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PZ Nachrichten

12.04.1999
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PZ Pharmazeutische ZeitungGovi-VerlagPZ +++ Nachrichten +++   13.04. Infektionen schützen vor Allergie
dpa. Eine frühe Aufnahme von Einzelkindern in eine Kinderkrippe schützt vor Allergien. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler des Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg bei München. Sie hatten im Schuljahr 1992/93 eine umweltmedizinische Langzeituntersuchung mit 2000 Kindern im Alter von fünf bis 14 Jahren vorgenommen. Die Forscher konnten einer Mitteilung vom Dienstag zufolge zeigen, daß Kinder, die erst ab einem höheren Alter eine Krippe besuchten, häufiger eine allergische Sensibilisierung, Heuschnupfen und Symptome einer Allergie hatten als Kinder, die schon ab sechs Monaten eine Krippe besuchten. Bei Kindern, die erst mit zwei Jahren in eine Krippe kommen, sei die Wahrscheinlichkeit fast dreimal so hoch, auf einen Allergietest zu reagieren. Nach Ansicht der Wissenschaftler holen sich Kinder in Krippen häufiger leichte Infektionskrankheiten, die zu einer Stärkung des Immunsystems führen. Die Erkenntnisse hätten deshalb nur für Einzelkinder Geltung, da Kinder aus Familien mit Geschwistern einer Übertragung von Infektionskrankheiten auch zu Hause ausgesetzt seien. Die Ergebnisse der Studie wurden in der britischen Fachzeitschrift "The Lancet" (Nr. 353/1999, S. 450-454) veröffentlicht.

12.04. Zahnärzte demonstrieren in Bonn
dpa. Nach den Kassenärzten wollen auch die Zahnärzte gegen die Bonner Gesundheitspolitik auf die Straße gehen. Für diesen Freitag hat die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) zu einer "Großkundgebung gegen Zuteilungsmedizin und Behandlungseinschränkung" in Köln aufgerufen. Die BZÄK erwartet nach Angaben vom Montag mehrere tausend Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet. Die Zahnärzte wollen dabei eine Resolution gegen die Bonner Pläne für das Gesundheitswesen verabschieden. Außerdem will die BZÄK zu einer Hilfsaktion zugunsten der Kosovo-Flüchtlinge aufrufen. Im Dezember hatten bereits die Kassenärzte gegen die Bonner Gesundheitspolitik protestiert. Zehntausende Arztpraxen blieben damals geschlossen.

11.04. Mehr resistente Tuberkulosestämme
dpa. Die Zahl der Tuberkulose-Patienten (Tbc) in Deutschland, bei denen Antibiotika nicht mehr wirken, nimmt allmählich zu. Das berichtete der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), Professor Dr. Volker Diehl. Vor allem bei Obdachlosen, Einwanderern aus Osteuropa oder Afrika und bei Menschen, die viel reisten, fänden sich immer häufiger resistente Tbc-Stämme. "Wir müssen vorsichtiger mit dem nicht-notwendigen Gebrauch von Antibiotika umgehen", forderte der Mediziner seine Kollegen auf. Zudem müsse der Antibiotika-Gebrauch in der Tiermast verringert werden. Etwa 1,7 Prozent der Tbc-Patienten in Deutschland seien gegen mehrere Antibiotika resistent, hatte der Berliner Mediziner, Professor Dr. Robert Loddenkemper vor einigen Wochen epidemiologische Untersuchungen zitiert. Mit drei Millionen Toten pro Jahr gilt die Tbc weltweit als gefährlichste Infektionskrankheit. Resistente Stämme seien in Osteuropa, den Entwicklungsländern und in den Slums amerikanischer Großstädt weit verbreitet, betonte Diehl. "Sie finden sich aber zunehmend auch bei uns." Obdachlose und Alkoholiker seien wegen ihrer mangelhaften Ernährung und den hygienischen Bedingungen, unter denen sie lebten, besonders stark betroffen. Viele junge Menschen brächten Tbc von Fernreisen nach Indien, Südamerika oder Afrika mit.

11.04. DGB-Vizechefin für Positivliste
dpa. Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Ursula Engelen-Kefer, hat sich in einem Schreiben an Andrea Fischer für die Positivliste bei Arzneimitteln eingesetzt. Es sei richtig, daß die gesetzlichen Krankenversicherungen den Arzneimittelkatalog prüfen und unwirtschaftliche Medikamente aus ihrer Finanzierung nehmen, betonte Engelen-Kefer am Sonntag in Düsseldorf. Den Versicherten würden dennoch "ausreichende und zweckmäßige Leistungen" zur Verfügung gestellt. Mit dem Brief an die Ministerin reagierte die Gewerkschafterin auf die Entscheidung des Landgerichts Hamburg, die Arzneimittelrichtlinien wegen kartellrechtlicher Bedenken vorläufig zu stoppen. "Es muß vermieden werden, daß Einzelinteressen Vorrang verschafft werden kann, während gleichzeitig in gemeinsamer Kraftanstrengung versucht wird, unsere soziale Krankenversicherung und unser Gesundheitswesen zu reformieren", betonte Engelen-Kefer. Ziel sei immer, "die finanziellen Belastungen für Versicherte und Arbeitgeber im Rahmen zu halten und die Qualität der Versorgung beizubehalten und zu verbessern".

09.04. Genmutation verursacht Bluthochdruck
dpa. Patienten mit einer bestimmten Genveränderung haben einer Studie zufolge ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck. Das haben Wissenschaftler der Universitäten Essen und Regensburg in einer gemeinsamen Untersuchung nachgewiesen. Ein Zusammenhang zwischen Genveränderung und Bluthochdruck könne zumindest bei der weißen Bevölkerung als bewiesen gelten, teilte Professor Dr. Winfried Siffert vom Institut für Pharmakologie des Universitätsklinikums Essen am Freitag mit. Nun wollen die Forscher herausfinden, ob das veränderte Gen zunächst für Übergewicht sorgt und sich daraus Bluthochdruck entwickeln kann. Die Wissenschaftler fanden dabei heraus, daß Menschen mit dem veränderten Gen ein 1,8fach erhöhtes Risiko für Bluthochdruck tragen. Das Gen könne auch zu einer Form des Hochdrucks führen, die nicht ganz einfach zu therapieren sei, teilte Siffert weiter mit. Das Risiko, mehr als ein Medikament für die Behandlung zu benötigen, war bei Hochdruckpatienten mit dem veränderten Gen dreimal höher. Australische Forscher bestätigten bei einer Untersuchung von 110 Patienten mit vererbtem Bluthochdruck eine Anhäufung des mutierten Gens gegenüber Menschen mit normalen Blutdruckwerten.

09.04. Handy-Benutzer reagieren schneller
dpa. Die Benutzung von Mobiltelefonen hat nach einer britischen Studie keine negativen Auswirkungen auf die Konzentration und das Kurzzeitgedächtnis. Handystrahlen könnten sogar die Reaktionsfähigkeit leicht erhöhen. Wissenschaftler der Universität Bristol stellten zudem eine "milde Erwärmung" von Teilen des Gehirns fest, deren Langzeitwirkung noch weiterer Untersuchungen bedürfe. Das Ergebnis der Studie unter Leitung von Professor Alan Preece wurde am Donnerstag im Fachmagazin "International Journal of Radiation Biology" veröffentlicht. Die von der britischen Regierung finanzierte Studie gilt als wesentlicher Bestandteil europaweiter Untersuchungen zum Handy. Das Team unter Preece hatte zwei Gruppen von insgesamt 36 Testteilnehmern über Kopfhörer Mikrowellenstrahlungen für eine Dauer von jeweils 30 Minuten ausgesetzt. Dabei habe sich die Reaktionsfähigkeit der Teilnehmer in visuellen Computertests mit "Ja" und "Nein"-Tasten um vier Prozent erhöht. Andere britische Forscher kritisierten die Studie jedoch wegen der geringen Teilnehmerzahl.

09.04. Krebs häufig durch Infektionen
dpa. 25 bis 40 Prozent aller Krebserkrankungen sind möglicherweise auf Viren und Bakterien zurückzuführen. Das sagte der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), Professor Dr. Volker Diehl, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vor Beginn des Internistenkongresses in Wiesbaden. "Die deutsche Innere Medizin muß sich dringend wieder um die Infektiologie kümmern." Infektionen werden Diehl zufolge beispielsweise für die Hodgkinsche Krankheit verantwortlich gemacht - eine Krebs-Erkrankung vor allem in den Lymphknoten und der Milz. Papilloma-Viren, die beim Sex übertragen werden, lösten möglicherweise nicht nur Gebärmutterhalskrebs, sondern auch Genitalkrebs bei Männern und Hautkrebs aus. Zudem gibt es nach Darstellung des Kölner Experten Anhaltspunkte dafür, daß diese Viren an der Entstehung von Lungen-, Speiseröhren-, Blasen- und Darmkrebs beteiligt sind. Ein neu entdecktes Herpes-Virus (HHV8) sei möglicherweise der Auslöser von Hauttumoren bei Aids-Patienten, sagte Diehl, der an der Universität zu Köln arbeitet.

08.04. Viagra in Deutschland ein Renner
dpa. Die Potenzpille Viagra steuert auch auf dem deutschen Pharmamarkt weiter auf Erfolgskurs. Seit der Einführung vor sechs Monaten seien in der Bundesrepublik schon rund 2,5 Millionen Tabletten für etwa 300.000 Patienten verschrieben worden, teilte die Pfizer GmbH am Donnerstag in Karlsruhe mit. Das Medikament spreche bei 70 Prozent der Patienten an. Nach Darstellung des Unternehmens haben bisher 70 Prozent aller Hausärzte und fast alle Urologen in Deutschland das Medikament eingesetzt, das am 27. März 1998 in den USA erstmals zugelassen wurde. Damit gehöre Viagra zu den bisher erfolgreichsten Neueinführungen auf dem Pharmamarkt. In den USA verwenden nach Herstellerangaben derzeit rund vier Millionen Betroffene die Pille mit dem Wirkstoff Sildenafil; durchschnittlich kämen pro Woche etwa 70.000 Patienten hinzu.

07.04. Fusion Astra/Zeneca perfekt
dpa. Als neues Schwergewicht auf dem internationalen Pharmamarkt tritt der britisch-schwedische Konzern Astra-Zeneca an. Mit der Zustimmung der Astra-Aktionäre sei die seit Monaten geplanten Fusion der Zeneca Group plc (London) mit der Astra AB (Södertälje) unter Dach und Fach, teilte die deutsche Zeneca GmbH am Dienstag in Plankstadt mit. Laut Zeneca ist die neue Astra-Zeneca plc mit Sitz in London der drittgrößte Pharmakonzern der Welt. Zusammengerechnet hätten die beiden Unternehmen 1998 nach Zeneca-Berechnungen einen Umsatz von 17,2 Milliarden US-Dollar (31 Milliarden DM) erzielt. Mit dem Jawort von mehr als 90 Prozent der Astra-Aktionäre zu der Pharmaehe sei der letzte Schritt bei der Fusion vollzogen, sagte ein Sprecher der deutschen Zeneca GmbH in Plankstadt. Am vergangenen Donnerstag hatten die Anteile der beiden Unternehmen einen Börsenwert von etwa 81 Milliarden Dollar. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen ein Einsparpotential von etwa 1,1 Milliarden Dollar realisieren, sagte der Sprecher. Weltweit sollten über die nächsten drei Jahre etwa 6000 von 54000 Stellen eingespart werden. In der Bundesrepublik haben beide Unternehmen zusammen etwa 2000 Angestellte. Detailplanungen für Deutschland lägen noch nicht vor, sagte der Sprecher. Erwogen wird der Verkauf der Zeneca-Sparte Spezialitäten mit seinen weltweit rund 5500 Mitarbeitern.

07.04. Schwarz Pharma mit 1998 zufrieden
PZ/dpa. Die Schwarz Pharma AG (Monheim/Rheinland) befindet sich weiter auf Wachstumskurs. Der Geschäftsbericht für 1998 weise für die Schwarz-Pharma-Gruppe einen Umsatzanstieg von 4,8 Prozent auf gut 1,3 Milliarden Mark aus, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Bereinigt um Firmenverkäufe habe das Wachstum 8 Prozent betragen. 30 Prozent (1997: 26 Prozent) der Umsätze seien in den USA erzielt worden. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit konnte überproportional zum Umsatz um 6,3 Prozent auf 250 Millionen DM gesteigert werden, hieß es weiter. Bereinigt um nicht wiederkehrende Erträge 1997 habe der Anstieg sogar bei 12 Prozent gelegen. Im ersten Quartal 1999 erreichte das Umsatzwachstum 4,7 Prozent. Das Ergebnis der ersten drei Monate werde durch die Kosten der Einführung eines neuen Antihypertonikums in den USA belastet, so das Unternehmen. Für das Gesamtjahr erwartet Schwarz Pharma eine Steigerung des Umsatzes um 3 bis 5 Prozent, wobei das zu erwartende rückläufige Ergebnis durch Erlöse aus dem Verkauf des Generikageschäftes mehr als ausgeglichen werden soll.

07.04. Parkison-Früherkennungskampagne
dpa. Mit einer Informations-Kampagne in zehn Städten will die Deutsche Parkinson Vereinigung (dPV) die Früherkennung der neurologischen Erkrankung verbessern helfen. Anlaß ist der Deutsche Parkinson-Tag am Sonntag. Das Infomobil der gemeinnützigen Selbsthilfeorganisation startet am Samstag in Köln. Weitere Stationen der Tour, die bis Juni geht, sind Essen, Dresden, Potsdam, Flensburg, Gera, Frankfurt/Main, Karlsruhe, Hannover und Nürnberg. Im Vordergrund stehen dabei die Partner der Patienten, weil Parkinson-Kranke besonders auf Hilfe angewiesen seien, wie die dPV am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Schirmherr ist Ulrich Wickert (ARD/Tagesthemen). Rund 250.000 Bundesbürger leiden nach Darstellung der dPV an Parkinson, aber nur etwa 100.000 werden adäquat behandelt, weil die Krankheit so schwer zu diagnostizieren sei.
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