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Hessens Ärzte lassen sich gute Noten geben

23.03.1998  00:00 Uhr

-Politik

Govi-Verlag

Hessens Ärzte lassen sich gute Noten geben

Die Patienten in Hessen haben zu ihren Hausärzten offensichtlich großes Vertrauen. Entgegen den Befürchtungen vieler Ärzte nehmen es ihnen die Kranken auch nicht übel, wenn ein gewünschtes Medikament nicht verordnet wird oder wenn sie auf ein preiswerteres Generikum umgestellt werden. Dies ist das Ergebnis einer Befragung von 1616 Patienten hessischer Hausarztpraxen.

"Wenn ein Arzt seine ablehnende Haltung zu einem Verordnungswunsch medizinisch begründen kann, zeigen die meisten Patienten dafür Verständnis", erläuterte der Studienleiter Dr. Joachim Szecsenyi vom Institut für Angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen am 18. März in Frankfurt am Main. Auftraggeber der Studie waren die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen und derVerband der Angestellten-Krankenkassen. Verärgert sind Patienten vor allem dann, wenn der Arzt die Ablehnung mit allgemeinen Floskeln begründet, etwa mit einem Hinweis auf die Gesundheitsreform oder Schwierigkeiten mit der Krankenkasse.

Unbegründet sei die Sorge, daß Patienten nicht wiederkommen, wenn ihnen ein Medikament verwehrt wurde, sagte Szecsenyi weiter. Lediglich 3,4 Prozent der Befragten gaben an, aus diesem Grund schon einmal den Hausarzt gewechselt zu haben. Dem stehen 6,4 Prozent gegenüber, die den Hausarzt wechselten, weil er ihrer Meinung zu schnell zum Rezeptblock greift.

Zumindest nach den Ergebnissen der Umfrage zeigen Patienten auch großes Verständnis dafür, wenn ein Arzt anstelle des Originalpräparates ein Generikum verordnet. So gaben 69,2 Prozent der Befragten an, daß sie mit der Umstellung auf ein preiswerteres gleichwertiges Medikament einverstanden wären.

Grundsätzlich schnitten Hessens Allgemeinmediziner in der Umfrage sehr gut ab. 55 Prozent der Befragten sind mit ihrem Hausarzt sehr zufrieden, 38 sind zufrieden. Kritisiert wurde in erster Linie, daß einige Ärzte alternative Behandlungsmethoden nicht anbieten. Immerhin 35,9 Prozent der Befragten bemängelte dies. Mit jeweils 30 Prozent folgten Beschwerden über mangelnde Erklärungen zu Nebenwirkungen von Medikamenten und die fehlende Beratung zu nicht-medikamentösen Therapieformen.

Der Vorsitzende der KV-Hessen, Dr. Jürgen Bausch, sieht das Ergebnis der Studie als Aufforderung noch mehr Generika einzusetzen. Die Umfrage beweise, daß die Patienten Nachahmerpräparate akzeptierten, wenn der Arzt eine plausible und verständliche Begründung dafür liefere. Er forderte die Krankenkassen dazu auf, ihre Versicherten intensiver über den Nutzen von Generika zu informieren.

Ebenfalls untersucht wurde in der Studie, welche Gründe Patienten angeben, wenn sie ihre Medikamente nicht oder nicht richtig einnehmen. Erwartungsgemäß stehen hierbei Nebenwirkungen beziehungsweise die Furcht davor an vorderster Stelle. 32 Prozent der Patienten, die sich nicht an die Vorgaben ihres Arztes hielten, gaben tatsächliche Nebenwirkungen an. 14 Prozent befürchteten Nebenwirkungen. Weitere Gründe für Non-Compliance waren die Besserung der Beschwerden und Vergeßlichkeit (jeweils 10 Prozent).

Die Umfrageergebnisse zur Compliance müssen aber wohl mit einiger Vorsicht genossen werden, denn lediglich 301 Personen (21 Prozent der Befragten) gaben an, ein Medikament anders als von ihrem Hausarzt verordnet eingenommen zu haben. Diese Zahl steht in deutlichen Widerspruch zu anderen Umfrageergebnissen, bei denen wesentlich höhere Non-Compliance-Quoten ermittelt wurden. So geht die ABDA davon aus, daß bis zu 50 Prozent aller Medikamente nicht korrekt eingenommen werden

PZ-Artikel von Daniel Rücker, Frankfurt am MainTop

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