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Kooperation ist für Forschung notwendig

06.04.1998
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Kooperation ist für Forschung notwendig

Tumorerkrankungen/Endokrinologie, Atemwegserkrankungen/Allergien und Zentrales Nervensystem/Epilepsie - auf diese drei Gebiete konzentriert die Frankfurter Asta Medica ihre Forschungsbemühungen zur Auffindung und Entwicklung neuer Wirkstoffe. Darüber hinaus laufen Bestrebungen, ausgehend von schon existierenden eigenen Wirkstoffen neue Medikamente zu entwickeln und bereits vermarktete Produkte weiterzuentwickeln. Insgesamt 239 Millionen DM wurden für die Forschung und Entwicklung (F&E) bei Asta Medica im vergangenen Jahr aufgewendet.

Entscheidend für die Forschungserfolge sei ein Netz von international ausgerichteten Kooperationen mit Arbeitsgruppen von Universitäten, Großforschungseinrichtungen und Max-Planck-Instituten, sagte Professor Dr. Axel Kleemann, Vorstand F&E, bei der Pressekonferenz in Frankfurt am Main. Auf dem Gebiet der Krebsforschung arbeite Asta mit der US-Biotechnologiefirma Sugen zusammen, zur Entwicklung von Peptid-Arzneistoffen kooperiere das Unternehmen mit der französischen Firma Europeptides und zur Entwicklung gentherapeutischer Methoden in der Onkologie wurde zusammen mit Wissenschaftlern der Frankfurter Uniklinik die MainGen Biotechnologie GmbH gegründet.

LHRH-Antagonist als Hoffnungsträger


Als derzeit größtes Forschungssrojekt stellten Professor Dr. Jürgen Engel, Leiter des Zentralbereichs F&E, und Dr. Hilde Riethmüller-Winzen, Leiterin der Medizinischen Forschung, den LHRH-Antagonisten Cetrorelix vor (LHRH: Gonadotropin-Releasinghormon). Von der Substanz erhofft das Unternehmen therapeutische Einsatzmöglichkeiten sowohl bei Krebserkrankungen als auch bei endokrinen Störungen. Für die Indikation kontrollierte Ovulationsinduktion zur In-vitro-Fertilisation sei bereits die europäische Zulassung bei der EMEA beantragt. Der Antrag für die US-Zulassung soll noch in diesem Jahr folgen.

Die bisherigen Studien mit dem LHRH-Antagonisten an rund 2000 Frauen mit Kinderwunsch lieferten nach Aussage von Riethmüller-Winzen vielversprechende Ergebnisse. Die Wirkung sei vergleichbar mit der der LHRH-Agonisten, die bisher für die kontrollierte ovarielle Stimulation vor In-vitro-Befruchtung eingesetzt werden. Allerdings sei die Behandlungsdauer unter Cetrorelix deutlich kürzer (Einfachgabe von 3 mg oder Mehrfachgabe von 0,25 mg), die Hormondosis und die Nebenwirkungsrate seien niedriger. Die unter den LHRH-Agonisten oft zu beobachtenden Wechseljahrsymptome traten unter Cetrorelix nicht auf.

Die Schwangerschaftsrate lag bei den mit dem LHRH-Antagonisten behandelten Frauen bei 25 Prozent (in der Normalbevölkerung rund 20 Prozent). Mißbildungen seien bei den anschließend geborenen Babies nicht beobachtet worden, so die Referentin.

Auch in der Behandlung der benignen Prostatahyperplasie (BPH) zeigte der LHRH-Antagonist in einer kontrollierten Phase-II-Studie Vorteile gegenüber der gängigen Therapie mit LHRH-Agonisten wie Buselin, berichtete Engel. Bei raschem Wirkeintritt und langer Wirkdauer hätten sich unter Cetrorelix weniger Nebenwirkungen gezeigt; das Prostatavolumen sei unabhängig von der Ausgangsgröße deutlich reduziert worden. Angestrebt ist aus Sicht des Unternehmens eine intermittierende Cetrorelix-Behandlung von BPH-Patienten ein- bis zweimal jährlich über jeweils vier Wochen. Ebenfalls in Phase-II-Studien wird der Einsatz des LHRH-Antagonisten derzeit bei Uterus-Myom, Eierstock- und Prostatakrebs geprüft.

Multidose-Pulverinhalator vor der Markteinführung


Als technologische Innovation bezeichnete Dr. Elisabeth Wolf-Heuss, Leiterin Pharmazeutische Entwicklung bei Asta, einen in Zusammenarbeit mit der niederländischen Universität Groningen und der Degussa AG entwickelten wiederverwendbaren Multidose-Pulverinhalator. Das Gerät soll voraussichtlich 1999 auf den Markt kommen. Obwohl primär für die Inhalation von Asthmatherapeutika entwickelt, sei auch die Applikation anderer Wirkstoffe mit dem Gerät vorstellbar.

Das Gerät gibt eine erfolgreiche Inhalation akkustisch zu erkennen; in einem Display wird die Restdosismenge angezeigt, in einem anderen die Funktionsbereitschaft des Inhalators. Die Applikation einer zweiten Dosis sei erst nach erfolgter Inhalation möglich, hob Wolf-Heuss hervor. Man wolle so panikartige Mehrfachdosierung im Asthmaanfall vermeiden. Neben der Wiederverwendbarkeit und der Umgehung von Treibgas nannte sie als weitere Vorteile die geringe Größe des Inhalators und seine einfache Handhabung.

Glufosamid bei Krebs, Miltefosin bei Leishmaniasis in Prüfung


In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg entwickelte Asta das Zytostatikum Glufosfamid, das derzeit in ersten Studien bei therapierefraktären Tumorpatienten geprüft wird. Dr. Peter Hilgard, Leiter Tumorforschung, stellte die Substanz in Frankfurt vor, räumte aber gleichzeitig ein, daß die bisherigen Erkenntnisse im wesentlichen auf experimentellen Daten beruhen. Das "neuartige Targeting-Konzept" von Glufosfamid soll eine weitestmögliche Tumorselektivität gewährleisten. Die alkylierende Substanz werde, gebunden an Glucose, gezielt über Glucosetransporterkanäle in die Zelle eingeschleust. Asta gehe davon aus, daß diese Kanäle überwiegend tumorspezifisch sind. Zusätzlich soll der erhöhte Glucosebedarf von Krebszellen zur Tumorselektivität des Wirkstoffes beitragen.

Zur Behandlung der dritthäufigsten Tropenerkrankung, der Leishmaniasis, prüft Asta derzeit das Zytostatikum Miltefosin. Zur Behandlung von Hautmetastasen bei Brustkrebspatientinnen hat das Asta-Präparat (Miltex®)bereits eine Zulassung. Das Forschungsprojekt für die Indikation Leishmaniasis erfolge in Kooperation mit der WHO, erklärte Dr. Andreas Voss, Leiter Tumorforschung. Miltefosin sei das erste peroral wirksame Therapeutikum gegen die Protozoenerkrankung. In den USA habe der Wirkstoff für diese Indikation Orphan-Drug-Status.

Mit dem Ergebnis einer indischen Pilotstudie mit Miltefosin ist Voss sehr zufrieden. Nach 28 Tagen seien die Patienten aller Dosisgruppen vorläufig geheilt gewesen, endgültige Heilung (über sechs Monate) habe man dann in den höher dosierten Gruppen (100, 150, 200 oder 250 mg täglich) erzielt; auch bei ansonsten therapierefraktären Patienten sei es zur Heilung gekommen. Neben der gegenüber Standardtherapeutika wie Antimon offenbar besseren Wirksamkeit hofft Asta auch auf eine bessere Verträglichkeit von Miltefosin. Einen Abschluß der Studien erwartet das Unternehmen im Jahr 2000.

PZ-Artikel von Bettina Neuse-Schwarz, Frankfurt am Main
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