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Analyse von Verdachtsproben auf Rausch- und Suchtmittel

25.03.2002  00:00 Uhr

Analyse von Verdachtsproben auf Rausch- und Suchtmittel

vonSyed Laik Ali, Eschborn

Eltern und Familienangehörige sind beunruhigt, wenn sie bei ihren Kindern verdächtige Substanzen finden. Sie suchen meist direkt den Rat in der Apotheke, möchten solche Proben rasch analysiert haben, um die notwendigen Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Das ZL bietet hier Hilfe, analysiert und identifiziert das Material schnellstmöglich.

Rausch- und Suchtmittel umfassen eine große Anzahl von Substanzen diverser Stoffklassen. Unter Rausch versteht man einen Dämmer- oder Erregungszustand, der stark von der Norm abweicht. Er kann mit oder ohne Bewusstseinstrübung einhergehen. Einige Rauschzustände werden von optischen oder akustischen Sinnestäuschungen oder auch Horrorvisionen begleitet. Der Begriff Sucht, englisch: "addiction", wird von der WHO als ein Zustand periodischer oder chronischer Vergiftung definiert, der durch den wiederholten Genuss einer natürlichen oder synthetischen Substanz hervorgerufen wird. Es resultiert eine physische und psychische Abhängigkeit, ein dringendes Verlangen oder Zwang für die Einnahme des Mittels und die Tendenz, die Dosis zu steigern.

Rausch- und Suchtmittel beinhalten Opiate wie Codein, Dihydrocodein, Morphin, Methadon, Heroin, die Cannabisprodukte Haschisch, THC (Tetrahydrocannabinole), Marihuana, Amphetamine und Ecstasystoffe, Methamphetamin, MDMA (3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin), MDA (3,4-Methylendioxyamphetamin), MDE (3,4-Methylendioxy-N-ethylamphetamin), DOB (2,5-Dimethoxy-4-bromamphetamin), zahlreiche Benzodiazepine, Barbiturate, Coffein, LSD (Lysergsäurediethylamid), Mescalin, Cocainhydrochlorid, Crack (Cocainbase), Fentanyl und Phencyclidin. Die Rausch- und Halluzinogenwirkung wird durch perorale Einnahme, Injizieren, Schnüffeln oder Inhalation von Dämpfen erzeugt. Ferner werden organische Lösungsmittel, Klebstoff- und Lackverdünner, Feuerzeugbenzin oder auch Reinigungs- und Haarsprays als Schnüffelstoffe missbraucht.

Amphetamine und Ecstasystoffe werden überwiegend in festen Darreichungsformen (Tabletten, Dragees) vertrieben. Bei der chemischen Substanz Amphetamin handelt es sich um ein synthetisch hergestelltes Betäubungsmittel. Durch Veränderung der chemischen Struktur durch Substitution werden eine Vielzahl von Designer-Drogen hergestellt. Diese resultieren aus dem Versuch, durch chemische Veränderung eines bekannten Betäubungsmittel die gesetzlich geregelten Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen zu umgehen. Die Suchtwirkung wird durch diese chemischen Abwandlungen häufig sogar verstärkt. Der Begriff Ecstasy ist eine Szenebezeichnung, die pauschal Gruppen der Amphetaminderivate MDA, MDE, MDMA, DOB umfasst. Amphetamine und Ecstasytabletten mit diversen Logos wie Pelikan, Känguruh, olympische Ringe, Herz, Dollar oder dem Volkswagen-Symbol werden illegal produziert und von Dealern in Schulen und Discotheken angeboten.

Diese als Verdachtsproben geltende Mittel werden im ZL zuerst anhand eines Katalogs, des "Europol Drugs Unit", in dem die verschiedenen Tabletten abgebildet sind, verglichen. Dieser Katalog steht dem ZL durch die freundliche Unterstützung des Bundeskriminalamtes (BKA) zur Verfügung. Weiterhin unterstützt das Bundeskriminalamt die ZL-Untersuchungen auch bei labortechnischen Fragen. Weitere Identifizierung und Verifizierung erfolgt durch Trockentests, immunochemische Verfahren, Dünnschichtchromatographie, Infrarotspektroskopie und Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC).

Bei immunochemischen Verfahren bedient man sich spezieller In-vitro-Diagnostika für Rausch- und Suchtmittel. Der Triage®-8-Test der Firma Viva-Diagnostica aus Hürth bei Köln basiert auf einem kompetitiven Immunoassay, in dem chemisch markierte Drogenderivate mit Drogenmolekülen in der Probe um Antikörperbindungsstellen konkurrieren. Dabei bilden sich violette Balken in den mit den Namen der Drogenklasse bezeichneten Detektionszone. Das Testergebnis wird abgelesen. Frontline® von Roche Diagnostics, Mannheim, ist ein Schnelltestsystem zum Sofortnachweis von Drogen und basiert auf der GLORIA-Technologie ("Gold labelled optical read rapid immunoassay"). Spezifische Antikörper-Gold-Konjugate gebunden an Drogenmoleküle führen zum Farbnachweis. Drugwipe® (Securetec, Ottobrunn) verwendet ebenfalls spezifische Antikörper-Gold-Konjugate, wobei eine immunochromatographische Trennungsschicht der Detektion vorgeschaltet wird. Es resultieren verschiedenfarbige Nachweise für die jeweiligen Stoffklassen.

Trockene, pulverförmige Proben, Flüssigkeiten, hochviskose und pastöse Substanzen können mit Teststreifen analysiert werden. Weiterhin gibt es Trockentests (ESA-Test GmbH, Eisenach) zum Schnellnachweis von Rausch- und Suchtmitteln durch chemische Reaktionen. In Brechampullen befinden sich feste Körner von Marquis-Reagenz auf speziellen Adsorbens als Trägermaterial. Die feste Verdachtsprobe wird dem Ampulleninhalt zugegeben und kurz vermischt. Es erfolgt eine Farbveränderung bei Anwesenheit von Opiumderivaten und Amphetaminen. Analog werden Cocain und Cannabisprodukte durch Reaktion mit anderen Salzen auf den Trägern nachgewiesen.

Dünnschichtchromatographie mit Fließmitteln diverser Polarität und verschiedenen Sprühreagenzien ist unabdingbar zur positiven Identifizierung von Verdachtsproben auf Rausch- und Suchtmittel, wobei authentische Referenzsubstanzen verwendet werden. Die oben beschriebenen immunochemischen Testverfahren und Trockentest geben erste Hinweise auf die Anwesenheit von Drogen. Allein sind diese wegen Querempfindlichkeiten für andere Substanzen nicht aussagekräftig. Dadurch resultieren häufig falsch positive oder negative Nachweise.

Wenn die Probenmenge ausreicht und eine Drogensubstanz und kein Gemisch vorliegt, ist Infrarotspektroskopie für den Strukturnachweis maßgebend. Dieser Technik bedient sich das ZL zur Verifizierung des Testergebnisses für einzelne Stoffe relativ häufig. Die HPLC hilft bei der zusätzlichen Bestätigung der Identität und ermöglicht zudem einen quantitativen Nachweis diverser Drogensubstanzen.

Das ZL setzt diese Analysenverfahren je nach Bedarf, Problemstellung und der zur Verfügung stehenden Probenmenge ein, und prüft die Verdachtsproben schnellstmöglich für die Apotheken. Pflanzliche Proben werden zusätzlich durch Mikroskopie auf charakteristische Merkmale untersucht. Die Vielzahl verschiedener Aufgaben ermöglicht hier keine Spezialisierung auf bestimmte automatisierte Analysentechniken.

Eingeschickte Verdachtsproben müssen sich von ihrer Beschaffenheit zur Untersuchung eignen. Benutzte, blutverschmierte Injektionsnadeln mit Probenresten werden aus Sicherheitsgründen für das Personal (HIV- und Hepatitisgefahr) im ZL nicht untersucht und sollten auf keinen Fall eingeschickt werden. Zurzeit können außerdem noch keine Haaranalysen bei Verdacht auf Drogenkonsum durchgeführt werden. Diese benötigen repräsentative Haarproben. Wenige Haare reichen nicht aus, da die Probe nach entsprechender Extraktion durch GC-MS analysiert werden. Bei positiven Befunden bleibt die Anonymität auf jeden Fall gewahrt. Liegt keine Verdachtsprobe, sondern ein definitiv bekanntes Betäubungsmittel vor, müssen die betäubungsmittelrechtlichen Aspekte bei dem Probenversand zum ZL beachtet werden.

Anschrift des Verfassers:
Dr. Syed Laik Ali
Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker
Carl-Mannich-Straße 20
65760 Eschborn
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