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Verunsicherung in der norddeutschen Pharmaindustrie

29.03.1999
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-Wirtschaft & HandelGovi-Verlag

Verunsicherung in der norddeutschen Pharmaindustrie

von Christiane Berg, Hamburg

Die Pharmaindustrie gerät zunehmend zwischen die Mühlsteine der Gesundheitspolitik, sagte Henning Fahrenkamp, Vorsitzender des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI), Landesverband Nord, bei einem Pressegespräch am 24. März 1999 in Hamburg. Die derzeit zu beobachtenden Entwicklungen und eine gespaltene Pharmakonjunktur brächten große Verunsicherung insbesondere bei den BPI-Mitgliedsunternehmen in Norddeutschland mit sich.

Die wirtschaftliche Situation der einzelnen Bundesländer stellt sich sehr unterschiedlich dar. Das umsatzstärkste Land im Norden ist im Vergleich zu Hamburg, Bremen und Niedersachsen eindeutig Schleswig-Holstein. Dort erzielte die pharmazeutische Industrie 1998 einen Umsatz von 3 Milliarden DM, was einer Steigerungsrate von 12,4 Prozent gegenüber 1997 entspricht. Im Inland erwirtschaftete sie 2,5 Milliarden DM (plus 11,7 Prozent). Der Auslandsumsatz machte 0,5 Milliarden DM (plus 13,9 Prozent) aus.

Empfindliche Umsatzeinbußen in Niedersachsen

Im Gegensatz dazu entwickelte sich die Pharmabranche in Niedersachsen äußerst unbefriedigend. Sie mußte empfindliche Umsatzeinbußen hinnehmen. Der Gesamtumsatz betrug 1998 1 Milliarde DM (minus 9,9 Prozent). Der Inland-Umsatz von 0,7 Milliarden DM ergab ein noch deutlicheres Minus von 11,9 Prozent. Auf den Auslandsmärkten setzte die niedersächsische Pharmabranche Waren im Wert von 0,3 Milliarden DM (minus 5 Prozent) um.

Hamburgs Arzneimittelhersteller lagen mit ihrer Umsatzentwicklung 1998 dazwischen. Der Gesamtumsatz nahm um 3,7 Prozent auf 0,6 Milliarden DM zu. Im Inland erzielten die Hamburger Pharmahersteller eine leichte Umsatzzunahme von 2,1 Prozent oder 0,5 Milliarden, im Ausland eine Zuwachsrate von 11,3 Prozent auf 0,1 Milliarden DM.

Die Gründe für die unterschiedliche konjunkturelle Entwicklung der norddeutschen Pharmaindustrie liegen in der Zusammensetzung der Pharmaunternehmen in den einzelnen Ländern, betonte Fahrenkamp. In Schleswig-Holstein beispielsweise sind mehrere weltweit bekannte, im Ausland operierende, umsatzstarke Unternehmen ansässig. Dagegen finden sich in Niedersachsen überwiegend kleinere und mittlere Betriebe, deren Erzeugnisse häufig auf Naturstoffen basieren. Diese und die in Niedersachsen überdurchschnittlich stark vertretenen Lohnhersteller seien von den Strukturmaßnahmen der Gesundheitspolitik besonders stark betroffen.

Der Vorsitzende BPI-Nord sagte weitere Schwierigkeiten durch die verbindliche Einführung einer Positivliste und die neuen Arzneimittelrichtlinien voraus. Sie sehen über die bereits ausgeschlossenen 47 Arzneimittelgruppen den Ausschluß weiterer 22 Arzneimittelgruppen vor. Zahlreiche Präparate, die diesen Gruppen zuzuordnen sind, werden in Norddeutschland hergestellt. Der Arzt könne solche Präparate zwar zum Teil weiter verordnen, müßte dies aber ausführlich begründen und dokumentieren. Fahrenkamp: "Wir befürchten, daß sich die Ärzte den bürokratischen Aufwand ersparen und sich eher auf die uneingeschränkt verordnungsfähigen Arzneimittel konzentrieren".

Unabhängig von ihrer Ausgestaltung werde die Positivliste zur Einschränkung der Therapiefreiheit der Ärzte und somit zu einer Rationierung der Gesundheitsleistungen am Patienten führen. Fahrenkamp befürchtet erhebliche Umsatzeinbußen bei einer Vielzahl von BPI-Mitgliedsunternehmen mit empfindlichen Folgen auch für den Arbeitsmarkt. Top

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