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Qualität belegen

13.04.1998
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-Editorial

Govi-Verlag

Qualität belegen

von Dr. Hartmut Morck
Chefredakteur


Zur Zeit boomen die Veranstaltungen über Phytpoharmaka. Mindestens zwei Einladungen pro Woche flattern der PZ-Redaktion ins Haus. Dazu bieten Kammern und Verbände, sowie wissenschaftliche Gesellschaften wie die APV, DPhG, Gesellschaft für Phytotherapie und eine Reihe von Phytopharmakahersteller Ärzten und Apothekern eine Vielzahl von Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen zu diesem Themenkreis an.

Warum dieser Aktivismus? Bleibt eventuell bei der Vielzahl der Angebote die Objektivität der Bewertung von Phytopharmaka auf der Strecke?

Natürlich geht es um Marktanteile im langsam wachsenden Selbstmedikationsmarkt, es geht aber auch darum, den Stellenwert der pflanzlichen Produkte in der Arzneimitteltherapie mit schulmedizinischen Anspruch zu festigen, den scheinbaren Mantel der alternativen Therapie abzustreifen und sich damit nicht in einen Topf mit homöopatischen und anthroposophischen Arzneimittel werfen zu lassen.

Gerade dieser Anspruch setzt voraus, daß man mit harten klinischen Daten die Wirksamkeit nachgewiesen hat und mit entsprechenden Informationen belegen kann, daß die pharmazeutische Qualität der Fertigarzneimittel von Charge zu Charge konform ist. Erst wenn diese beiden Voraussetzungen geschaffen sind, sollten sich die Apotheker davon überzeugen lassen, das entsprechende Arzneimittel zu empfehlen.

Der zum Teil öffentlich geführte akademische Streit über Wirkprinzipien beziehungsweise Wirksubstanzen oder Leitsubstanzen nützt nicht bei der Bewertung der Qualität eines Phytopharmakons in der Apothekenpraxis - insbesondere im Vergleich zu anderen. Viel wichtiger ist es, mit validen klinischen Studien die Wirksamkeit belegt zu haben. Das dürfen auch Anwendungsstudien sein, die allerdings eine ausreichende Zahl an Patienten eingeschlossen haben und die von der Fragestellung her plausibel erscheinen. Studien mit 20 Patienten, zum Teil als randomisiert und doppelblind kontrolliert deklariert, sind dazu nicht geeignet, werden aber immer öfter den Apothekern als Verkaufs- beziehunsgweise Entscheidungshilfen unaufgefordert zugeschickt. Es ist daher wichtig, für den Apotheker Bewertungsraster zu erstellen, um nicht reinen Marketingstricks aufzusitzen. Die Pharmazeutische Zeitung hat sich deshalb mit einem Autorenteam aus der Universität Würzburg und dem ZL zum Ziel gesetzt, den Apothekerinnen und Apothekern mit entsprechenden Publikationen weiterzuhelfen.

Es muß auch im Interesse der Hersteller sein, die Phytopharmaka mit seriösen Informationen am Markt zu plazieren, um nicht den Kritikern neues Pulver für ihre zum Teil ideologischen Angriffe gegen die Phythos zu liefern. Dabei sollte man auch über Indikationsansprüche neu nachdenken. In einigen Fällen sind sie aus meiner Sicht viel zu hoch geschraubt und weder durch klinische Daten belegbar, noch mit der Definition eines milden Arzneimittels verträglich.

Die Diskussion über Phytopharmaka sollte seriös geführt werden und dazu wird die PZ ihren Beitrag leisten, ansonsten besteht die Gefahr, daß sie auch unter dem Harmonisierungsgedanken über kurz oder lang bei den Nahrungsergänzungsmitteln laden. Damit wäre weder den Apotheken noch den Herstellern gedient. Top

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