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Finasterid zur Behandlung der BPH

30.03.1998
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-Pharmazie

Govi-Verlag

Finasterid zur Behandlung der BPH

Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) ist seit langem als eine typische Erkrankung des alternden Mannes bekannt. Ab etwa der 5. Lebensdekade ist mit einem gutartigen Wachstum der Prostata zu rechnen; es kann zur Verengung der Harnröhre führen. Die typischen Symptome einer solchen Konstriktion sind verstärkter Harndrang bei gleichzeitig abgeschwächtem Harnstrahl, Erhöhung der Miktionsfrequenz und Nykturie. Klinisch bedeutend sind ein verminderter Uroflow und eine erhöhte Restharnbildung. Eine unbehandelte BPH kann daher irreversible Blasen- und Nierenschädigungen zur Folge haben. Seit 1994 steht für die medikamentöse Behandlung der erste 5-alpha-Reduktasehemmer Finasterid (Proscar®) zur Verfügung.

Die Symptomatik von Miktionsstörungen kann mit dem Internationalen Symptomen-Index (International Prostata Symptoms Score, IPSS) und einem Lebensqualitätsindex gewichtet werden. Neben der Quantifizierung der Symptome sind die Rektaluntersuchung (Karzinom), die Urinuntersuchung (Hämaturie, Pyurie) und die Beurteilung der Nierenfunktion von zentraler Bedeutung. Um ein Karzinom auszuschließen, soll ferner das prostataspezifische Antigen (PSA) bestimmt werden.

Als Goldstandard in der Behandlung der BPH gilt immer noch die transurethrale Resektion. Für Patienten mit verhältnismäßig wenig Symptomen fallen jedoch die möglichen Nachteile dieser Operation stärker ins Gewicht.

Für die medikamentöse Therapie stehen neben Phytotherapeutika wie Sabalfruchtextrakt, ß-Sitosterin, Brennesselwurzel, Sägepalmenfrucht oder Kürbissamen vor allem alpha-Rezeptorenblocker wie Doxazosin (Diblocin® Uro und andere), Alfuzosin (UroXatral®, Urion®), Terazosin (Flotrin®), Tamsulosin (Alna®, OMNIC®) und seit 1994 der erste 5-alpha-Reduktasehemmer Finasterid (Proscar®) zur Verfügung.

Chemische Klassifikation


Finasterid, N-tert-Butyl-3-oxo-4-aza-5-alpha-androst-l-en-17ß-carboxamid (IUPAC), ist ein 4-Azasteroid mit struktureller Ähnlichkeit zu Testosteron.

Indikationen und Anwendung


Proscar® ist zur unterstützenden Behandlung bei symptomatischer benigner Prostatahyperplasie (BPH) zugelassen. Die Standarddosierung beträgt täglich eine Filmtablette à 5 mg Finasterid. Sie kann entweder auf nüchternen Magen oder mit einer Mahlzeit eingenommen werden.

Bisher stehen keine Erkenntnisse über den Einsatz von Finasterid bei Patienten mit Leberfunktionsstörungen zur Verfügung. Pharmakokinetische Untersuchungen haben gezeigt, daß bei einer Kreatinin-Clearance von über 9ml/min x 1,73 m² eine Dosisanpassung nicht erforderlich ist. Die Elimination von Finasterid ist bei Patienten über 70 Jahren geringfügig vermindert; eine Dosisanpassung ist jedoch nicht erforderlich.

Obwohl es bei einer Therapie mit Finasterid in der Regel schnell zu einer deutlichen Abnahme der vergrößerten Prostata kommt, nimmt nach 12monatiger Behandlung der Harnfluß bei weniger als der Hälfte der Patienten geringfügig zu und die BPH-bedingten Symptome geringfügig ab. Bis zur Verbesserung des Harnflusses und der Symptome kann eine Therapiedauer von mindestens 6 Monaten erforderlich sein.

Zur Zeit sind keine Kriterien bekannt, nach denen vor Therapiebeginn beurteilt werden kann, ob ein Patient von dieser Therapie profitieren wird. Sind nach 12monatiger Therapie keine Verbesserungen des Harnflusses und der Symptome erkennbar, sollte die Therapie mit Finasterid abgebrochen werden; es kann dann davon ausgegangen werden, daß der Patient nicht auf die Therapie anspricht.

Obwohl die pharmakologischen Eigenschaften von Finasterid seit Beginn der Entwicklung zu großen Hoffnungen Anlaß gegeben haben, ist der klinische Nutzen nicht gleich überzeugend. Alpha-Rezeptorenblocker wie Terazosin haben eine gesicherte, schnell eintretende Wirkung auf die Symptome, hemmen aber nicht das Prostatawachstum. Finasterid hemmt das Prostatawachstum, hat aber bei BPH mit relativ kleinem Prostatavolumen keine signifikante symptomatische Wirkung. Bei großem Prostatavolumen ist diese Wirkung jedoch nachweisbar. Für einen Patienten mit symptomatischer BPH, großer Prostata und schlechtem Ansprechen auf einen alpha-Blocker sollte auch die Kombination dieser zwei Therapieprinzipien erwogen werden.

Weiterhin sind in jedem klinischen Einzelfall die Therapienotwendigkeit sowie bei Indikation zur medikamentösen Therapie potentieller Nutzen und eventuelle Risiken der verschiedenen Arzneistoffe sorgfältig abzuwägen.

Ein weiteres interessantes mögliches Anwendungsgebiet für Finasterid (5 mg/d) ist die Prävention des Prostatakarzinoms. Zur Untersuchung dieser Frage begann im Oktober 1993 in den USA eine randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 18.000 Männern über 55 Jahren, die mindestens sieben Jahre dauern wird.

PZ-Artikel von Martin Schulz, Eschborn und Folkert Donn, Hamburg
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