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Sildenafil: neue Hoffnung bei Potenzproblemen

06.04.1998
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Sildenafil: neue Hoffnung bei Potenzproblemen

Bei etwa jedem zehnten Mann klappt es nicht wie gewünscht, jedenfalls nicht immer, der Grund: erektile Dysfunktion. Quer durch alle Altersgruppen sind durchschnittlich 10 Prozent der Männer betroffen, bei den 50- bis 70jährigen sogar über die Hälfte. Noch häufiger trifft es laut Professor Dr. Peter Weidmann aus Bern Diabetiker, Niereninsuffiziente und Dialysepatienten.

Von einer erektilen Dysfunktion spricht man dann, wenn mindestens 50 Prozent der Versuche scheitern, eine befriedigende Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten, erklärte Weidmann Anfang März beim 22. Nephrologischen Seminar in Heidelberg. Als Ursachen gelten neben psychischen Faktoren erniedrigte Testosteronspiegel, erhöhte Prolactinkonzentrationen oder Rückenmarksläsionen. Auch Alkohol, Drogen sowie bestimmte Medikamente (Anticholinergika, Antihistaminika, Antipsychotika, Antidepressiva, Sedativa, Anxiolytika, bestimmte Calcium-Antagonisten und Antihypertensiva) kommen als Ursachen in Frage.

Eine unerläßliche Rolle für den physiologischen Ablauf der Erektion spielt nach Aussage des Referenten Stickstoffmonoxid, NO, das maßgeblich an der erforderlichen Blutversorgung des Penis über Aorta und Beckenarterien beteiligt ist: Über non-adrenerge und non-cholinerge Neurone ankommende erogene Impulse setzen NO frei, das dann seinen second messenger cGMP (zyklisches Guanosinmonophosphat) aktiviert. cGMP erweitert die Arteriolen und Kapillaren der Penis-Schwellkörper. Ob Urämie und Dialyse den NO-cGMP-Relaxationsmechanismus modifizieren, sei nicht bekannt, so Weidmann.

Genau in diesen Ablauf greift jedoch ein neuer, derzeit noch nicht auf dem Markt befindlicher Behandlungsansatz ein. Mit dem peroral applizierbaren Phosphodiesterasehemmer Sildenafil soll den betroffenen Männern bald ein Bedarfsmedikament zur Verfügung stellen zu können, führte Weidmann aus. Sildenafil muß nicht täglich, sondern jeweils etwa eine Stunde vor einem geplanten Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Mit der Markteinführung in Europa und den USA ist nach Angaben der Herstellerfirma Pfizer noch im Laufe dieses Jahres zu rechnen.

Sildenafil hemmt kompetitiv die in den Schwellkörpern vorhandene Phosphodiesterase Typ 5, die normalerweise das NO-induzierte cGMP inaktiviert. Infolge der ausbleibenden Inaktivierung kommt es zu einer Steigerung der cGMP-Konzentration und damit zur Potenzierung der NO-cGMP-vermittelten Vasorelaxation der Schwellkörperarteriolen und -kapillaren. Voraussetzung für den therapeutischen Effekt des Phosphodiesterasehemmers sei eine sexuelle Stimulation, da nur so die NO-cGMP-Kaskade in Gang komme, betonte Weidmann. Androgene, Neurotransmission und andere für die Erektion erforderliche Komponenten würden durch Sildenafil nicht modifiziert, Libido und Ejakulation blieben unbeeinflußt.

Untersucht wurde der neue Wirkstoff in placebokontrollierten Doppelblindstudien mit mehr als 1500 Männern mit erektiler Dysfunktion ohne bekannte organische Ursache. Sildenafil erhöhte dabei nach Aussage des Referenten dosisabhängig (Einzeldosen 10 bis 50 mg) die Dauer und Zahl der Erektionen. Bei einmal täglicher Einnahme über vier Wochen wurde unter 25 beziehungsweise 50 mg des Phosphodiesterasehemmers in 79 beziehungsweise 89 Prozent der Fälle eine verbesserte Erektion beobachtet; unter Placebo war dies nur bei 38 Prozent der Patienten der Fall.

Nach einem Monat wurde Sildenafil nur noch jeweils nach Bedarf eingenommen und erhöhte dabei in Dosen von 25 bis 75 mg die Zahl der für penetrativen Geschlechtsverkehr ausreichenden Erektionen auf etwa das Dreifache gegenüber Placebo. Bei fortgesetzter bedarfsorientierter Einnahme in Einzeltagesdosen von 10 bis 100mg berichteten 271 von 311 Patienten (87 Prozent) über eine aufrechterhaltende Wirkung. Auch bei Diabetikern mit erektiler Dysfunktion zeigte Sildenafil laut Weidmann in über 50 Prozent der Fälle eine befriedigende Wirkung. Zu den Effekten bei Niereninsuffizienten und Dialysepatienten liegen noch keine Daten vor.

Die Substanz sollte etwa 60 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Nach 4 bis 6 Stunden sei die Wirkung vorbei. Die empfohlene Dosierung liegt bei 25mg (Beginn der Behandlung) bis 50mg, maximal 100mg. Mehr als einmal täglich sollte Sildenafil nicht genommen werden.

PZ-Artikel von Bettina Neuse-Schwarz, Heidelberg
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