.

Slow- und Fast-bone-loser


Um die Klassifizierung zu verbessern, wird inzwischen international anhand der Schlüsselbegriffe Knochendichte, -dichteverlust und -struktur die Pathogenese charakterisiert. Die Typen I und II ersetzen heute sogenannte Fast- und Slow-bone-loser. Kliniker unterscheiden demnach zwischen Patienten, die schnell oder langsam Skelett verlieren. Die Berechtigung für diese Einteilung sieht der Züricher Professor Dr. Maximillian Dambacher darin, daß bei der Behandlung der Osteoporose zwischen Knochenanbau stimulierenden und den Knochenabbau hemmenden Substanzen differenziert wird. "Die Abbaubremser (Antiresorptiva) sind vor allem bei Fast-bone-losern wirksam. Stimulierende Wirkstoffe (Anabolika) werden bei Slow-bone-losern eingesetzt."

Bislang war es unklar, ob Vitamin-D-Metaboliten nur den Knochenanbau stimulieren oder auch antiresorptiv wirken", so Dambacher. In Zürich behandelte man deshalb mehr als 50 Patientinnen über einen Zeitraum von sieben Monaten mit Tagesdosen von 1 µg Alfacalcidol oder 0,5 µg Calcitriol. Bei allen Fast-loser-Patientinnen konnten Spongiosa behoben werden, so Dambacher. Als mögliche Erklärung dieses antiresorptiven Effektes nannte er die Beeinflussung des sekundären Hyperparathyreoidismus, eine direkte Wirkung auf die Empithelkörperchen, auf Zytokine sowie eine Estrogen-ähnliche Wirkkomponente des Vitamin-D-Derivats.

PZ-Artikel von Ulrich Brunner, Frankfurt
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