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06.04.1998
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PZ +++ Nachrichten +++  06.04. Copolymer-1 bei MS wirksam
PZ. Die Behandlung mit Glatirameracetat (Copolymer-1) verlangsamt die Progression bei Patienten mit schubförmig-remittierender Multipler Sklerose (MS) und reduziert die Schubrate. Dies belege eine im März in der Zeitschrift Neurology veröffentlichte Studie, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Teva Pharma und Hoechst Marion Roussel. Die Studie ist eine doppelblinde, placebokontrollierte Erweiterung einer 24 Monate dauernden Kernstudie. Die Verlängerung betrug bis zu elf Monate. Mehr als ein Drittel der Glatiramerpatienten blieb während der gesamten Studiendauer schubfrei. Die durchschnittliche Schubrate lag in der Glatiramergruppe bei 1,34, in der Placebogruppe bei 1,98. Dies entspricht einer signifikanten Reduktion der Schubrate in der Glatiramergruppe um 32 Prozent gegenüber der Placebogruppe (p=0.002). Der Anteil der Patienten, deren Behinderung sich deutlich verschlechterte, wurde durch Glatirameracetat um fast 50 Prozent reduziert. Glatirameracetat ist bereits in Israel, den USA, Kanada und weiteren Ländern zugelassen. In Deutschland soll die Einführung des synthetischen MBP-Analogons Glatirameracetat durch Teva Pharma und Hoechst Marion Roussel Anfang nächsten Jahres erfolgen.

06.04. Suche nach Dioxin in Butter
dpa. Wegen erhöhter Dioxinwerte in schleswig-holsteinischer Butter haben am Montag landesweite Kontrollen in Mischfutterbetrieben begonnen. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums sollten zunächst die fünf größten Betriebe untersucht werden. "Die Kontrollen werden voraussichtlich nur bis heute abend dauern", sagte ein Ministeriumssprecher der dpa. Aufgrund der Untersuchungsergebnisse aus Baden-Württemberg, wo lediglich 4, 83 Pikogramm Dioxin je Gramm Fett gefunden wurden, schloß das Umweltministerium in Kiel gesundheitliche Risiken aus. "Wir prüfen zunächst per Buch, ob die sogenannte Citruspulpe brasilianischer Herkunft im Futtermittel vorhanden ist", sagte der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums am Montag. Eine Lieferung dieser Citruspulpe gilt als Verursacher der erhöhten Dioxinwerte. Das Landwirtschaftsministerium geht davon aus, "nichts bis wenig" bei den Kontrollen zu finden.

06.04. Tamoxifen: Studie nicht eindeutig
dpa. Frauen mit einem hohen Brustkrebsrisiko können die Krankheitsgefahr durch das Hormonpräparat Tamoxifen um fast die Hälfte senken. Allerdings steigt ihr Risiko, an Gebärmutterkrebs oder einem Blutgerinnsel in der Lunge zu erkranken, im gleichen Maße. Das berichteten die Autoren einer staatlich geförderten Studie mit 13.000 Frauen in den USA und Kanada am Montag vor Journalisten in Washington. Leslie Ford vom Nationalen Krebsinstitut (NCI) der USA stellte als Ko-Autorin die Vor- und Nachteile des Mittels gegenüber. Die Einnahme von Tamoxifen reduziert die Erkrankungsrate bei Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko um 45 Prozent, sagte sie. Im Durchschnitt erleiden von 1.000 Frauen im Alter über 50 Jahren zehn Frauen einen lokalen Brusttumor und weitere 35 einen invasiven Brusttumor. Tamoxifen könnte drei der zehn lokalen Krebstumoren verhindern und 17 der 35 Fälle von invasivem Brustkrebs, sagte Ford. Auf der anderen Seite würden zwölf Frauen infolge der Tamoxifen-Therapie an Gebärmutterkrebs erkranken und zehn an Blutpfropfen in der Lunge. Was das Leben der Frauen mehr gefährdet, mochte sie nicht sagen. "Es gibt keine allgemeingültige Antwort darauf, was weniger riskant ist", sagte die Wissenschaftlerin, "das ist eine persönliche Entscheidung."

06.04. BI baut Tiergesundheit aus
dpa. Der Unternehmensverband Boehringer Ingelheim (BI) hat sich die weltweiten Rechte an Präparaten zur Behandlung von Euterentzündungen bei Großtieren gesichert. Ein entsprechender Vertrag sei mit der dänischen Leo Pharmaceutical Products Ltd. A/S in Kopenhagen unterzeichnet worden, teilte Boehringer Ingelheim am Montag mit. Die Partner hätten vereinbart, daß Leo die Präparate in Großbritannien, Irland und Skandinavien vermarktet, während das Ingelheimer Unternehmen die Leo-Produkte in allen anderen Ländern vertreiben wird. Der Bereich Tiergesundheit, der von der Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH mit rund 1200 Mitarbeitern betrieben wird, erwirtschaftete 1996 Erlöse von 361 Millionen DM und damit 44 Prozent Prozent mehr als im Vorjahr.

05.04. Behinderte fordern bessere Beipackzettel
dpa. Einfach formulierte und deutlich lesbare Beipackzettel für Medikamente hat das Forum behinderter Juristen gefordert. Die meisten Gebrauchsanweisungen für Medikamente seien unverständlich und in winziger Schrift abgefaßt, kritisierte Forumssprecher Andreas Jürgens am Sonntag in Frankfurt. Ältere und sehbehinderte Menschen könnten oft nichts damit anfangen. Deshalb solle die Pharma-Industrie auf unklare Aussagen verzichten und wesentliche Hinweise in kurzen Sätzen zusammenfassen. Inhaltsstoffe, Gebrauch, Gegenanzeigen und Nebenwirkungen ließen sich mit knappen und eindeutigen Formulierungen in Großschrift auf dem Beipackzettel darstellen, sagte Jürgens, der Richter am Amtsgericht in Kassel ist. In dem 1992 gegründeten Forum haben sich blinde, gelähmte oder mehrfach amputierte Frauen und Männer zusammengeschlossen, die als Richter, Rechts- oder Staatsanwälte, Verwaltungs- oder Wirtschaftsjuristen arbeiten.

02.04. IKK unzufrieden mit Strukturausgleich
dpa. Die Innungskrankenkassen (IKK) in Niedersachsen haben für das Haushaltsjahr 1997 einen Ausgabenüberschuß von 28,3 Millionen DM (86,46 DM je Mitglied) ausgewiesen. Im Vergleich zum Defizit von 1996 (31 Millionen DM) habe sich die Finanzsituation der IKK damit nur geringfügig verbessert, teilte die Kasse am Donnerstag in Hannover mit. Eine genauere Analyse des Ergebnisses zeige, daß sich das Defizit allein aus den hohen Zahlungen in den Risikostrukturausgleich (RSA) erkläre. Die Innungskrankenkassen in Niedersachsen hätten im Vorjahr rund 113,3 Millionen DM über diesen Ausgleichstopf an andere Kassenarten gezahlt, dies entspreche 345,50 DM je Mitglied. Hätten die hohen Zahlungen in den RSA nicht geleistet werden müssen, so ergäbe sich für 1997 aufgrund rückläufiger Leistungsausgaben und gesunkener Verwaltungskosten ein Überschuß der Einnahmen in Höhe von etwa 85 Millionen DM.

02.04. AV Nordrhein warnt vor Zeckenbissen
PZ. Auf mögliche Gefahren durch Zeckenbisse machen jetzt die Apotheker in Nordrhein aufmerksam. "In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 150 bis 300 Menschen an Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und 30.000 bis 60.000 Menschen an Borreliose", sagt Werner Heuking, Pressesprecher des Apothekerverbandes Nordrhein. Meistens komme es bei Freizeitaktivitäten, wie Wandern, Beerensammeln und Zelten zu Infektionen. Am größten sei die Gefahr zwischen März und Oktober. Während im Raum Rhein, Ruhr und Wupper keine Zecken vorkommen, die das FSME-Virus übertragen, bestehe die Gefahr der Borreliose, hier sehr wohl, so Heuking weiter. Zu den FSME gefährdeten Regionen in Deutschland zählen bestimmte Gebiete in Baden-Württemberg und in Bayern. Auch aus Österreich, Polen und Ungarn, werden FSME-Infektionen gemeldet. Die Apotheker in Nordrhein raten denjenigen, die in FSME-Gebiete reisen und sich lange im Freien aufhalten, zu einer Schutzimpfung. Eine Wiederauffrischung der Impfung sei alle drei Jahre notwendig.

01.04. Experten begrüßen Versandhandelsverbot
PZ. Das im Gesetzentwurf zur achten Novelle des Arzneimittelgesetz (AMG) verankerte Verbot des Versandhandels mit apothekenpflichtigen Arzneimitteln ist in einer Expertenanhörung des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag auf breite Zustimmung gestoßen. Vertreter der Interessenverbände von Pharmaindustrie, Großhandel und Apothekerschaft begrüßten, daß die Paragraphen 43 und 73 des AMG künftig ein Handelsverbot mit apothekenpflichtigen Arzneimitteln präziser fassen. Der Entwurf entspreche einer seit langem erhobenen Forderung, ausdrücklich auch Nicht-Apothekern und Versandhändlern aus dem Ausland den gewerblichen Handel mit Medikamenten zu verbieten. Dr. Johannes Pieck, Sprecher der Geschäftsführung der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände bezeichnete den Gesetzentwurf als vorteilhaft, da er sich an alle Marktbeteiligten wende. Damit werde vor allem der Arzneimittelsicherheit Rechnung getragen.

01.04. Kassen: Sparen durch Rezeptbasar
PZ. Ein konsequenter Wettbewerb bei der Belieferung von Rezepten könnte nach Ansicht der Spitzenverbände der Krankenkassen die Arzneimittelausgaben drastisch reduzieren. Wie Kassen-Sprecher Peter Zocker heute bekanntgab, planen die Versicherer ein Modell "Vernetzte Praxen und Offizinen", in dem ein Online-Basar für Kassenrezepte getestet werden soll. „Ärzte, die ein Rezept ausstellen, geben dies nicht mehr dem Patienten mit, sondern legen es auf einem zentralen Server ab. Alle Apotheker, die bei dem Projekt mitmachen, haben Zugang zu diesem Server. Jeder kann dann online ein Angebot abgeben, zu dem er das Rezept beliefern würde," erläuterte der Kassenvertreter das Konzept. "Der Apotheker, der den besten Preis macht, bekommt den Zuschlag." Akzeptanzprobleme befürchten die Kassen nicht. "Ortientalische Handelsusancen werden von den reisefreudigen Deutschen ohne weiteres akzeptiert," glaubt Zocker. Die Krankenkassen versprechen sich Einsparungen in Milliardenhöhe, wenn sich der Rezeptbasar bundesweit bewähren sollte. "Wir versprechen uns eigentlich von jeder Idee Einsparungen in Milliardenhöhe, das hört sich immer gut an".

01.04. BKKs: Rekord bei Mitgliederzuwachs
dpa. Der Landesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) Baden-Württemberg hat 1997 den höchsten Mitgliederzuwachs aller Kassengruppen in Deutschland erzielt. Vorstandsvorsitzender Rolf-Ulrich Schlenker nannte am Mittwoch in Stuttgart einen Anstieg um 123.000 Beitragszahler oder 22 Prozent auf 677.000. Ursache dieser Entwicklung seien die günstigen Beitragssätze. Die Beitragseinnahmen erhöhten sich um 7,6 Prozent auf 3,17 Milliarden DM. In einem "sehr dynamischen Jahr" habe sich der BKK-Landesverband "prächtigst" entwickelt, sagte der Vorsitzende. Die Leistungsausgaben sanken im Berichtsjahr um 7,7 Prozent auf 2,51 Milliarden DM. Als Hauptgrund nannte Schlenker die Einsparungen im Gesundheitswesen durch höhere Eigenbeteiligungen der Bürger bei Arznei- und Heilmitteln sowie Kuren. Der Mitgliederboom der Betriebskrankenkassen begann in Januar 1996 mit der Einführung der Wahlfreiheit. Bundesweit stieg die BKK-Mitgliederzahl 1997 nur um 6,3 Prozent auf 5,7 Millionen.

01.04. Ausrottung der Kinderlähmung geplant
dpa. Die weltweite Ausrottung der Kinderlähmung hat sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis zum Jahr 2000 zum Ziel gesetzt. In Frankfurt wurde am Mittwoch eine nationale Kommission vorgestellt, die das Programm drei Jahre lang kontrollieren wird. Erst dann könne Deutschland von der WHO als poliovirusfrei erklärt werden, unterstrich Professor Hans-Wilhelm Doerr von der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV/Münster). Bis 1961 gab es in der Bundesrepublik jährlich rund 5.000 Neuerkrankungen. Dann gelang es, mit der Entwicklung neuer Impfstoffe, die Kinderlähmung weltweit erheblich zurückzudrängen. In Deutschland wurde 1990 der letzte Polio-Fall, bei dem die Viren nicht aus dem Ausland eingeschleppt wurden, registriert.

31.03. HMR: Betriebsrat und Geschäftsführung einig
PZ. Die Geschäftsführung und der Betriebsrat von Hoechst Marion Roussel (HMR) haben in einer gemeinsamen Grundsatzerklärung festgelegt, wie die Forschung und Entwicklung im Konzern effizienter gestaltet werden kann. Danach soll die neu integrierte Organisation mit überlappenden Arbeitsprozessen unter dem Namen Drug Innovation and Approval (DI & A) zusammengeführt werden. Erreicht werden sollen schnellere Entscheidungsprozesse mit größerer Eigenverantwortlichkeit der Projektteams. Die Maßnahmen sollen zum überwiegenden Teil bis Ende 1998 realisiert und die künftige Organisationsstärke Mitte 1999 erreicht werden. Dazu werden der DI&A-Organisation 1100 Mitarbeiterstellen aus der derzeitigen Forschung und Entwicklung zum 1. Mai 1998 übertragen. Rund 290 Stellen der F&E-Organisation sollen durch Besetzung offener interner Stellen, Frühpensionierungen, Weiterqualifikationen und normale Fluktuation abgebaut werden.Top

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