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30.03.1998
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PZ +++ Nachrichten +++  30.03. RKI: Krebs-Broschüre im Internet
PZ. Wie der Pressedienst des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI) mitteilt, ist auf den Internetseiten des Instituts ab sofort die neue Broschüre "Krebs in Deutschland - Häufigkeiten und Trends" unter http://www.rki.de/CHRON/KREBS einzusehen. Die Broschüre liefere zum einen Basisdaten zu Krebskrankheiten wie die Zahl neuer Krebsfälle, Trends in Neuerkrankungsraten, Sterblichkeit, Überlebensraten und der Erkrankungshäufigkeit in verschiedenen Altersgruppen. Desweiteren werden Risikofaktoren benannt und Vergleiche zwischen Deutschland und anderen EU-Ländern gezogen. Auch Krebserkrankungen im Kindesalter ist ein Kapitel gewidmet. Nicht enthalten sind dagegen Informationen für Patienten über den Umgang mit ihrer Krankheit. Die vorgelegten Kennziffern basieren auf den zwischen 1970 und 1994 erfaßten Daten der Krebsregister des Saarlandes, Hamburgs, Münsters, Berlins und der neuen Bundesländer.

30.03. Vetter: Überwachung bleibt beim Staat
PZ. Nach monatelangen Diskussionen hat Baden-Württembergs Sozialminister Dr. Erwin Vetter jetzt öffentlich Klarheit geschaffen: Er zog sein Angebot zurück, die Apothekenüberwachung der Landesapothekerkammer zu übertragen. Beim Empfang im Neuen Schloß Stuttgart am 27. März anläßlich der Eröffnung von Interpharm und Offenem Apothekertag Baden-Württemberg sagte der Minister weiter, er habe diese Aufgabe den Apothekern nie gegen deren Willen aufbürden wollen. Vielmehr habe er sein Angebot als Ausweitung der Kompetenz der Selbstverwaltung verstanden. Kammerpräsident Christoph Beck begrüßte die klärenden Worte des Ministers.

29.03. Pille gegen Impotenz in den USA zugelassen
dpa. Eine Pille gegen Impotenz soll Männern mit Erektionsstörungen jetzt erstmals unkompliziert und wirksam Hilfe bieten. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) hat am Freitag eine Tablette genehmigt, die den meisten Männern mit körperlichen oder seelischen Problemen wieder zu sexueller Potenz verhelfen soll. Sie wurde von dem Pharma-Unternehmen Pfizer entwickelt und soll unter dem Namen Viagra verkauft werden. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" wird das Medikament frühestens im Herbst auch auf Rezept in deutschen Apotheken erhältlich sein. Viagra ist das erste Mittel, das Impotenz schmerzlos, unkompliziert und mit wenigen Nebenwirkungen behandelt, sagt die FDA. Es unterstützt die Blutzufuhr in den Schwellkörpern des Gliedes und verhilft nur bei sexueller Erregung zu einer Erektion. Laut FDA konnte Viagra in klinischen Studien mehr als 70 Prozent aller betroffenen Männern helfen. Nach dem Spiegel-Bericht wird Viagra auf dem deutschen Markt etwa 20 bis 30 Mark pro Tablette kosten. Ein Vertreter der Barmer Ersatzkasse (BEK) sagte dem Magazin, die Krankenkasse halte eine Kostenübernahme des verschreibungspflichtigen Medikaments nur im Falle von nachhaltiger Impotenz beispielsweise nach Prostata-Operationen für gerechtfertigt.

29.03. Bonus-System gegen Impf-Müdigkeit denkbar
dpa. Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) denkt über Maßnahmen gegen die zunehmende Impf-Müdigkeit nach. Einen Impfzwang wie in der früheren DDR werde es aber auf keinen Fall geben, sagte eine Sprecherin des Ministers der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Seehofer verfolge die Strategie, richtiges Verhalten zu belohnen. Denkbar sei die Einführung eines Bonus-Systems für Impfvorsorge. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums sterben in Deutschland jährlich mehr Menschen an Hepatitis B als an Aids. Das Robert-Koch-Institut für Infektionskrankheiten glaubt, daß die Hepatitis B-Todesrate erheblich gesenkt werden kann, wenn die ganze Bevölkerung geimpft würde. Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) lehnen es nach dem Bericht allerdings ab, die Kosten für derartige Massenimpfungen zu tragen.

27.03. Drei Ersatzkassen erwägen Beitragssenkung
dpa. Drei große Ersatzkassen ziehen eine Beitragssenkung in Betracht. So will die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) im Mai ihren Beitrag im Westen um 0,1 Punkte und im Osten um 0,3 Punkte auf bundesweit 13,9 Prozent drücken. Die Techniker Krankenkasse (TK) und die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) denken zumindest über einen Senkung nach. Die TK will an diesem Freitag über eine Senkung beraten. Im Gespräch ist ein Beitragssatzrückgang zur Jahresmitte um knapp 0,5 Punkte auf etwa 13,1 Prozent. Auch die DAK sieht die Chance, ihren Beitragssatz von derzeit 14 Prozent zu verringern. TK, DAK und KKH gehören zu den sechs Ersatzkassen, die im Frühjahr 1997 ihre Beiträge um durchschnittlich 0,5 Punkte erhöht hatten, bevor der neue Koppelungsmechanismus zwischen Beitragserhöhung und Zuzahlung greifen sollte. Beim Bundesverband der Ersatzkassen, die insgesamt 26 Millionen Versicherte zählen, sind bisher keine weiteren Pläne für Senkungen bekannt geworden. Darüber entschieden die 13 Ersatzkassen autonom, hieß es beim Bundesverband.

27.03. Organspendeausweise in Bayerns Apotheken
PZ. In bayerischen Apotheken liegen ab sofort Informationsbroschüren und Spenderausweise zur Organspende aus. Damit unterstützen die Apotheker eine Initiative des Bayerischen Sozialministeriums. Das Angebot der Apotheker soll dazu beitragen, daß sich mehr Bürger zur Spende bereiterklären und damit möglicherweise Leben retten. Nach einer aktuellen Umfrage befürworten zwar 75 Prozent der Bevölkerung die Organspende, aber nur zehn Prozent besitzen einen Spenderausweis. Viele fragten in der Vergangenheit auch in den Apotheken nach. Diese Lücke wird derzeit geschlossen. In diesen Tagen bekommen die bayerischen Apotheken zehn Faltblätter mit Spenderausweisen zur Abgabe an interessierte Bürger zugeschickt.

27.03. Neue Ultraschalltechnik für Schilddrüse
dpa. Weniger Schilddrüsenoperationen und die Halbierung zusätzlicher nuklearmedizinischer Untersuchungen verspricht sich die Schilddrüsen-Liga Deutschland von einer neuen Ultraschalltechnik zur Diagnose von Kropfknoten. 32 Millionen Bundesbürger haben nach Erkenntnissen der Liga eine vergrößerte Schilddrüse, rund 16 Millionen einen Knoten im Kropf. 2400 von ihnen müßten damit rechnen, daß der Knoten zu einem Krebs entartet. Bisher könne kein Bildverfahren der Medizin feststellen, ob ein solcher Knoten gut- oder bösartig ist, sagte der Präsident der Schilddrüsen-Liga, Professor Dr. Peter Pfannenstiel (Mainz). Deshalb würden immer noch mehr Menschen operiert als unbedingt nötig. Mit einem speziellen Computer-Bauteil ist es Pfannenstiel nach eigener Darstellung zufolge gelungen, per Ultraschall die gesamte Schilddrüse im Detail abzubilden. Damit müßten sich nur noch 40 von 100 Patienten einer zusätzlichen nuklearmedizinischen Untersuchung mit einer leicht radioaktiven Substanz unterziehen, um die Diagnose zu klären. Bisher seien 85 von 100 Patienten nuklearmedizinisch behandelt worden, betonte Pfannenstiel.

25.03. Umsatz mit rekombinanter Arznei gestiegen
PZ. Der Apothekenumsatz mit gentechnisch hergestellten Arzneimitteln ist 1997 im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent von 1,2 auf 1,8 Milliarden DM (Apothekenverkaufspreis) gestiegen. Diese Zahl nannte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), Cornelia Yzer, anläßlich einer Fachtagung in Königswinter. Es sei abzusehen, so Yzer, daß der Umsatz mit gentechnisch hergestellten Arzneimitteln in Zukunft deutlich wachsen werde. Und weiter: "In Deutschland sind von den über 100 Arzneimitteln, die in oder kurz vor der Zulassung stehen, allein 12 rekombinant, also gentechnisch hergestellt." Zur Zeit sind in Deutschland 43 rekombinante Arzneimittel zugelassen. Sie basieren auf 34 verschiedenen Wirkstoffen.

25.03. Berliner Grüne für Marihuana auf Rezept
dpa. Bündnis 90/Die Grünen haben am Mittwoch in Berlin einen Vorstoß unternommen, Marihuana und Cannabis auf Rezept zu verschreiben. Der Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) könne unangenehme Nebenwirkungen der Krebs- und Aids-Behandlung mindern, sagte der Abgeordnete Bernd Köppl. Der HIV-Arzt Jörg Gölz betonte, es müsse möglich sein, daß bestimmte Patienten THC auch in Form von getrockneten Hanfblüten (Marihuana) zu sich nehmen können, ohne mit einem Bein im Gefängnis zu stehen. Die Fraktion und die Selbsthilfegruppe "Cannabis als Medizin" übergaben dem Petitionsausschuß des Berliner Abgeordnetenhauses eine Eingabe mit dem Ziel, Marihuanablätter und Cannabisharz auf ärztliche Verschreibung hin in Apotheken beziehen zu können. In Deutschland ist seit 1. Februar der Wirkstoff Dronabinol auf dem Markt, das ist ein synthetisch hergestelltes THC-Präparat (Marinol mit Delta-9-THC). Köppl und Gölz wiesen ferner auf den sehr hohen Preis des in den USA hergestellten Dronabinols hin. Die Tagesdosis sei zehnmal teurer als die Schwarzmarktpreise von Marihuana. Die Kosten tragen die Krankenkassen.

24.03. Boots als Versicherungsmakler
PZ. Apothekenkunden in Großbritannien haben vom 15. April 1998 an die Möglichkeit, private Krankenzusatzversicherungen sowie Reiseversicherungen in der Apotheke abzuschließen. Die größte britische Apothekenkette Boots wird in rund 250 Filialen zukünftig außer Arzneimitteln und dem traditionellen Apothekenrandsortiment auch diverse Versicherungsleistungen anbieten. Der Kassenbon dient als Bestätigung des Versicherungsschutzes. Boots strebt nach eigenen Angaben an, innerhalb der ersten zwölf Monate rund 250.000 Versicherungspolicen zu verkaufen. Mitarbeiter wurden innerhalb der vergangenen Monate. bei Schulungen auf ihre Beratungsarbeit als Teilzeit-Versicherungskaufleute vorbereitet. Unabhängige Apotheker im Königreich laufen Sturm gegen die Sortimentserweiterung bei Boots. Patientenverbände haben die Angebotserweiterung begrüßt.

24.03. Sachleistungsprinzip in Gefahr
PZ. Sollte der Europäische Gerichtshof mit seinem Urteil in wenigen Wochen einem Antrag seines Generalanwalts entsprechen, dann stehen dem deutschen Gesundheitswesen gravierende Veränderungen ins Haus. Nach Ansicht von Sabine Bergmann-Pohl, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, könnten zwei Entscheidungen der Luxemburger Richter zum freien Dienstleistungs- und Warenverkehr massive sozialpolitische Konsequenzen mit schwerwiegenden finanziellen Folgen für deutsche Krankenkassen und Leistungsanbieter nach sich ziehen. Bei einem Vortrag in der Bonner Vertretung der EU-Kommission ließ die CDU-Politikerin erkennen, daß der Europäische Gerichtshof es Angehörigen der deutschen gesetzlichen Krankenversicherung erlauben könnte, in anderen Ländern der Staatengemeinschaft ambulante ärztliche Leistungen zu erhalten. Damit werde das Territorialitätsprinzip beim Leistungsbezug durchbrochen, Versicherten erhielten dann die Möglichkeiten, im Ausland anfallende Behandlungs- und Therapiekosten von ihrer deutschen Krankenkasse erstatten zu lassen. Das bisher praktizierte Sachleistungssystem wäre ausgehebelt.Top

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